ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Japan will Kapital heimholen: Takaichi plant GPIF-Neuausrichtung

Japans Finanzministerin will den weltgrößten Pensionsfonds umlenken – mit potenziell weitreichenden Folgen für globale Märkte und den Yen.

Japan will Kapital heimholen: Takaichi plant GPIF-Neuausrichtung

Japan erwägt eine historische Kehrtwende in seiner Kapitalstrategie. Finanzministerin Satsuki Katayama brachte am Freitag die Idee ins Gespräch, den staatlichen Pensionsfonds GPIF (Government Pension Investment Fund) sowie andere Vorsorgeeinrichtungen dazu zu ermutigen, ihre Bestände an inländischen Vermögenswerten deutlich zu erhöhen. Die Reaktion der Märkte war unmittelbar: Japanische Staatsanleihen (JGBs) stiegen, und der Yen legte gegenüber seinen Mehrjahrestiefs zu.

Der GPIF ist mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,8 Billionen US-Dollar der weltgrößte Pensionsfonds. Japan insgesamt hielt im Jahr 2025 ein Rekordvolumen von 561,75 Billionen Yen – umgerechnet etwa 3,53 Billionen US-Dollar – an Auslandsvermögen und ist damit nach Deutschland und China der drittgrößte globale Besitzer von Auslandsvermögen. Ein Rückfluss auch nur eines Teils dieser Gelder in den Heimatmarkt hätte erhebliche Auswirkungen auf globale Kapitalströme.

Die Abe-Ära als Ausgangspunkt

Der Ursprung der heutigen Situation liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. Premierminister Shinzo Abe drängte den GPIF im Jahr 2014 dazu, seine konservative, anleihelastige Anlagestrategie aufzugeben und stattdessen höhere Renditen in Aktien und Auslandsvermögen anzustreben. Hintergrund war eine schnell alternde Bevölkerung und damals düstere inländische Renditen. Diese Entscheidung leitete eine tektonische Verschiebung des Portfolios ein, die massive Kapitalabflüsse ins Ausland zur Folge hatte.

Nun erwägt Premierministerin Sanae Takaichi, ideologische Nachfolgerin Abes, denselben Fonds in die entgegengesetzte Richtung zu lenken. Ziel ist es, inländische Vermögenswerte zu stützen und zurückkehrende Gelder in Wachstumsprojekte zu kanalisieren – darunter Künstliche Intelligenz, Chips und Verteidigung. Ein GPIF-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu Katayamas Äußerungen ab.

Die Rahmenbedingungen haben sich seit 2014 grundlegend verändert. Der Nikkei-Index ist im laufenden Jahr bisher um 36 Prozent gestiegen und steuert auf neue Rekordhochs zu. Die Renditen der richtungsweisenden 10-jährigen JGBs sprangen zuletzt auf den höchsten Stand seit 1996. „Es ist ein geeigneter Zeitpunkt, um die Allokationen in inländische gegenüber ausländischen Vermögenswerten neu zu bewerten", sagte Frances Cheung, Leiterin der Devisen- und Zinsstrategie bei OCBC. „Der Renditevorteil bei JGBs ist auf währungsgesicherter Basis vergleichbar mit oder sogar besser als bei US-Staatsanleihen geworden."

Yen-Schwäche als strukturelles Problem

Ein zentrales Motiv hinter den Überlegungen ist die hartnäckige Schwäche des Yen. Trotz einer Zinserhöhung der Bank of Japan auf ein 31-Jahres-Hoch im Juni sowie Rekordinterventionen der Regierung an den Devisenmärkten im April und Mai blieb die japanische Währung schwach. „Ihnen gehen auch allmählich die Ideen aus, wie sie die Währung stützen können", sagte IG-Marktanalyst Fabien Yip. „Der Versuch, das Problem strukturell oder fundamental zu ändern – also mehr Zuflüsse in auf Yen lautende Vermögenswerte zu schaffen –, würde die Währung langfristig stützen."

Hinzu kommt, dass die Bank of Japan (BOJ) ihren Kurs grundlegend geändert hat. Mehr als ein Jahrzehnt lang war sie der größte Käufer am japanischen Markt und kaufte die Hälfte des JGB-Marktes sowie Aktienfonds im Wert von rund 37 Billionen Yen auf. Seither arbeitet die Zentralbank an einer Normalisierung ihrer Politik und verkleinert ihre Bilanz – ein Rückzug, der eine Lücke an den öffentlichen Märkten hinterlassen hat. „Die Bank of Japan hat sich zu einem Nettoverkäufer entwickelt, da JGBs schneller aus ihrer Bilanz auslaufen, als sie neue kauft", erklärte Stefan Angrick, Direktor bei Moody's Analytics in Tokio.

Skepsis unter Analysten

Trotz des unmittelbaren Marktauftriebs sind viele Analysten skeptisch, ob die Wirkung anhalten wird. Einige betrachten Katayamas Äußerungen eher als Wunschvorstellung denn als verbindliche Ankündigung. Zudem würde die Umschichtung eines so großen Portfolios wie das des GPIF erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Jeder Schwenk hin zu japanischen Vermögenswerten würde zudem den Verkauf ausländischer Werte erfordern – ein Prozess, der die globalen Märkte belasten könnte.

„Das klingt nach einem Déjà-vu", sagte Norihiro Yamaguchi, leitender Japan-Ökonom bei Oxford Economics, und verwies auf die Bemühungen Südkoreas im Dezember, seinen Pensionsfonds zur Verteidigung des Won einzusetzen. „Ich bezweifle, dass es ausreichen wird, um das Blatt zu wenden, angesichts der zugrunde liegenden Fundamentaldaten, die auf eine anhaltende Yen-Schwäche hindeuten." Ungelöst bleiben auch Japans enorme Schuldenlast und Haushaltsdefizite, die auch mit Rentengeld nicht überdeckt werden können.

Fred Neumann, Chefökonom für Asien bei HSBC, fasste die Bedeutung des Moments treffend zusammen: „Die große Rückführung von Vermögenswerten ist das fehlende Puzzleteil auf Japans Weg zur Reflation. Trotz steigender Zinsen vor Ort und eines lebhaften Aktienmarktes haben japanische Investoren bisher wenig Neigung gezeigt, ihre beträchtlichen Auslandsbestände zu reduzieren und Mittel in die heimischen Märkte zurückzuführen."

GPIFJapan PensionsfondsYenJapanische Staatsanleihen JgbKapitalrückfluss JapanTakaichiBank Of Japan

Disclaimer