Japanischer Yen fällt auf 40-Jahres-Tief gegenüber US-Dollar
Der Yen erreichte mit 161,96 pro Dollar den schwächsten Stand seit 1986 – trotz jüngster Zinserhöhungen der Bank of Japan.

Der japanische Yen hat am Montag gegenüber dem US-Dollar den niedrigsten Stand seit fast vier Jahrzehnten erreicht. Die Währung gab um bis zu 0,1 Prozent auf 161,96 Yen pro Dollar nach und durchbrach damit die Marke von 161,95 – ein Niveau, das zuletzt im Juli 2024 verzeichnet wurde, als japanische Behörden aktiv in den Devisenmarkt eingriffen.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt des Kursrückgangs: Er erfolgt trotz der jüngsten geldpolitischen Straffungsmaßnahmen der Bank of Japan. Die japanische Zentralbank hatte ihren Leitzins am 16. Juni auf 1,0 Prozent angehoben – den höchsten Stand seit 1995. Dennoch zeigte diese Maßnahme kaum Wirkung auf den Wechselkurs, da Händler davon ausgehen, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren restriktiven geldpolitischen Kurs beibehält. Das Zinsgefälle zwischen Japan und den USA bleibt damit der entscheidende Treiber der Yen-Schwäche.
Japanische Behörden drohen mit Intervention
Japans Finanzministerin Satsuki Katayama reagierte auf die Entwicklung mit deutlichen Worten. Sie erklärte am 19. Juni, dass die Behörden weiterhin bereit seien, „entschlossene Maßnahmen" gegen übermäßige spekulative Bewegungen am Devisenmarkt zu ergreifen. Darüber hinaus betonte Katayama, dass Japan und die USA nach einem Treffen mit US-Finanzminister Scott Bessent in der Devisenpolitik zunehmend „einer Meinung" seien. Beide Länder hätten vereinbart, falls nötig „mutige Schritte" bei den Währungen zu unternehmen.
Solche Warnungen sind in Japan keine leeren Drohungen. Zwischen dem 28. April und dem 27. Mai gab Japan einen Rekordbetrag von 11,73 Billionen Yen – umgerechnet rund 72,5 Milliarden US-Dollar – aus, um in die Devisenmärkte einzugreifen. Auslöser war der erstmalige Rückgang des Yen unter die Marke von 160 pro Dollar. Zur Finanzierung dieser Interventionen nutzte die Regierung laut Daten des Finanzministeriums ihre Bestände an ausländischen Wertpapieren, darunter auch US-Staatsanleihen.
Schwacher Yen: Gewinner und Verlierer
Die anhaltende Yen-Schwäche hat in Japan eine zweischneidige Wirkung. Auf der einen Seite profitieren japanische Exporteure erheblich: Ein schwacher Yen steigert ihre Gewinne, da im Ausland erzielte Erlöse in Yen umgerechnet höher ausfallen. Dies stützt auch den japanischen Aktienmarkt.
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Zur AktienanalyseAuf der anderen Seite leiden japanische Verbraucher unter den Folgen. Da Öl und Gas in US-Dollar fakturiert werden, verteuern sich die Importkosten erheblich. Die Folge sind steigende Verbraucherpreise für Lebensmittel und Strom – eine spürbare Belastung für die Bevölkerung.
Politisch brisant ist zudem ein weiterer Aspekt: Die japanische Regierung plant, in ihren grundlegenden politischen Leitlinien eine „angemessene" Geldpolitik zu fordern. Marktteilnehmer interpretieren dies als Versuch, die Bank of Japan von weiteren Zinserhöhungen abzuhalten – was den Druck auf den Yen mittelfristig aufrechterhalten dürfte. Für deutsche Anleger mit Engagements in japanischen Aktien oder Anleihen bleibt die Währungsentwicklung damit ein wichtiger Risikofaktor.

