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Japans Kerninflation fällt auf Vierjahrestief – BOJ vor Zinserhöhung

Im April sank Japans Kern-CPI auf 1,4 Prozent – staatliche Subventionen dämpften Preise, doch Energieschock droht Trend umzukehren.

Japans Kerninflation fällt auf Vierjahrestief – BOJ vor Zinserhöhung

Japans jährliche Kerninflation ist im April auf ein Vierjahrestief gefallen. Der Kern-Verbraucherpreisindex (CPI), der die Kosten für frische Lebensmittel ausschließt, stieg im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 1,4 Prozent – deutlich langsamer als der Anstieg von 1,8 Prozent im März und weit unter der mittleren Marktprognose von 1,7 Prozent. Es war der geringste Anstieg seit März 2022.

Haupttreiber des Rückgangs waren staatliche Subventionen für Kraftstoffe sowie ein Einbruch der Bildungsgebühren um 10,6 Prozent, der die Inflation im Dienstleistungssektor erheblich belastete. Stetige Preissteigerungen bei Lebensmitteln und anderen Posten konnten diesen Effekt nur teilweise ausgleichen.

BOJ-Indikator ebenfalls rückläufig

Ein von der Bank of Japan (BOJ) besonders beobachteter Index, der sowohl frische Lebensmittel als auch Kraftstoffe ausschließt und als Maßstab für nachfragegetriebene Preisbewegungen gilt, stieg im April um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im März hatte dieser Wert noch bei 2,4 Prozent gelegen. Trotz des Rückgangs bleibt der Inflationsdruck aus Sicht der Notenbank ein zentrales Thema.

Analysten warnen bereits vor einer baldigen Trendwende. „Obwohl der Inflationsdruck im April nachgelassen hat, wird er in Kürze wieder zunehmen. Dementsprechend glauben wir weiterhin, dass die Bank of Japan ihren Straffungszyklus eher früher als später wieder aufnehmen wird", sagte Abhijit Surya, Senior APAC Economist bei Capital Economics.

Iran-Krieg belastet Japans Wirtschaft und Geldpolitik

Der Konflikt im Nahen Osten hat die geldpolitische Lage in Japan erheblich verkompliziert. Die faktische Schließung der Straße von Hormus – einem Nadelöhr für etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasströme – trieb die Rohölpreise in die Höhe und wertete den US-Dollar gegenüber dem Yen auf. Japan ist als rohstoffarmes Land stark von Kraftstoffimporten aus der Region abhängig, was die Wirtschaft zusätzlich unter Druck setzt.

Die Großhandelsinflation, ein Frühindikator für die Verbraucherpreise, beschleunigte sich im April so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Gestiegene Preise für Öl und chemische Güter infolge des Iran-Krieges treiben diesen Anstieg voran – und liefern der BOJ zugleich Argumente für eine baldige Zinserhöhung.

Zinserhöhung im Juni gilt als wahrscheinlich

Die aktuellen Inflationsdaten gehören zu den Faktoren, die die BOJ bei ihrer geldpolitischen Sitzung im Juni prüfen wird. Es wird allgemein erwartet, dass das Direktorium den kurzfristigen Leitzins von derzeit 0,75 Prozent auf 1,0 Prozent anheben wird.

BOJ-Direktoriumsmitglied Junko Koeda äußerte sich am Donnerstag in diesem Sinne und erklärte, sie prüfe die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Weitergabe der Großhandels- an die Verbraucherinflation. „Ich halte es für angemessen, den Leitzins in einem angemessenen Tempo anzuheben, um der hohen Inflation zu begegnen und gleichzeitig die Abwägungen für die Wirtschaft zu berücksichtigen", sagte Koeda. Sie warnte zudem, dass der Energieschock die zugrunde liegende Inflation über das 2-Prozent-Ziel der Zentralbank treiben könnte.

BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda wird voraussichtlich am 3. Juni eine Rede halten, die von Marktteilnehmern genau auf Hinweise zu einer möglichen Zinserhöhung bei der geldpolitischen Sitzung am 15. und 16. Juni analysiert werden wird. Für deutsche Anleger mit Positionen in japanischen Aktien oder Yen-Anlagen bleibt die Entwicklung der BOJ-Geldpolitik damit ein wichtiger Beobachtungspunkt in den kommenden Wochen.

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