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Japans Kerninflation im Mai verfehlt erneut BOJ-Ziel

Kraftstoffsubventionen dämpfen den Preisanstieg, doch steigende Erzeugerpreise signalisieren zunehmenden Inflationsdruck in Japan.

Japans Kerninflation im Mai verfehlt erneut BOJ-Ziel

Japans jährliche Kerninflation ist im Mai den vierten Monat in Folge unter dem Zielwert der Bank of Japan (BOJ) von 2% geblieben. Der Kern-Verbraucherpreisindex (CPI), der die volatilen Preise für frische Lebensmittel ausschließt, stieg im Mai im Jahresvergleich um 1,4%. Damit entsprach der Wert exakt der mittleren Marktprognose und blieb gegenüber dem Vorjahresanstieg im April stabil.

Staatliche Kraftstoffsubventionen spielten dabei eine entscheidende Rolle: Sie glichen die steigenden Rohstoffkosten infolge des Nahostkonflikts aus und verhinderten einen stärkeren Preisanstieg auf Verbraucherebene. Analysten erwarten jedoch, dass sich die Verbraucherinflation in den kommenden Monaten wieder beschleunigen wird.

BOJ hebt Zinsen auf 31-Jahres-Hoch

Ein von der Bank of Japan besonders beobachteter Index, der sowohl frische Lebensmittel als auch Kraftstoffe ausschließt und als besserer Indikator für die zugrunde liegende Inflation gilt, stieg im Mai um 1,8% gegenüber dem Vorjahr. Dies war das langsamste jährliche Tempo seit September 2022 – ein Zeichen, dass die Subventionen die Kerndynamik vorerst noch bremsen.

Ungeachtet der gedämpften Verbraucherpreise hob die Bank of Japan die Zinssätze in einem wegweisenden Schritt ihrer geldpolitischen Normalisierung auf ein 31-Jahres-Hoch an. Damit signalisierte die Zentralbank ihre Bereitschaft zu weiteren Straffungen, während sie sich darauf konzentriert, den Preisdruck infolge des durch den Iran-Krieg ausgelösten Energieschocks zu bändigen.

Großhandelsinflation auf Dreijahreshoch

Auf Erzeugerebene zeichnet sich ein deutlich schärferes Bild ab: Die Großhandelsinflation kletterte im Mai auf ein Dreijahreshoch von 6,3%. Dies ist ein klares Signal dafür, dass Unternehmen die höheren Kosten aus dem Energieschock bereits an nachgelagerte Stufen weitergeben. Für Verbraucher bedeutet das, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten spürbar zunehmen dürfte.

Obwohl ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran die Marktsorgen über den globalen Inflationsdruck zuletzt etwas milderte, bleibt die Lage für die BOJ komplex. Der Nahostkonflikt hat die Entscheidungen der Zentralbank über Zeitpunkt und Tempo weiterer Zinserhöhungen erheblich verkompliziert: Höhere Energiekosten heizen die Inflation an und belasten gleichzeitig die stark von Ölimporten abhängige japanische Wirtschaft.

Ausblick: Weiterer Straffungskurs erwartet

Analysten sehen die Bank of Japan dennoch auf Kurs für weitere Zinserhöhungen. Der zunehmende Kostendruck, der sich bereits in den Erzeugerpreisen widerspiegelt, dürfte sich schrittweise auf die Verbraucherpreise übertragen. Für deutsche Anleger und Beobachter der globalen Geldpolitik ist die Entwicklung in Japan besonders relevant: Die BOJ gehört zu den letzten großen Zentralbanken, die ihren jahrzehntelangen Niedrigzinspfad verlassen – ein Prozess, der die internationalen Kapitalmärkte und Währungsrelationen weiterhin beeinflussen wird.

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