Japans LDP warnt vor Absprachen zwischen Aktivisten und Private Equity
Japans Regierungspartei sieht Fairness an den Kapitalmärkten durch mutmaßliche Kooperationen bei Delisting-Transaktionen gefährdet.

Japans Liberaldemokratische Partei (LDP) hat am Freitag scharfe Kritik an mutmaßlichen Absprachen zwischen aktivistischen Investoren und Private-Equity-Fonds geäußert. In Entwürfen für politische Vorschläge warnt das LDP-Projektteam für Corporate Governance, dass solche Vereinbarungen bei sogenannten Take-private-Deals die Fairness an den Kapitalmärkten untergraben könnten. Die Vorschläge sollen bis Ende Juli finalisiert werden.
Konkret geht es um Fälle, in denen Aktivisten im Verdacht stehen, hinter den Kulissen mit Buyout-Fonds zusammenzuarbeiten, die börsennotierte Unternehmen von der Börse nehmen wollen. Solche Fälle „geben Anlass zur Sorge sowohl unter dem Gesichtspunkt der Steigerung des Unternehmenswerts als auch der rechtlichen Fairness", heißt es in dem Dokument. Spezifische Fälle wurden dabei nicht genannt.
Aktivisten im Verdacht unlauterer Gewinne
Die LDP-Gruppe thematisiert zudem einen weiteren Vorwurf: Aktivistische Aktionäre sollen im Verdacht stehen, sich „unfaire Gewinne zu sichern", indem sie einen Teil ihrer Verkaufserlöse in Akquisitionsvehikel reinvestieren, die von den Private-Equity-Käufern gegründet wurden. Dies ist einer der deutlichsten Ausdrücke von Besorgnis der japanischen Regierungspartei über den wachsenden Einfluss aktivistischer Investoren bei Unternehmensumstrukturierungen – und spiegelt den Frust vieler japanischer Unternehmen wider, die unter dem Druck solcher Investoren stehen.
Japan hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der weltweit aktivsten Märkte für aktivistische Investoren außerhalb der USA entwickelt. Internationale Hedgefonds drängen japanische Unternehmen zunehmend dazu, Renditen zu steigern, Überkreuzbeteiligungen aufzulösen und die Corporate Governance zu verbessern. Parallel dazu ist der Private-Equity-Markt stark gewachsen: Laut Dealogic stiegen entsprechende Deals in Japan im vergangenen Jahr um 47,8 Prozent auf 42 Milliarden US-Dollar.
Strenge Regeln für Aktionärsrechte geplant
Als Reaktion auf die beschriebenen Praktiken sehen die LDP-Vorschläge eine Reihe von Maßnahmen vor. Dazu gehören:
- Verschärfung der Kriterien für Aktionäre, um außerordentliche Hauptversammlungen einzuberufen
- Einschränkung von Aktionärsanträgen zu Fragen der Geschäftsführung
- Maßnahmen zur Eindämmung von „spekulativem oder missbräuchlichem" Arbitrage-Handel
Darüber hinaus diskutiert die Gruppe mögliche Beschränkungen bei sogenannten Abfindungsrechten (Appraisal Rights). Diese ermöglichen es Aktionären, die einem Buyout widersprechen, zu verlangen, dass das Unternehmen ihre Anteile zu einem gerichtlich festgelegten fairen Wert erwirbt. Konkret wird erwogen, Investoren, die Aktien erst nach der Ankündigung eines M&A-Deals erworben haben, von diesen Rechten auszuschließen – ähnlich wie es in US-Bundesstaaten wie Delaware bereits praktiziert wird.
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Zur AktienanalyseToyota-Übernahme als Auslöser der Debatte
Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Thema Arbitrage-Handel im Zusammenhang mit der monatelangen Auseinandersetzung um die Übernahme von Toyota Industries durch Toyota Motor. Der US-amerikanische Aktivistenfonds Elliott Investment Management baute dabei eine große Beteiligung an der Toyota-Tochter auf, um einen höheren Übernahmepreis durchzusetzen – ein Vorgehen, das die aktuelle politische Debatte in Japan maßgeblich befeuert hat.
Die Japan Private Equity Association lehnte eine Stellungnahme zu den LDP-Vorschlägen ab. Die Transaktionsaktivität im japanischen Private-Equity-Markt bleibt derweil hoch: Aktuell läuft unter anderem ein Bieterwettstreit zwischen dem schwedischen Finanzinvestor EQT und Bain Capital um das japanische Preisvergleichsportal Kakaku.com – wobei auch SoftBanks LY Corp als Bieter im Rennen ist.


