Japans Verteidigungsminister weist Vorwürfe des Neo-Militarismus zurück
Beim Shangri-La-Dialog in Singapur kontert Koizumi chinesische Anschuldigungen und fordert mehr Transparenz im Asien-Pazifik-Raum.

Japans Verteidigungsminister Koizumi hat beim renommierten IISS Shangri-La-Dialog die chinesischen Vorwürfe des „Neo-Militarismus" scharf zurückgewiesen. Er betonte, dass Tokio das Völkerrecht stets respektiert habe und Japans Rolle als friedliebende Nation von der Region und der internationalen Gemeinschaft anerkannt werde. „Diese Tatsache wird durch falsche Behauptungen nicht erschüttert werden, da es sich um eine Tatsache handelt", erklärte Koizumi in seiner Rede.
Der Hintergrund der Auseinandersetzung: Das chinesische Verteidigungsministerium hatte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am 28. Mai die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, Japans „Neomilitarismus" gemeinsam einzudämmen. Koizumi reagierte darauf mit deutlichen Worten: „Nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte" als dieser Vorwurf.
Koizumis Gegenargument: Atomwaffen und strategische Bomber
In einer pointierten Erwiderung verwies Koizumi auf das militärische Ungleichgewicht zwischen Japan und China. „Denken Sie darüber nach. Es gibt ein Land, das über ein riesiges Arsenal an Atomwaffen und strategischen Bombern verfügt. Japan besitzt keine dieser Waffen, und dennoch wird Japan als neomilitaristisch abgestempelt. Ist das nicht merkwürdig?", fragte er rhetorisch.
Japan hat in jüngster Zeit tatsächlich Schritte unternommen, seine Verteidigungshaltung auszuweiten. Dazu gehören die Aufhebung des Exportverbots für tödliche Waffen sowie die Prüfung von Änderungen an Artikel 9 der japanischen Verfassung. Dieser Verfassungsartikel sieht den Verzicht auf Krieg und die Unterhaltung von Streitkräften vor – ein Kernelement der japanischen Nachkriegsordnung seit 1947.
Chinas Abwesenheit auf Ministerebene sorgt für Kritik
Besonders auffällig war beim diesjährigen Dialog die Abwesenheit des chinesischen Verteidigungsministers Dong Jun. Peking entsandte stattdessen eine niedriger rangierende Delegation unter der Leitung von Generalmajor Meng Xiangqing von der Nationalen Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee. Dong hatte den Dialog damit das zweite Jahr in Folge ausgelassen.
Koizumi zeigte sich „traurig" darüber, seinen chinesischen Amtskollegen nicht treffen zu können. Er kritisierte zudem, dass eine Wiederholung von „unbegründeten Behauptungen in Abwesenheit der anderen Seite" nicht das sei, was die Region benötige. Meng hatte beim Dialog seinerseits gegen Tokio ausgeteilt und auf den bevorstehenden 80. Jahrestag der Eröffnung des Internationalen Militärgerichtshofs für den Fernen Osten im Jahr 2026 hingewiesen – jenes Tribunals, vor dem japanische Führungspersönlichkeiten 1946 für ihre Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zur Rechenschaft gezogen wurden.
Transparenz als Schlüssel zur Sicherheit im Asien-Pazifik
Koizumi nutzte seine Rede auch, um grundlegende Prinzipien für die regionale Sicherheit zu formulieren. Er forderte „Vertrauen, Transparenz und Gespräche" im Asien-Pazifik-Raum und bezeichnete Transparenz als die „Grundlage für den Abbau von Spannungen und die Vermeidung von Krisen".
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseJapan werde seine Verteidigungsfähigkeiten mit einem „hohen Maß" an Transparenz ausbauen, so Koizumi. Als Begründung nannte er neue Formen der Kriegsführung, die weltweit entstünden – darunter Künstliche Intelligenz, Cyberkriegsführung und der Einsatz unbemannter Systeme.
Gleichzeitig kritisierte Koizumi Chinas Rüstungspolitik: Peking steigere seine Verteidigungsausgaben weiterhin auf hohem Niveau und baue seine „militärischen Fähigkeiten in einer Vielzahl von Bereichen ohne ausreichende Transparenz rasch aus". Diese Einschätzung deckt sich mit einer NATO-Bewertung vom November 2022, wonach die Mitgliedsstaaten über Chinas rasche und undurchsichtige militärische Aufrüstung besorgt seien.
Trotz der scharfen Töne plädierte Koizumi abschließend für Dialog. Er bezeichnete einen „beharrlichen, offenen Dialog und Kommunikation" als unerlässlich und räumte ein, dass Nationen unterschiedliche Positionen haben werden – „aber genau deshalb müssen wir Gespräche führen".

