Jazzlegende Sonny Rollins im Alter von 95 Jahren gestorben
Der bedeutendste Saxophonist seiner Generation verstarb in seinem Haus in Woodstock, New York.

Sonny Rollins, der führende Saxophonist seiner Generation, ist im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Woodstock, New York, verstorben. Mit ihm verliert die Jazzwelt eine ihrer prägendsten Figuren des 20. Jahrhunderts. Sein wegweisendes Album Saxophone Colossus aus dem Jahr 1956 gilt bis heute als eines der bedeutendsten Werke der Jazzgeschichte.
Rollins verband in seinen improvisierten Schöpfungen architektonische Strenge mit verschlungener Komplexität. Er galt als einer der großzügigsten Interpreten und genoss ein außergewöhnliches Maß an Zuneigung und Respekt in der Musikwelt. Trotz der sich häufenden Auszeichnungen trat er stets bescheiden auf und war von den Ehrungen eher verlegen.
Kindheit in Harlem und frühe Einflüsse
Walter Theodore Rollins wurde am 7. September 1930 im Sugar Hill-Viertel von Harlem geboren. Seine Eltern stammten von den Jungferninseln und ermutigten ihren Sohn früh zum Musizieren. Sugar Hill war das Zentrum der Harlem Renaissance – Duke Ellington wohnte im selben Block wie die Familie Rollins, der Saxophonist Coleman Hawkins lebte um die Ecke.
Rollins' erste Instrumente waren Klavier und Altsaxophon. Ein früher Einfluss war der raue Blues des Saxophonisten Louis Jordan. Nachdem er Coleman Hawkins spielen gehört hatte, wechselte er zum Tenorsaxophon und wurde Stammgast in den modernistischen Kreisen New Yorks. Ursprünglich wollte Rollins Karikaturist werden – erst als führende Musiker auf ihn zukamen, konzentrierte sich der Autodidakt auf die Musik als Karriereweg.
Seine erste Aufnahme entstand 1949 mit dem Bebop-Sänger Babs Gonzales. Bald folgten Sessions mit dem Trompeter Fats Navarro und dem Pianisten Bud Powell. Innerhalb von vier Jahren hatte Rollins das Fundament seiner Diskografie gelegt – sein voller Klang, sein melodisches Talent und sein Verständnis für Harmonie waren bereits gefestigt. Aufnahmen mit Thelonious Monk und Miles Davis wurden zu Klassikern, Kompositionen wie „Oleo" und „Doxy" gelten heute als Jazz-Standards.
Kampf gegen Heroinsucht und Neuanfang
Rollins kämpfte jedoch auch mit einer schweren Heroinabhängigkeit, die ihn in eine nahezu katastrophale Abwärtsspirale führte. 1950 verbüßte er eine zehnmonatige Haftstrafe auf Rikers Island wegen bewaffneten Raubüberfalls. Erst 1955 gelang ihm der Entzug, nachdem ihn ein wohlwollender Richter in ein experimentelles Entzugsprogramm verwiesen hatte.
Im selben Jahr schloss er sich dem Quintett von Clifford Brown und Max Roach an. Als Brown 1956 bei einem Autounfall ums Leben kam, war dies das letzte Mal, dass Rollins als Sideman arbeitete – mit Ausnahme von drei nicht namentlich genannten Soli auf dem Rolling-Stones-Album Tattoo You aus dem Jahr 1981.
Noch während seiner Zeit bei Brown und Roach begann Rollins eine bemerkenswerte Serie von Aufnahmen als Bandleader. Informelle Studiosessions für das Label Prestige brachten 1956 Saxophone Colossus hervor. Ein Jahr später veröffentlichte Blue Note Newk's Time sowie das Live-Trio-Album A Night at the Village Vanguard. Mit der 1958 erschienenen Freedom Suite auf Riverside experimentierte Rollins zudem mit längeren Kompositionen.
Die Williamsburg Bridge als Übungsort
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Zur AktienanalyseAuf dem Höhepunkt seiner Popularität zog sich Rollins aus dem öffentlichen Leben zurück – er hatte das Gefühl, sein Publikum zu enttäuschen. Zwei Jahre lang übte er auf den Brücken New Yorks, wobei die breiteren Fußwege der Williamsburg Bridge seine bevorzugte Wahl waren. Als er 1961 in die Jazzszene zurückkehrte, gründete er eine Band mit Ornette Colemans Trompeter Don Cherry.
Bis 1972 hatte sich ein neuer Ansatz etabliert. In jenem Jahr unterschrieb Rollins beim Label Milestone und veröffentlichte Next Album. Einfache Themen, eigenwillige Standards und ein einzelner Calypso wurden für den Rest seines Lebens zu festen Bestandteilen seines Repertoires. Rollins entwickelte nun Soli von labyrinthischer Komplexität, voller historischer Referenzen und ausgefallener Zitate.
Besonders seine gelegentlichen Solokonzerte galten als Höhepunkte seines Schaffens, wie auf The Solo Album von 1985 zu hören ist. Seine Konzerte in späteren Jahren wurden zu kraftraubenden Ritualen, die auf einer Reihe von Emarcy-Alben mit dem Titel Road Shows festgehalten wurden. Rollins hinterlässt ein kleines Portfolio an Jazz-Standards sowie ein umfangreiches aufgenommenes Werk, das seinen Platz in der Musikgeschichte dauerhaft sichert.

