J.P. Morgan und BMO stufen Reliance-Aktie wegen Margendrucks herab
Stagnierende Bruttomargen und eine ambitionierte Bewertung veranlassen zwei Wall-Street-Banken zur Herabstufung des Metall-Spezialisten.

Reliance Inc., einer der größten Metall-Service-Center-Betreiber Nordamerikas, steht unter Druck. J.P. Morgan und BMO Capital Markets haben die Aktie unabhängig voneinander herabgestuft und verweisen dabei auf stagnierende Bruttomargen sowie eine aus ihrer Sicht zu ambitionierte Bewertung.
BMO-Analystin Katja Jancic begründet den Schritt mit dem Rückgang der Bruttomarge unter die nachhaltige Zielspanne des Unternehmens von 29 bis 31 Prozent. Die Bruttomarge auf LIFO-Basis lag 2025 bei lediglich 28,7 Prozent, nach 29,7 Prozent im Vorjahr. Als Ursachen nennt Jancic ein hartes Wettbewerbsumfeld, einen ungünstigen Produktmix sowie den Fokus des Unternehmens auf Volumenwachstum. Sie erwartet nur eine moderate Erholung im ersten Quartal 2026.
BMO senkte das Kursziel auf 320 Dollar, was einschließlich der Dividendenrendite von 1,5 Prozent einen leichten Gesamtverlust von 0,8 Prozent impliziert. J.P. Morgan setzt das Kursziel für Dezember 2026 bei 330 Dollar – nahezu auf dem aktuellen Kursniveau.
Aluminium als Hauptbelastungsfaktor
J.P. Morgan-Analyst Bennett Moore macht vor allem die durch US-Zölle getriebene Volatilität der Aluminiumpreise für den anhaltenden Margendruck verantwortlich. Aluminium macht zwar nur rund 15 Prozent des Versandvolumens aus, schlägt aber mit geschätzten 50 Prozent der LIFO-Aufwendungen überproportional zu Buche. Hinzu kommt, dass sich aluminiumabhängige Endmärkte wie Halbleiter und kommerzielle Luft- und Raumfahrt noch in einer Lagerabbauphase befinden – was Preiserhöhungen erschwert.
Die bereinigte Bruttomarge auf FIFO-Basis gab im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 50 Basispunkte auf 28,5 Prozent nach. Damit verfehlte Reliance die eigene Prognose einer stabilen bis leicht steigenden Marge. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 2,40 Dollar zwar 8 Prozent über dem Vorjahr, blieb jedoch deutlich unter der unternehmenseigenen Prognose von 2,65 bis 2,85 Dollar sowie der J.P.-Morgan-Schätzung von 2,92 Dollar.
Positiv hervorzuheben sind die Liefermengen, die im Jahresvergleich um 5,8 Prozent zulegten und damit die eigene Prognose von 3,5 bis 5,5 Prozent übertrafen. Auch die durchschnittlichen Verkaufspreise stiegen um 0,9 Prozent und übertrafen die Erwartung einer Seitwärtsbewegung.
Bewertung bereits ambitioniert
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Zur AktienanalyseFür das erste Quartal 2026 prognostiziert das Management einen EPS-Bereich von 4,50 bis 4,70 Dollar, inklusive eines LIFO-Aufwands von 25 Millionen Dollar. J.P. Morgan schätzt 4,63 Dollar – die Buy-Side hatte laut Moore eher mit rund 5 Dollar gerechnet.
Jancic von BMO bemängelt zudem die Bewertung: Reliance wird derzeit zum 11,5-fachen bzw. 10,1-fachen des EV/EBITDA für 2026 und 2027 gehandelt – deutlich über den historischen Multiplikatoren von 8x bis 9x. Eine weitere Ausweitung sei angesichts der aktuellen Margenentwicklung nicht gerechtfertigt. BMO revidierte die EBITDA-Schätzung für 2026 auf 1,50 Milliarden Dollar (zuvor 1,58 Milliarden), das EPS-Ziel sinkt von 18,45 auf 17,31 Dollar.
Bothde Analysten erkennen die operativen Stärken von Reliance an: Das Unternehmen hat seinen Marktanteil auf rund 17 Prozent der nordamerikanischen Metall-Service-Center-Lieferungen ausgebaut, verfügt über einen antizyklischen freien Cashflow und eine solide Bilanz. Dennoch sind sich beide einig: Diese Vorzüge sind auf dem aktuellen Kursniveau bereits vollständig eingepreist.


