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JPMorgan prognostiziert türkische Inflation von 29 Prozent bis 2026

Die anhaltend hohe Inflationsdynamik in der Türkei erfordert laut JPMorgan ein vorsichtiges Vorgehen bei Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte.

JPMorgan prognostiziert türkische Inflation von 29 Prozent bis 2026

JPMorgan sieht die türkische Inflation bis Ende 2026 bei 29 Prozent. Das geht aus einem Bericht zum makroökonomischen Ausblick der Türkei hervor, den JPMorgan-Ökonom Fatih Akcelik verfasst hat. Die Inflationsdynamik im Land bleibe weiterhin erhöht und verlange ein behutsames Vorgehen bei geldpolitischen Lockerungen.

Akcelik betont, dass die anhaltende Inflationsdynamik für maßvolle Zinssenkungen und die Beibehaltung hoher Realzinsen spreche. Damit signalisiert die US-Großbank, dass die türkische Zentralbank trotz möglicher Zinssenkungen keine aggressive Lockerungspolitik verfolgen sollte. Ein zu rasches Absenken der Zinsen könnte die Inflationsbekämpfung gefährden.

Leistungsbilanz nähert sich Krisenständen

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der türkischen Leistungsbilanz. Laut JPMorgan hat sich die Basis-Leistungsbilanz Niveaus angenähert, die während früherer Währungskrisen beobachtet wurden – ein deutliches Warnsignal für die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Die Bank erwartet jedoch, dass niedrigere Ölpreise und ein langsameres Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte eine weitere Verschlechterung verhindern werden.

Frühindikatoren deuten auf ein gedämpftes Wachstum im zweiten Quartal hin. JPMorgan merkt dabei an, dass ein schwaches Wachstum nur geringfügig zur Disinflation beiträgt – die Hoffnung, dass eine konjunkturelle Abkühlung automatisch die Inflation senkt, dürfte sich in der Türkei also nur begrenzt erfüllen.

Mindestlohn als politisches Signal

Ein weiterer zentraler Aspekt des JPMorgan-Berichts betrifft den türkischen Mindestlohn. Die Lücke zwischen dem Mindestlohn und der sogenannten Hungerschwelle wird laut Prognosen bis Ende 2026 auf 35 Prozent anwachsen. Dies verdeutlicht den anhaltenden Kaufkraftverlust breiter Bevölkerungsschichten.

JPMorgan betrachtet die Höhe der Mindestlohnerhöhung im Dezember zudem als politisches Signal: Sie gebe Hinweise auf den Zeitpunkt möglicher Wahlen und die diesen vorausgehende Wirtschaftspolitik. In der Türkei werden Mindestlohnerhöhungen traditionell auch als Instrument der Wahlkampfpolitik eingesetzt.

Die Bank identifiziert drei Schlüsselfaktoren, die den Inflationsausblick für die zweite Jahreshälfte maßgeblich prägen werden:

  • Wechselkursentwicklung der türkischen Lira
  • Mindestlohnanpassungen
  • Lebensmittel- und Energiepreise

Fiskalische Ausrichtung neutral statt restriktiv

Hinsichtlich der Haushaltspolitik bezeichnet JPMorgan die fiskalische Ausrichtung der Türkei als neutral – im Vergleich zur restriktiven Haltung im Jahr 2025 eine spürbare Lockerung. Dies könnte zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen und unterstreicht, warum die Geldpolitik umso vorsichtiger agieren muss.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Türkei als aufstrebender Markt und NATO-Partner von besonderem Interesse. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes beeinflusst nicht zuletzt auch europäische Handelsbeziehungen und Kapitalströme. Die JPMorgan-Analyse zeigt, dass trotz erster Stabilisierungstendenzen erhebliche Risiken bestehen bleiben.

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