Kaliforniens Finanzministerin fordert neue Volksabstimmung zur Cannabis-Legalisierung
Fiona Ma nennt Proposition 64 von 2016 ein „völliges Versagen" und will niedrigere Steuern sowie weniger Bürokratie für kleine Cannabisunternehmen.

Kaliforniens Finanzministerin Fiona Ma (D) hat das vor einem Jahrzehnt per Volksabstimmung verabschiedete Marihuana-Legalisierungsgesetz des Bundesstaates scharf kritisiert. Bei einer von ihr einberufenen Anhörung zu den Herausforderungen im Bankwesen der Cannabisindustrie am Mittwoch bezeichnete sie Proposition 64 – die Initiative, die den Cannabiskonsum für Erwachsene nach der Zustimmung der Wähler im Jahr 2016 legalisierte – als „völligen Fehlschlag". Die Reform funktioniere nicht „wie beabsichtigt", insbesondere was übermäßige Steuern und regulatorische Hürden betrifft.
Als Hauptursache für das Scheitern der Initiative sieht Ma die Entstehungsgeschichte des Gesetzes. Die Initiative sei von „großen Unternehmen geschrieben worden, die die kleineren Farmen übernehmen, sie gewissermaßen verschlingen und die Platzhirsche sein wollten", sagte sie. Kleine Betriebe und Konsumenten seien dabei auf der Strecke geblieben.
Neue Volksinitiative als Ziel
Ma spricht sich für eine neue Volksabstimmung aus, die Konsumenten und kleine Unternehmen in den Mittelpunkt stellt. Da unter den interessierten Kreisen nur begrenzte Mittel für eine Basiskampagne zur Verfügung stünden, liege es wahrscheinlich an den Gesetzgebern, einen Gesetzentwurf zu verabschieden, der das Thema erneut zur Abstimmung stellt. Die Finanzministerin bekundete Interesse daran, sich für eine solche Initiative einzusetzen.
Die von ihr angestrebte alternative Initiative würde konkrete Reformen vorsehen:
- Niedrigere Steuern für Marihuana-Händler
- Vereinfachte Optionen zur Steuererfüllung für Lizenznehmer
- Ein Verbot für Kommunalverwaltungen, hohe Gebühren für den Betrieb von Cannabisunternehmen zu erheben
„Das bedeutet, dass sie darüber aufgeklärt werden müssen und dies als eine Quelle für laufende Einnahmen in der Zukunft sehen müssen, damit wir nicht alle zwei Jahre unsere Milliardäre besteuern müssen", sagte Ma gegenüber State Affairs.
Illegaler Markt dominiert weiterhin
Die Dringlichkeit der Reform wird durch alarmierende Zahlen unterstrichen. Laut DCC-Direktor Clint Kellum stammen etwa 60 Prozent des in Kalifornien verkauften Marihuanas immer noch vom illegalen Markt. Die Behörde veröffentlichte zudem Daten, wonach 97 Prozent der staatlichen Durchsetzungsmaßnahmen gegen Cannabis in Städten ohne eigene Rechtspersönlichkeit in Bezirken stattfanden, die lizenzierten Anbauern den Betrieb lokal untersagt haben.
Bei dem Forum am Mittwoch teilten auch Vertreter des Department of Cannabis Control (DCC), der California Bankers Association und der California Tax and Fee Administration ihre Perspektiven zu cannabispolitischen Themen mit. Ein zentrales Problem bleibt der Konflikt zwischen Landes- und Bundesrecht, der für anhaltende Unsicherheit bei Finanzinstituten sorgt.
Bundesebene: Neueinstufung und Bankengesetz im Fokus
Ma thematisierte auch die Neueinstufung von Marihuana auf Bundesebene. Die Trump-Administration habe diese für staatlich autorisiertes medizinisches Cannabis bereits umgesetzt und prüfe sie derzeit für die Pflanze im Allgemeinen. Dieser Schritt sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Ma. Solange Marihuana jedoch gemäß dem Controlled Substances Act außerhalb der engen medizinischen Ausnahme als Droge der Kategorie I eingestuft bleibe, werde der kalifornische Markt weiterhin gehemmt.
„Kalifornien hat enorme Ressourcen in die Schaffung eines sicheren, transparenten und rechenschaftspflichtigen Regulierungsrahmens investiert", sagte Ma. „Trotz dieser Bemühungen sorgt der Konflikt zwischen Landes- und Bundesrecht weiterhin für Unsicherheit bei Finanzinstituten."
Ma und andere Diskussionsteilnehmer sprachen sich zudem für den SAFER Banking Act aus, einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf zum Marihuana-Bankwesen, der kürzlich erneut in den Kongress eingebracht wurde. Frühere Fassungen wurden mehrfach vom Repräsentantenhaus verabschiedet, traten jedoch nie als Gesetz in Kraft.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalysePolitisches Umfeld in Kalifornien gespalten
Die Debatte findet vor dem Hintergrund der bevorstehenden Gouverneurswahl statt. Die Amtszeit von Gouverneur Gavin Newsom (D) ist begrenzt, und beide Hauptkandidaten der großen Parteien unterstützen grundsätzlich die Legalisierung. Der republikanische Kandidat Steve Hilton, der von Präsident Donald Trump unterstützt wird, erklärte, Steuern und Regulierungen für Cannabis seien „zu hoch".
Nicht alle Politiker ziehen jedoch an einem Strang. Der stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Staatssenats brachte die Idee ins Spiel, eine Initiative zur „Rückgängigmachung" von Proposition 64 zur Abstimmung zu stellen. Er argumentierte, die Wähler seien getäuscht worden, und äußerte Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen des Marihuanakonsums. „Wir haben erhebliche negative Folgen dieser Legalisierung gesehen, sowohl hier als auch in anderen Bundesstaaten", sagte er bei einer entsprechenden Anhörung.
Ma selbst kandidiert derzeit für das Amt der Vizegouverneurin und positioniert sich mit ihrer Cannabis-Reform-Agenda klar im politischen Spektrum des Bundesstaates.


