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Kanada öffnet Markt für chinesische E-Autos – Zölle sinken drastisch

Ottawa senkt Importzölle von 106% auf 6,1% und strebt Joint Ventures an

Kanada öffnet Markt für chinesische E-Autos – Zölle sinken drastisch

Kanada vollzieht eine drastische Kehrtwende in seiner Handelspolitik: Die Regierung senkt die Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge von 106% auf nur noch 6,1%. Das im Januar angekündigte Abkommen erlaubt den Import von 49.000 chinesischen E-Autos und markiert eine deutliche Abkehr von der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit den USA.

Die Quote entspricht etwa 3% des gesamten kanadischen Neuwagenmarktes und rund 20% des Marktes für batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, wie das Beratungsunternehmen Dunsky Energy and Climate Advisors ermittelte. Im Gegenzug hat China zugestimmt, die Zölle auf kanadisches Rapsöl zu senken – eines der wichtigsten Agrarexportgüter des Landes.

Besonders bemerkenswert: Mindestens 50% der importierten chinesischen E-Autos sollen innerhalb von fünf Jahren erschwingliche Modelle sein, definiert als Fahrzeuge mit einem Importpreis unter 35.000 kanadischen Dollar (etwa 26.000 US-Dollar). Die Vereinbarung zielt zudem auf die Etablierung chinesisch-kanadischer Joint Ventures ab, die Arbeitsplätze in der Fertigung schaffen und die heimische Lieferkette stärken sollen.

Jahrzehntelanger Niedergang der Autoproduktion

Der Deal ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Wiederbelebung der kanadischen Automobilindustrie. Die Produktion ist von rund 3 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2000 auf nur noch 1,3 Millionen im Jahr 2025 eingebrochen, erklärt Greig Mordue, Professor an der McMaster University.

Die traditionell starke Präsenz der Detroiter Autobauer in Kanada schwindet kontinuierlich. Henry Ford baute bereits 1904 eine Fabrik im heutigen Windsor, Ontario. Heute machen GM, Ford und Stellantis jedoch nur noch etwa 23% der kanadischen Produktion aus, während die japanischen Hersteller Toyota und Honda auf 77% kommen.

Dieser Trend hat sich seit Einführung der US-Zölle beschleunigt. Die USA erheben seit Februar einen Zoll von 25% auf den nicht-US-amerikanischen Anteil von in Kanada montierten Autos – faktisch etwa 10% bis 12% pro Fahrzeug. Die Folgen sind dramatisch: Stellantis legte sein Werk in Brampton im Dezember vorübergehend still, General Motors strich die Produktion elektrischer BrightDrop-Lieferwagen im Werk Ingersoll für 2025 und eliminierte Ende Januar eine Schicht im Werk Oshawa.

Kritik aus der heimischen Industrie

Die Canadian Vehicle Manufacturers' Association (CVMA), die GM, Ford und Stellantis vertritt, reagiert skeptisch. Präsident Brian Kingston bezeichnete den China-Deal als "fahrzeuggroßes Ärgernis" für die anstehenden Handelsgespräche mit den USA. Die Länder müssen bis zum 1. Juli das USMCA-Handelsabkommen überprüfen.

Kingston warnt vor chinesischen Staatssubventionen, die den Wettbewerb verzerren, und möglichen Sicherheitsrisiken durch eingebettete Hard- und Software. Er verweist auf Mexiko, das den entgegengesetzten Weg eingeschlagen und seine Zölle auf chinesische Fahrzeuge auf 50% erhöht hat.

Kanada setzt parallel auf weitere Initiativen: Eine Absichtserklärung mit Korea über die Herstellung sauberer Fahrzeuge wurde unterzeichnet, eine neue Automobilstrategie veröffentlicht. Die Regierung will durch Steuervergünstigungen und strategische Partnerschaften die industrielle Basis wiederherstellen – und damit die Abhängigkeit vom historisch größten Handelspartner USA reduzieren.

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