Kanadas BIP wächst im April um 0,5 Prozent – stärkstes Monatswachstum seit neun Monaten
Die kanadische Wirtschaft erholt sich stärker als erwartet und zerstreut Sorgen über eine nachhaltige Zoll-bedingte Verlangsamung.

Kanadas Wirtschaft hat im April einen deutlichen Erholungsschub verzeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent, wie Statistics Canada am Dienstag mitteilte. Das ist die stärkste monatliche Expansion seit neun Monaten und übertrifft die Erwartungen der Analysten, die lediglich ein Plus von 0,4 Prozent prognostiziert hatten.
Der Aufschwung kommt nach einem Rückgang von 0,1 Prozent im März und zerstreut damit Befürchtungen, dass sich eine durch US-Zölle verursachte Konjunkturabkühlung dauerhaft festsetzen könnte. Kanadas Wirtschaft war Ende des vierten Quartals in eine technische Rezession gerutscht, doch die Bank of Canada und die meisten Ökonomen hatten diesen Einbruch als einmaliges Ereignis eingestuft.
Breites Wachstum über viele Sektoren
Besonders erfreulich: 14 der 20 Industriesektoren verzeichneten im April ein Wachstum. Der güterproduzierende Sektor, der bis zu einem Viertel der kanadischen Wirtschaftsleistung ausmacht, legte um 1,2 Prozent zu. Besonders stark zog der Bereich Bergbau, Steinbrüche sowie Öl- und Gasförderung an – mit einem Plus von 2,9 Prozent erreichte dieser Bereich die höchste monatliche Wachstumsrate seit mehr als zwei Jahren.
Auch der Bausektor meldete sich mit einem Wachstum von 0,7 Prozent zurück – das erste Plus nach fünf negativen Monaten in Folge. Das verarbeitende Gewerbe legte ebenfalls um 0,6 Prozent zu. Die Dienstleistungsbranchen, die gemeinsam mit Sektoren wie Immobilien, Transport und Großhandel rund drei Viertel des BIP ausmachen, wuchsen im April um 0,3 Prozent. Transport und Lagerhaltung stiegen dabei um 0,9 Prozent – der zweite Anstieg innerhalb von drei Monaten.
Zölle und Handelsabkommen bleiben Belastungsfaktoren
Trotz der positiven Zahlen bleibt das wirtschaftliche Umfeld für Kanada herausfordernd. Die kanadische Wirtschaft sah sich seit dem vergangenen Jahr mit einer Reihe von Zöllen der US-Regierung in wichtigen Sektoren konfrontiert. Die Auswirkungen blieben zwar weitgehend auf die direkt betroffenen Branchen beschränkt, doch die anhaltende Unsicherheit belastet Investitionen und das Beschäftigungswachstum spürbar.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Zukunft des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada (CUSMA/USMCA), das am Mittwoch zur Überprüfung ansteht. Dieses Abkommen ist für die stark exportorientierte kanadische Wirtschaft von zentraler Bedeutung, da die USA mit Abstand der wichtigste Handelspartner Kanadas sind.
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Zur AktienanalyseAusblick auf Mai verhalten positiv
Eine Vorabschätzung von Statistics Canada für den Monat Mai deutet auf ein weiteres, wenn auch moderateres Wachstum hin. Demnach soll das BIP im Mai auf Monatsbasis voraussichtlich um 0,1 Prozent zulegen. Das signalisiert, dass die Erholung zwar anhält, aber an Dynamik verliert. Für Anleger und Ökonomen bleibt die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den USA der entscheidende Faktor für die weitere Konjunkturperspektive.


