Kanadas Immobilienkrise bremst Konsum trotz Aktienmarkt-Rekordhoch
Fallende Hauspreise belasten kanadische Haushalte, obwohl der Aktienmarkt Vermögenszuwächse von über einer Billion Dollar generiert.

Kanadas Immobilienmarkt befindet sich in der längsten Flaute seit Jahrzehnten – und das belastet die Konsumausgaben der Haushalte erheblich. Obwohl der heimische Aktienmarkt ein Rekordhoch erreicht hat und das Nettovermögen der kanadischen Haushalte im Jahr 2025 um mehr als 1 Billion kanadische Dollar (rund 732,9 Milliarden US-Dollar) auf 18,6 Billionen kanadische Dollar gestiegen ist, zeigen Analysten kaum Anzeichen für einen positiven Vermögenseffekt beim Konsum.
Kanada war laut aktuellen Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die einzige fortgeschrittene Volkswirtschaft der G7, die im vergangenen Jahr einen Rückgang der Hauspreise in nominalen Werten verzeichnete. Seit dem Höhepunkt des überhitzten Immobilienmarktes im Februar 2022 sind die Preise um 20 Prozent gefallen. Als Hauptursachen gelten Hypothekenverlängerungen zu deutlich höheren Zinssätzen als in der Pandemie-Ära sowie ein verlangsamtes Einwanderungswachstum, das die Nachfrage nach Wohnraum dämpfte.
Immobilien schlagen Aktien beim Vermögenseffekt
Der kanadische Aktienmarkt verzeichnete 2025 den stärksten Zuwachs seit 2009 und übertraf sogar die wichtigsten US-Indizes. Davon profitierten jedoch primär wohlhabende Kanadier. Analysten betonen, dass Immobilien einen deutlich größeren Einfluss auf das finanzielle Wohlbefinden der breiten Bevölkerung haben als Aktien – und dieser Effekt ist bei fallenden Preisen besonders stark ausgeprägt.
„Es gibt nichts Verheerenderes, als zu sehen, wie der Wert des eigenen Hauses sinkt", sagte David Rosenberg, Chefökonom und Stratege bei Rosenberg Research. „Zyklen am Aktienmarkt kommen und gehen und sind kurzlebig, aber im Immobiliensektor ist der Abschwung tendenziell langwieriger. Wenn es um die Auswirkungen auf die Psyche der Verbraucher geht, sind Immobilien wichtiger."
Die erhöhte Sparquote der Kanadier unterstreicht diese Einschätzung. Zwar sank die Quote im vierten Quartal von 5,2 Prozent auf 4,4 Prozent, blieb aber nahe dem oberen Ende ihrer Spanne der letzten Jahrzehnte – abgesehen von der Pandemie-Zeit. Für Analysten ist dies ein klares Zeichen, dass die Kanadier keinen größeren Anteil ihres Einkommens ausgeben.
Belastung für Wirtschaft und Politik
Die Ökonomen Benjamin Tal und Katherine Judge von CIBC Capital Markets schätzen, dass der Rückgang des Konsums aufgrund der Immobilienmarktkorrektur sich auf insgesamt über 5.000 kanadische Dollar pro Haushalt belaufen könnte. „Der negative Vermögenseffekt ist zwar schwer zu quantifizieren, schadet aber der Verbraucherstimmung, während der erhöhte Stress am Rande des Hypothekenmarktes steigende Ausfallraten und weniger Refinanzierungsmöglichkeiten bedeutet", so die CIBC-Ökonomen.
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Zur AktienanalyseBesonders relevant ist dabei das Instrument der sogenannten Home Equity Lines of Credit (HELOCs) – Kreditlinien auf Eigenkapitalbasis, die es Kanadiern ermöglichen, Kredite gegen das Eigenkapital ihrer Immobilien aufzunehmen. Wenn die Hauspreise fallen, werden entsprechend weniger Kredite für Renovierungen, Fahrzeuge und andere größere Anschaffungen aufgenommen, was den Konsum zusätzlich bremst.
Die wirtschaftliche Schwäche trifft Premierminister Mark Carney zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 nur um 1,7 Prozent – das langsamste Tempo seit fünf Jahren. Zusätzlich belastet ein von den Vereinigten Staaten ausgelöster Handelskrieg die kanadische Wirtschaft. Ein weiterer Schlag für den Immobilienmarkt kam durch den Iran-Krieg und den Ölpreisschock, der die Inflationserwartungen und damit die Kreditkosten am Anleihemarkt in die Höhe trieb und zu höheren Hypothekenzinsen führte.
Eine Umfrage von Angus Reid zeigt, dass 70 Prozent der Kanadier von Carney mehr Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenshaltungskosten erwarten – obwohl 58 Prozent seine Arbeit als Premierminister grundsätzlich gutheißen. Letzte Woche senkte die Canadian Real Estate Association zudem ihre Prognose für den Immobilienmarkt für 2026 und 2027, was die Aussichten für eine baldige Erholung weiter eintrübt. Jüngste Einzelhandelsdaten zeigen zwar eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Konsumausgaben, doch der strukturelle Gegenwind bleibt erheblich.


