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Kenias Zentralbank hält Leitzins bei 8,75 Prozent stabil

Angesichts des Iran-Konflikts und steigender Energiepreise pausiert die kenianische Zentralbank erneut ihren Zinssenkungszyklus.

Kenias Zentralbank hält Leitzins bei 8,75 Prozent stabil

Die kenianische Zentralbank hat ihren Leitzins am Dienstag unverändert bei 8,75 Prozent belassen. Es ist bereits die zweite Sitzung in Folge, in der die Währungshüter auf eine Zinsänderung verzichten. Die Entscheidung entsprach den Erwartungen aller sechs von Bloomberg befragten Ökonomen.

Gouverneur Kamau Thugge begründete den Schritt mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts. Der Iran-Konflikt habe die globalen Lieferketten gestört und zu einem starken Anstieg der Energiepreise sowie der Transportkosten geführt. Die Folge seien eine höhere Inflation und ein langsameres Weltwirtschaftswachstum.

Inflation nähert sich der Obergrenze des Zielkorridors

Die jährliche Inflationsrate in Kenia stieg im Mai deutlich an – von 5,6 Prozent im April auf 6,7 Prozent. Haupttreiber waren höhere Treibstoffkosten. Auch die Kerninflation, die volatile Preiskomponenten ausklammert, kletterte von 2,8 Prozent im April auf 3,2 Prozent im Mai. Dies spiegelt sogenannte Zweitrundeneffekte der gestiegenen Benzinpreise wider, also die Weitergabe höherer Energiekosten an andere Güter und Dienstleistungen.

Der Zielkorridor der kenianischen Zentralbank liegt zwischen 2,5 und 7,5 Prozent. Mit 6,7 Prozent befindet sich die Inflation nun am oberen Ende dieses Bandes. Analysten gehen davon aus, dass die Inflationsrate diesen Korridor in den kommenden Monaten überschreiten und ein Dreijahreshoch erreichen könnte.

Die Kraftstoffpreise im Land haben sich seit Kriegsbeginn massiv verteuert: Dieselkosten stiegen um 40 Prozent, Benzinpreise um 20 Prozent. Diese Entwicklung löste Proteste aus, bei denen laut Quellangaben mindestens 12 Menschen ums Leben kamen.

Kenia-Schilling stabil, Devisenreserven solide

Trotz des schwierigen globalen Umfelds zeigt sich die kenianische Währung robust. Der Kenia-Schilling blieb gegenüber dem US-Dollar stabil. Zudem verfügt das Land über Devisenreserven, die ausreichen, um die Importe von fast sechs Monaten zu decken – ein wichtiger Puffer gegen externe Schocks.

Der Schritt Kenias reiht sich in ein breiteres Muster ein, das mehrere Schwellenländer betrifft. Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat Zentralbanken in Indonesien, der Türkei und Südafrika dazu veranlasst, ihre geldpolitischen Lockerungszyklen entweder zu pausieren oder sogar umzukehren. Steigende Ölpreise und Währungsdruck treiben die Inflation in diesen Ländern nach oben und zwingen die Notenbanken zum Handeln.

Langer Zinssenkungszyklus vorerst unterbrochen

Bevor die kenianische Zentralbank die Zinsen auf ihrer April-Sitzung erstmals unverändert ließ, hatte sie die Kreditkosten in zehn aufeinanderfolgenden Sitzungen um insgesamt 425 Basispunkte gesenkt. Dieser aggressive Lockerungskurs sollte die Wirtschaft des ostafrikanischen Landes ankurbeln. Nun zwingt die geopolitische Lage die Notenbank zur Vorsicht.

Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht die Situation in Kenia, wie stark geopolitische Konflikte – auch weit entfernte – die Geldpolitik von Schwellenländern beeinflussen können. Steigende Energiepreise und gestörte Lieferketten sind globale Phänomene, die Notenbanken weltweit vor schwierige Abwägungen zwischen Wachstumsförderung und Inflationsbekämpfung stellen.

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