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Kerosinversorgung braucht Monate zur Erholung nach Hormus-Öffnung

IATA-Chef Willie Walsh warnt: Selbst bei Wiedereröffnung der Straße von Hormus bleibt Kerosin für Fluggesellschaften monatelang knapp.

Kerosinversorgung braucht Monate zur Erholung nach Hormus-Öffnung

Der Chef des internationalen Luftfahrtverbandes IATA, Willie Walsh, hat am Mittwoch in Singapur vor Journalisten eine ernüchternde Einschätzung zur Kerosinversorgung abgegeben. Selbst wenn der Iran die Straße von Hormus wieder öffne, würde es Monate dauern, bis sich das Angebot an Kerosin erholt habe. Grund dafür seien die massiven Störungen der Raffineriekapazitäten im Nahen Osten.

Walsh erwartet zwar sinkende Rohölpreise, rechnet aber damit, dass die Kerosinkosten für Fluggesellschaften aufgrund der Auswirkungen auf die Raffinerien vorerst erhöht bleiben werden. „Sollte sie wiedereröffnet werden und offen bleiben, wird es meines Erachtens noch Monate dauern, bis das Angebot wieder das erforderliche Niveau erreicht, da die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten gestört sind", sagte Walsh. Er betonte, dass diese Kapazitäten ein kritischer Teil der weltweiten Versorgung mit raffinierten Produkten seien – nicht nur für Kerosin, sondern auch für andere Erzeugnisse.

Hintergrund: Straße von Hormus als globaler Engpass

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Über sie wird normalerweise etwa ein Fünftel des gesamten weltweiten Ölhandels abgewickelt. Eine Sperrung oder Einschränkung dieser Route hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte und die Versorgung mit Rohöl und raffinierten Produkten.

Der Ölpreis fiel unter 100 US-Dollar pro Barrel, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, er habe einem zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran zugestimmt. Bedingung sei die sofortige und sichere Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Diese Entwicklung sorgte kurzfristig für Erleichterung an den Rohstoffmärkten, doch die strukturellen Probleme in der Kerosinversorgung bleiben bestehen.

Asiatische Fluggesellschaften besonders hart getroffen

Fluggesellschaften in ganz Asien spüren die Folgen des Konflikts im Nahen Osten bereits deutlich. Sie haben Flüge gestrichen, führen zusätzlichen Treibstoff von ihren Heimatflughäfen mit und legen Zwischenstopps zum Auftanken ein. Dies erhöht den Kostendruck auf eine Branche, die ohnehin bereits durch eine Verdoppelung der Kerosinpreise belastet ist.

Am stärksten betroffen sind einkommensschwächere, importabhängige Märkte wie Vietnam, Myanmar und Pakistan. Verschärft wird die Lage dadurch, dass China und Thailand ihre Kerosinexporte eingestellt haben und Südkorea diese auf dem Niveau des Vorjahres gedeckelt hat. Diese Maßnahmen treffen vor allem jene Länder, die auf Importe angewiesen sind und keine eigenen nennenswerten Raffineriekapazitäten besitzen.

Anreize für Raffinerien zur Produktionssteigerung

Walsh zeigte sich jedoch vorsichtig optimistisch, was die mittelfristige Entwicklung angeht. Wenn das Rohöl wieder fließe, „würde ich gerne glauben", dass sowohl China als auch Südkorea den Export von raffinierten Produkten wieder aufnehmen würden, sagte er. Die Raffineriekapazitäten seien grundsätzlich vorhanden – es brauche nur Zeit.

Zudem verwies Walsh auf den aktuell hohen Crack-Spread – also die Raffineriemarge, die die Differenz zwischen dem Preis für Rohöl und den daraus gewonnenen Produkten beschreibt. „Angesichts des aktuell hohen Crack-Spreads sehe ich darin einen Anreiz für die Raffinerien, die Produktion von Kerosin zu steigern", sagte Walsh. Hohe Margen machen es für Raffinerien wirtschaftlich attraktiv, mehr Kerosin zu produzieren, sobald ausreichend Rohöl verfügbar ist. Für die Luftfahrtbranche bleibt die Lage dennoch angespannt – eine schnelle Entlastung ist nicht in Sicht.

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