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Kevin Warsh als Fed-Chef: Warum Trump enttäuscht werden könnte

Der neue US-Notenbankchef steht unter enormem Druck aus dem Weißen Haus – doch Zinssenkungen sind alles andere als garantiert.

Kevin Warsh als Fed-Chef: Warum Trump enttäuscht werden könnte

Kevin Warsh übernimmt den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve – und der politische Druck aus Washington ist enorm. Präsident Donald Trump machte im Vorfeld unmissverständlich klar, er wäre „enttäuscht", sollte Warsh die Zinsen nicht „sofort" senken. Ob der neue Fed-Chef diesen Erwartungen gerecht werden kann, ist jedoch alles andere als sicher.

Auf den ersten Blick scheint Warsh ein Wunschkandidat für Trump zu sein. In der Vergangenheit hat er sich mehrfach für niedrigere Zinsen ausgesprochen. In einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal bezeichnete er Künstliche Intelligenz als „disinflationäre Kraft" – KI könne die Produktivität steigern und damit den Preisauftrieb dämpfen. Auch bei der Inflationsmessung setzt Warsh andere Akzente als sein Vorgänger Jerome Powell: Statt auf die klassische Kerninflation zu setzen, bevorzugt er sogenannte „Trimmed Mean"-Maße, bei denen extreme Preisausschläge herausgerechnet werden.

Genau hier warnen Experten jedoch vor Risiken. Die Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz mahnen, dass solche getrimmten Mittelwerte – wie sie etwa die Dallas Fed berechnet – die Inflation gerade in Krisenzeiten unterschätzen könnten. Als Belege nennen sie die Ölkrise der 1970er-Jahre sowie die Corona-Pandemie.

Warsh braucht eine Mehrheit – und die ist nicht sicher

Doch selbst wenn Warsh Zinssenkungen anstrebt, kann er diese nicht im Alleingang durchsetzen. Für geldpolitische Entscheidungen benötigt er eine Mehrheit im Offenmarktausschuss der Fed. Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Inflation derzeit auf einem Drei-Jahres-Hoch liegt – kein günstiges Umfeld für rasche Lockerungen.

Stefan Riße von Acatis bringt es im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion auf den Punkt: „Da müsste Trump noch mehr Posten austauschen, damit er die Zinspolitik der Fed bestimmen kann. Und dann müssten diese ernannten Kandidaten auch noch willfährige Lakaien sein – das sehe ich selbst bei Kevin Warsh nicht." Die Unabhängigkeit der Notenbank bleibt damit ein entscheidender Faktor.

Pikant ist zudem, dass Jerome Powell nicht vollständig von der geldpolitischen Bühne abtritt. Der ehemalige Fed-Chef bleibt vorerst Mitglied im Board of Governors und damit auch im Offenmarktausschuss – eine Konstellation, die es seit 1948 nicht mehr gegeben hat. Edgar Walk von Metzler Asset Management hält es deshalb für möglich, „dass die Mehrheit im Offenmarktausschuss gegen den Vorsitzenden stimmt". Für Warsh könnte das sogar eine politische Schutzfunktion erfüllen: Er könnte gegenüber Trump argumentieren, schlicht keine Mehrheit für die gewünschte Geldpolitik erhalten zu haben.

Das eigentliche Projekt: Die aufgeblähte Fed-Bilanz

Mindestens ebenso bedeutsam wie die Leitzinsfrage ist Warshs zweites großes Vorhaben: der Abbau der Fed-Bilanz. Die Bilanzsumme der Notenbank belief sich zuletzt auf 6,7 Billionen Dollar – das entspricht rund 21 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise 2008 lag dieser Wert noch bei rund 900 Milliarden Dollar beziehungsweise sechs Prozent des BIP. Warsh hat die durch massive Käufe von US-Staatsanleihen aufgeblähte Bilanz wiederholt kritisiert und will die Fed auf ihren Kernauftrag zurückführen.

Seine Logik: Wer die Bilanz schrumpft und damit geldpolitische Unterstützung zurückzieht, schafft gleichzeitig Spielraum für Leitzinssenkungen. Doch dieser Ansatz hat eine Kehrseite. Reduziert die Fed ihren Bestand an US-Staatsanleihen, dürften die Renditen am langen Ende – also bei zehn- und 30-jährigen Papieren – steigen.

Für den hoch verschuldeten US-Staat hätte das spürbare Konsequenzen. Acatis-Ökonom Riße warnt: „Wenn die langfristigen Zinsen steigen, dann werden die Budgetdefizite, die unter Donald Trump nochmals gestiegen sind, immer teurer zu finanzieren." Warsh könnte damit ausgerechnet dort gegen Trumps Interessen handeln, wo es für den Präsidenten besonders schmerzhaft wäre: bei den staatlichen Finanzierungskosten.

Fazit: Warsh könnte unbequemer werden als gedacht

Für Privatanleger und Märkte ergibt sich daraus ein komplexes Bild. Findet Warsh im Offenmarktausschuss keine Mehrheit für Leitzinssenkungen und treibt gleichzeitig den Bilanzabbau voran, könnte die US-Geldpolitik unter dem Strich deutlich restriktiver ausfallen als erhofft. Trump könnte am Ende einen Fed-Chef bekommen, der zwar anders klingt und anders argumentiert als Powell – aber nicht automatisch die lockere Geldpolitik liefert, die das Weiße Haus erwartet. Warsh könnte für Trump unbequemer werden als gedacht.

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