Kevin Warsh: Wie Family-Office-Mitarbeiter über 100 Millionen Dollar verdienen
Der Fed-Vorsitz-Nominierte Kevin Warsh besitzt über 100 Millionen Dollar aus einer wenig bekannten regulatorischen Ausnahmeregelung für Family-Office-Mitarbeiter.

Kevin Warsh, der Nominierte für den Vorsitz der US-Notenbank Federal Reserve, verdankt mehr als 100 Millionen Dollar seines Vermögens einer lukrativen regulatorischen Ausnahmeregelung. Diese Regelung begünstigt Führungskräfte und Investmentexperten, die für sogenannte Single Family Offices tätig sind – wie Anwälte gegenüber dem Finanzmagazin Inside Wealth erklärten. Der Fall Warsh rückt eine bislang wenig beachtete Praxis in der Welt der Superreichen ins öffentliche Rampenlicht.
Konkret hält Warsh laut seinen jüngsten Finanzoffenlegungen zwei Beteiligungen im Wert von jeweils mindestens 50 Millionen Dollar an einem Investmentvehikel namens Juggernaut Fund. Dieser Fonds wird vom Duquesne Family Office verwaltet – der persönlichen Investmentgesellschaft des milliardenschweren Hedgefonds-Managers Stanley Druckenmiller. Warsh war nach seinem Ausscheiden aus der Fed im Jahr 2011 als Partner und Berater zu Duquesne gestoßen und hält Anteile an Dutzenden weiterer Duquesne-Einheiten. Die genauen Vermögenswerte im Juggernaut Fund werden unter Verweis auf bestehende Vertraulichkeitsvereinbarungen nicht offengelegt.
Die SEC-Ausnahmeregelung für Family Offices
Single Family Offices werden gemeinhin so verstanden, dass sie ausschließlich das Vermögen von Familienmitgliedern verwalten. Doch eine wenig bekannte Ausnahme der US-Börsenaufsicht SEC erlaubt es, dass auch bestimmte Mitarbeiter gemeinsam mit den ultrareichen Familien investieren dürfen. Die entsprechende Family-Office-Regel wurde im Jahr 2011 von der SEC erlassen. Nach dieser Regelung müssen sich Family Offices nicht als Anlageberater registrieren lassen, solange sie ausschließlich Familienkunden beraten – zu denen neben Familienmitgliedern des Gründers auch sogenannte Schlüsselmitarbeiter zählen.
Um als Schlüsselmitarbeiter zu gelten, müssen Personen laut SEC eine leitende Position wie die eines Direktors oder Executive Officers innehaben oder an der Investmenttätigkeit des Unternehmens beteiligt sein. Zudem müssen sie diese Aufgaben mindestens 12 Monate lang im Family Office oder einem anderen Unternehmen ausgeübt haben. Anwälte erklärten gegenüber Inside Wealth, dass Warsh wahrscheinlich unter diese Ausnahme fällt. Evan Hall, Partner in der Praxisgruppe Investment Management bei der Kanzlei Haynes Boone, wies jedoch darauf hin, dass die Kategorie „Schlüsselmitarbeiter" gewissermaßen flexibel sei.
Vergütung wie in der Private-Equity-Branche
Ein Anwalt, der seit 30 Jahren Family Offices berät, erklärte gegenüber CNBC, dass es zunehmend üblicher werde, die Vergütung von Schlüsselmitarbeitern ähnlich wie bei Private-Equity-Gesellschaften zu strukturieren. Dies könne Erfolgsbeteiligungen aus Investitionen oder Möglichkeiten zur Co-Investition von eigenem Kapital beinhalten. Family Offices leihen diesen Mitarbeitern oft Geld, um deren Kapitalzusagen zu finanzieren, und erlassen ihnen die Schulden im Laufe der Zeit oder verrechnen künftige Boni mit den Verbindlichkeiten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWarshs Nominierung sorgte auch im US-Senat für Aufmerksamkeit. Bei der Bestätigungsanhörung des Bankenausschusses fragte die demokratische Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts Warsh, ob er seine Anteile an Druckenmiller zurückverkaufen würde. Warsh erklärte, er habe eine Einigung mit dem Office of Government Ethics erzielt, nannte jedoch keine spezifischen Details. Er hatte zuvor versprochen, seine mit Duquesne verbundenen Investitionen zu veräußern, falls er als Fed-Vorsitzender bestätigt wird – ohne jedoch offenzulegen, wie er dies konkret umsetzen würde.
Anwälte, die mit Inside Wealth sprachen, erklärten, Warsh müsse seine Anteile an die Familie Druckenmiller oder einen anderen Familienkunden verkaufen, damit Duquesne die Family-Office-Regel weiterhin einhalten kann. Anwalt Michael Schwamm, Partner bei Duane Morris, hält eine regulatorische Überprüfung der Schlüsselmitarbeiter-Definition infolge des Falls Warsh dennoch für unwahrscheinlich. Die SEC würde laut Schwamm wahrscheinlich nur dann einschreiten, wenn eine Investition schiefginge und ein Mitarbeiter gerichtlich oder öffentlich gegen das Unternehmen vorginge. Duquesne und ein Vertreter von Warsh reagierten auf Anfragen zur Stellungnahme nicht.


