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KFC gegen HMRC: Britischer Steuerstreit um Dip-Becher

Ein britischer KFC-Franchisenehmer kämpfte jahrelang um Umsatzsteuer-Rückerstattungen für Saucen-Dips in Menüs.

KFC gegen HMRC: Britischer Steuerstreit um Dip-Becher

Ein ungewöhnlicher Steuerstreit beschäftigt die britische Justiz: Der KFC-Franchisenehmer Queenscourt Limited aus Sheffield stritt mit der britischen Steuerbehörde HMRC darüber, ob die kleinen Saucen-Dip-Becher in KFC-Menüs der regulären Umsatzsteuer (VAT) unterliegen oder nicht. Der Fall landete schließlich vor dem Upper Tribunal und wirft grundlegende Fragen zur Umsatzsteuer auf zusammengesetzte Lieferungen auf.

Queenscourt Limited betreibt KFC-Filialen im Vereinigten Königreich im Rahmen des Franchise-Modells, nach dem die Fast-Food-Kette weltweit operiert. Das Unternehmen argumentierte, dass die Saucen-Dips in Menüangeboten wie dem „Boneless Banquet" steuerlich anders zu behandeln seien als das heiße Brathähnchen. Während heißes Essen der regulären britischen Umsatzsteuer unterliegt, könnten kalte Speisen zum Verzehr außer Haus unter Umständen nullsatzbesteuert sein.

Der Kern des Steuerstreits

Das zentrale rechtliche Problem ist die Unterscheidung zwischen einer sogenannten einheitlichen und einer mehrfachen Leistung. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Menüpreis mehrere Komponenten abdeckt, stellt sich die Frage, ob es sich steuerlich um eine einzige Lieferung oder um mehrere separate Lieferungen handelt – mit potenziell unterschiedlichen Steuersätzen. Ein klassisches Beispiel aus dem britischen Steuerrecht ist eine Studiengebühr, die sowohl ein umsatzsteuerpflichtiges Lehrelement als auch umsatzsteuerfreie Bücher umfasst.

Queenscourt brachte vor, dass ein KFC-Menü als mehrfache Leistung behandelt werden sollte, sodass einzelne Bestandteile – wie Krautsalat, Kekse oder eben Dip-Becher – separat bewertet werden könnten. Die HMRC sah das anders und bestand darauf, dass die Dip-Becher als Nebenleistung zum Hauptprodukt zu werten seien und damit der gleichen Besteuerung unterlägen.

Das Gericht stellte in seiner Urteilsbegründung fest, dass Kunden zwar theoretisch die Wahl haben, einen Dip-Becher abzulehnen, dieser jedoch im Menüpreis enthalten ist und bei einer Ablehnung keine Preisminderung gewährt wird. Zudem wies das Gericht darauf hin, dass das Personal nicht immer darauf achtet, ob ein Dip-Becher tatsächlich benötigt wird – Kunden erhalten ihn mitunter auch dann, wenn sie ihn ausdrücklich nicht möchten.

Erste Rückzahlung, dann Rückschlag

Der Rechtsstreit hat eine längere Vorgeschichte. Für den Zeitraum von Oktober 2015 bis September 2018 hatte die HMRC nach eigenen Angaben „einigen Debatten über die Quantifizierung" zugestimmt, Queenscourt 75.500 britische Pfund an Umsatzsteuer für Dip-Becher zurückzuzahlen. Dieser Erfolg ermutigte das Unternehmen, im Jahr 2020 denselben Ansatz für den Folgezeitraum von Ende 2018 bis Ende 2019 zu versuchen.

Dieses Mal verweigerte die HMRC jedoch die Rückzahlung – und prüfte darüber hinaus, einen Teil der ursprünglich erstatteten 75.500 Pfund zurückzufordern. Im Jahr 2024 verlor Queenscourt den Rechtsstreit vor Gericht. Das Tribunal folgte der Argumentation der HMRC, dass die Wahlmöglichkeit des Kunden allein nicht ausreiche, um einen Dip-Becher als eigenständige, separate Lieferung einzustufen.

Der Fall reiht sich in eine Reihe ähnlicher britischer Umsatzsteuer-Streitigkeiten im Lebensmittelbereich ein. Unternehmen versuchen regelmäßig, die Steuerlast durch eine geschickte Einordnung ihrer Produkte zu minimieren – ein Phänomen, das im britischen Steuerrecht immer wieder zu kuriosen Gerichtsverfahren führt. Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht der Fall, wie komplex und kostspielig Umsatzsteuer-Fragen im Einzelhandels- und Gastronomiebereich sein können – selbst wenn es um kleine Plastikbecher mit Soße geht.

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