KGHM plant Übernahmen: Europas größter Kupferproduzent auf Expansionskurs
Der polnische Bergbaukonzern KGHM sondiert Akquisitionsziele in Amerika, Europa und Afrika, um von der wachsenden Kupfernachfrage zu profitieren.

KGHM Polska Miedz SA, der größte Kupferproduzent der Europäischen Union, treibt seine internationale Expansionsstrategie voran. CEO Remigiusz Paszkiewicz kündigte an, dass das polnische Unternehmen aktiv Übernahmeziele in Nord- und Südamerika sowie in Europa und Afrika sondiert. Treiber dieser Ambitionen ist die steigende globale Nachfrage nach Kupfer im Zuge der Energiewende.
„Jedem ist bewusst, dass die Nachfrage nach Kupfer aufgrund der Energiewende sowie der Investitionen in Windkraftanlagen und Elektrofahrzeuge steigen wird", sagte Paszkiewicz. „Dieser Prozess ist besonders in China sichtbar, wo der Bedarf an dem Metall auf einem sehr hohen Niveau bleibt." Kupfer ist ein unverzichtbarer Rohstoff für elektrische Leitungen, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energieanlagen – und damit ein zentrales Metall der grünen Transformation.
Die Aktie von KGHM hat seit Anfang des vergangenen Jahres um beeindruckende 180 Prozent zugelegt. Das Unternehmen profitierte dabei nicht nur vom Kupferpreisanstieg nahe Rekordhochs, sondern auch vom Boom rund um künstliche Intelligenz und Energie. Zusätzlich verschaffte KGHM seine seltene Doppelrolle als Produzent von sowohl Kupfer als auch Silber einen strategischen Vorteil, als beide Metalle Ende 2025 eine starke Marktrallye verzeichneten. Der Marktwert des Konzerns liegt derzeit bei knapp 18 Milliarden US-Dollar.
Expansionsziele in drei Kontinenten
Konkret plant KGHM, durch Akquisitionen in geografischer Nähe zu seinen polnischen Schmelzhütten rund 100.000 Tonnen zur eigenen Jahresproduktion hinzuzufügen. Diese würden die bestehende jährliche Fördermenge in Polen von etwa 390.000 Tonnen ergänzen. Bereits unterzeichnet hat das Unternehmen eine Absichtserklärung in Marokko über potenzielle Investitionen im Rohstoffsektor.
„Die Pläne für Marokko und mehrere andere Standorte stehen in direktem Zusammenhang mit der Notwendigkeit, eine langfristige, stabile Versorgung unserer Schmelzhütten zu sichern", erklärte Paszkiewicz. Hintergrund ist der Ansatz des Unternehmens, die heimischen polnischen Vorkommen nicht übermäßig auszubeuten. Polen besitzt die größten Kupferreserven der EU, doch KGHM muss für die Aufrechterhaltung des Produktionsniveaus zunehmend in größere Tiefen vordringen – was die Kosten erhöht.
In Amerika bewertet KGHM derzeit Anlagen in Chile, Argentinien, den USA und Kanada. Die Liste der Kandidaten wird laut CEO auf die vielversprechendsten Ziele eingegrenzt, eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen. „Es hat keinen Sinn zu warten, da jeder nach neuen Möglichkeiten sucht", so Paszkiewicz, der jedoch betonte: „Wir verfolgen einen ausgewogenen Ansatz – wir wollen uns nicht an Projekten beteiligen, die sehr hohe Kosten verursachen würden."
Internationale Assets bereits profitabel
Historisch gesehen war KGHMs bislang größte Auslandsübernahme der Kauf des kanadischen Unternehmens Quadra FNX Mining im Jahr 2011 für 2,84 Milliarden US-Dollar – bis heute die größte polnische Auslandsakquisition überhaupt. Durch diesen Schritt erwarb KGHM Bergbauprojekte in den USA, Kanada und Chile.
Obwohl die internationalen Vermögenswerte erst kürzlich die Gewinnzone erreichten, tragen sie bereits erheblich zum Unternehmensergebnis bei: Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie fast die Hälfte des EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen), obwohl sie lediglich 20 Prozent des Fördervolumens ausmachten. Ein wesentlicher Grund dafür sind die deutlich niedrigeren Produktionskosten im Ausland. Die sogenannten C1-Kosten – eine Branchenkennzahl für die Barkosten vom Abbau bis zur Marktauslieferung – lagen im ersten Quartal in der chilenischen Tagebaumine Sierra Gorda um 47 Prozent niedriger als in Polen.
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Zur AktienanalyseChancen auch im Inland
Neben der internationalen Expansion zeichnen sich auch im Inland neue Möglichkeiten ab. Die kanadische Lumina Metals Corporation hat in der Nähe der KGHM-Standorte in Polen reiche Kupfervorkommen entdeckt und plant dort eigene Minen. KGHM betrachtet Lumina dabei eher als Chance denn als Konkurrenten.
„Es gibt keinen besseren Ort für die Verarbeitung ihrer Rohstoffe als unsere Schmelzhütte in Glogow", sagte Paszkiewicz. Zudem könnte eine Investition von Lumina dazu beitragen, die in Polen geltende hohe Kupferfördersteuer zu senken – was wiederum KGHM selbst zugutekäme. Der Konzern steht im Inland vor der doppelten Herausforderung einer hohen lokalen Fördersteuer und steigender Abbaukosten durch zunehmende Tiefen. Die internationale Expansionsstrategie ist damit nicht nur Wachstumsambition, sondern auch eine strategische Antwort auf strukturelle Kostennachteile im Heimatmarkt.


