KI-Analystencheck: SpaceX, Alibaba, Samsung und Salesforce im Fokus
Die wichtigsten KI-Analystenbewertungen der Woche: SpaceX erhält Rekord-Kursziel, Samsung-Ausverkauf gilt als übertrieben.

Die Wall Street hat diese Woche gleich mehrere wegweisende Analystenbewertungen im Bereich künstliche Intelligenz veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen SpaceX, Alibaba, Samsung und Salesforce – mit teils überraschenden Einschätzungen für Anleger.
Raymond James setzt SpaceX das höchste Kursziel der Wall Street
Raymond James hat die Beobachtung von SpaceX mit einer Einstufung als „Strong Buy" und einem Kursziel von 800 US-Dollar aufgenommen – dem höchsten Kursziel für das Unternehmen an der Wall Street. Analyst Brian Gesuale argumentiert, dass der industrialisierte Zugang zum Orbit und KI die „bedeutendste Infrastrukturkonvergenz seit der Entstehung des Internets" vorantreiben. SpaceX baue demnach die „Grundlagenplattform für die nächste Generation industrieller Kapazitäten" in den Bereichen Transport, Kommunikation, Computertechnik, Fertigung und Energie auf.
Den adressierbaren Gesamtmarkt schätzt Raymond James auf nahezu 30 Billionen US-Dollar. Im Zentrum der Investitionsthese steht das Starship-Raumschiff, das laut Gesuale die Kosten für den Transport von Masse in den Orbit um mehr als 99 Prozent senkt und gleichzeitig die Nutzlastkapazität um eine Größenordnung erhöht. Der Analyst zieht historische Parallelen zu Eisenbahnen, der Elektrifizierung, der Containerisierung und dem Internet.
Besonders bemerkenswert ist das sogenannte „Infrastruktur-Schwungrad" von SpaceX: „Falcon finanzierte Starlink, Starlink finanziert Starship, Starship ermöglicht die nächste Generation von Plattformen", so Gesuale. Raymond James prognostiziert, dass SpaceX von derzeit rund 38,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und 17,7 Milliarden US-Dollar EBITDA auf mehr als 837 Milliarden US-Dollar Umsatz und 696 Milliarden US-Dollar EBITDA bis zum Jahr 2031 wachsen wird. Das Kursziel von 800 US-Dollar basiert auf einem 27-fachen Exit-Multiple eines Discounted-Cashflow-Modells auf das geschätzte EBITDA für 2031.
Bank of America sieht Alibaba als überzeugenden KI-Wert in China
Die Bank of America hat ihre Kaufempfehlung für Alibaba mit einem Kursziel von 172 US-Dollar pro American Depositary Share (ADS) bestätigt. Die Analysten unter der Leitung von Joyce Ju bezeichnen das Unternehmen im Vorfeld der Ergebnisse für das Juni-Quartal als „einen der überzeugendsten KI-Werte in China". Für das Juni-Quartal prognostiziert die BofA ein Umsatzwachstum von 8,8 Prozent im Jahresvergleich.
Besonders das Cloud-Segment dürfte von der KI-gesteuerten Nachfrage profitieren: Das Cloud-Umsatzwachstum soll von 38 Prozent im März-Quartal auf 45 Prozent im Jahresvergleich steigen, während sich die Cloud-Margen von 9 auf 11 Prozent verbessern dürften. Die BofA prognostiziert für das Quartal ein konsolidiertes EBITA von 26,2 Milliarden Renminbi – ein Rückgang von 33 Prozent im Jahresvergleich, aber über dem Marktkonsens. Mit Blick auf die Zukunft erwartet die Bank, dass das Geschäftsjahr 2027 „einen wichtigen Wendepunkt bei den Erträgen markieren wird".
Mizuho: Samsung-Ausverkauf übertrieben
Jordan Klein, TMT-Spezialist bei Mizuho, hält die Marktreaktion auf die vorläufigen Samsung-Ergebnisse für das zweite Quartal für übertrieben. Er argumentiert, dass der Ausverkauf bei Halbleitern eher einen Abbau von Momentum als eine fundamentale Verschlechterung widerspiegele. Das Betriebsergebnis bezeichnet Klein als „starken Erfolg, wenn man einmalige Bonusaufwendungen ausklammert", und schätzt die impliziten operativen Margen im Speicherbereich auf über 80 Prozent.
„Dieser operative Gewinn in einem einzigen Quartal ist höher als das, was Samsung in den letzten drei Jahren insgesamt gemeldet hat", sagte Klein und nannte es „extrem kurzsichtig", auf vorläufige Ergebnisse zu reagieren. Das Verfehlen der Umsatzziele führt er eher auf Mobilgeräte, Fernseher und LCD-Panels als auf den Speicherbereich zurück. Zur allgemeinen Preisgestaltung merkte Klein an, dass die DRAM- und NAND-Trends im dritten Quartal im Vergleich zum zweiten Quartal „sehr stark" aussähen – einige Prognosen deuten auf einen NAND-Anstieg von 35 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal hin.
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Zur AktienanalyseKlein betonte zudem, dass die Ergebnisse von TSMC und ASML in der Folgewoche „für die Kursentwicklung bei Halbleitern weitaus wichtiger sein werden als die vorläufigen Zahlen von Samsung". Kursrücksetzer bei AMD betrachtet er als Kaufgelegenheit vor dessen KI-Event am 23. Juli.
Bernstein stuft Salesforce ab – Agentforce enttäuscht
Bernstein hat Salesforce von „Outperform" auf „Sector Weight" herabgestuft und das Kursziel gestrichen. Analyst Jackson Ader verwies auf schwaches Kundenfeedback zum KI-Produkt Agentforce: „Unsere Überprüfungen und Kundengespräche waren nicht überzeugend, ebenso wenig wie das Feedback zu Agentforce." Das Kundenfeedback sei in zwei Punkten konsistent: Die Kundendaten seien nicht organisiert genug für sinnvolle KI-Arbeit, und Agentforce sei „als Produkt einfach noch nicht so weit".
Bernstein betrachtet Salesforce weiterhin als etablierte Plattform, erklärte jedoch, dass Beweise für eine nachhaltige Beschleunigung durch Agentforce „weiter entfernt sind, als wir erwartet hatten, sofern sie überhaupt eintreten". In der Bernstein-Umfrage erwarten zudem mehr CIOs, Salesforce innerhalb ihrer IT-Budgets in den nächsten 12 Monaten niedriger zu priorisieren, als solche, die eine Erhöhung der Ausgaben planen – ein deutliches Warnsignal für die mittelfristige Wachstumsperspektive des Unternehmens.


