KI-Ausverkauf löst Nachschussforderungen bei Hedgefonds aus
Banken wie Goldman Sachs und JPMorgan fordern zusätzliche Sicherheiten, während KI-Aktien stark unter Druck geraten.

Der rasante Ausverkauf bei KI-Aktien hat an der Wall Street ernsthafte Folgen: Banken haben Hedgefonds aufgefordert, zusätzliche Sicherheiten zu hinterlegen, um ihr bestehendes Leverage-Niveau aufrechtzuerhalten. Betroffen sind vor allem Fonds, deren Portfolios stark in bestimmten Branchen konzentriert sind. Goldman Sachs und JPMorgan Chase gehörten laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen zu den Instituten, die solche Nachschussforderungen gestellt haben – beide lehnten eine offizielle Stellungnahme ab.
„Dies ist die Art von Risikomanagement, die der Markt derzeit erwarten sollte. Das sind ziemlich grundlegende Dinge", sagte eine Person, die einer der beteiligten Banken nahesteht. Viele der Forderungen seien automatisch durch die gestiegene Marktvolatilität ausgelöst worden. Banken bauen solche Schutzmechanismen in ihre Kreditvergabe an Hedgefonds ein, um sich gegen Verluste bei fallenden Märkten abzusichern.
Massive Verluste bei beliebten Strategien
Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Drucks: Long-Short-Hedgefonds-Strategien lagen bis zum Mittag New Yorker Zeit an einem einzigen Tag 1,3 Prozent im Minus, während Multi-Strategie-Fonds laut einem Goldman-Sachs-Bericht sogar 1,7 Prozent verloren. Das letzte Mal, dass alle diese Strategien an einem einzigen Tag um mehr als 1 Prozent fielen, war während der durch die Covid-Krise im Jahr 2020 ausgelösten Marktverwerfungen. Trotz dieser Rückschläge lagen Hedgefonds-Strategien im laufenden Jahr im Durchschnitt noch immer mit mehr als 10 Prozent im Plus.
Der Nasdaq 100 rutschte zwischenzeitlich in das sogenannte Korrekturterritorium und fiel um 10 Prozent gegenüber seinem Rekordhoch von Anfang Juni. Besonders hart traf es einzelne Technologiewerte: Sandisk liegt 53 Prozent unter seinem Höchststand, Intel sogar 39 Prozent. Die Forderungen nach Sicherheiten verdeutlichen die wachsende Nervosität über das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Ausverkaufs bei KI-Aktien in den vergangenen zwei Wochen, der eine von vielen Fonds favorisierte Sektor-Rallye abrupt beendet hat.
Asiatische Märkte und Apple im Fokus
Die Turbulenzen griffen auch auf asiatische Märkte über. Anleger stießen nach enttäuschenden Quartalsergebnissen des südkoreanischen Chip-Riesen SK Hynix weiterhin Chip-Aktien ab. Tokios Nikkei 225 und Seouls Kospi gaben beide nach. Die Bank of England untersucht derweil eine Anhäufung hochkonzentrierter Wetten auf wenige KI-bezogene asiatische Unternehmen bei in London ansässigen Investmentbanken.
Einen Gegenpol bildete Apple: Die Marktbewertung des iPhone-Herstellers sprang erstmals über die Marke von 5 Billionen US-Dollar – ein Zeichen für seine Rolle als sicherer Hafen für Technologie-Investoren in turbulenten Zeiten. Während der breite KI-Sektor unter Druck steht, suchen Anleger offenbar Zuflucht in etablierten Tech-Giganten mit stabilen Geschäftsmodellen.
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Zur AktienanalyseZuckerberg warnt vor KI-Regulierung
Abseits der Marktturbulenzen sorgte Meta-Chef Mark Zuckerberg für Aufsehen: Er erklärte, Washington sollte chinesische KI-Modelle nicht blockieren, um sich einen Vorteil im KI-Wettrüsten zu verschaffen. Zuckerberg warnte zudem vor einer „regulatorischen Vereinnahmung" durch amerikanische Frontier-Labore, die den inländischen Wettbewerb drosseln könnten. Die Aussagen des Meta-Gründers fallen in eine Zeit, in der die USA intensiv über den Umgang mit chinesischer KI-Technologie debattieren.
Ebenfalls bemerkenswert: Google DeepMind hat das Team hinter AlphaFold – dem Nobelpreis-gekrönten KI-System zur Vorhersage von Proteinstrukturen – im Zuge einer Überarbeitung seiner Forschungsstrategie aufgelöst. Der Schritt spiegelt die Verlagerung des Unternehmens hin zum Aufbau von Gemini-gestützten Systemen wider, mit denen Google im Wettbewerb mit OpenAI und Anthropic bei KI-Agenten punkten will.


