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KI-Betrug auf Rekordhoch: 1,3 Milliarden Pfund gestohlen

Im Vereinigten Königreich wurden 2025 über vier Millionen Betrugsfälle gemeldet – Kriminelle setzen dabei verstärkt auf künstliche Intelligenz.

KI-Betrug auf Rekordhoch: 1,3 Milliarden Pfund gestohlen

Betrüger im Vereinigten Königreich haben im vergangenen Jahr fast 1,3 Milliarden Britische Pfund gestohlen. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht von UK Finance hervor, dem britischen Bankenverband. Insgesamt wurden mehr als vier Millionen Fälle gemeldet, in denen Geld verloren ging – das entspricht durchschnittlich fast acht Fällen pro Minute.

Die Gesamtzahl der Betrugsfälle ist innerhalb von zwei Jahren um mehr als eine Million gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 11 Prozent, gegenüber 2023 sogar einem Plus von 31 Prozent. Der Bericht gilt als die umfassendste Bewertung von Betrugsverlusten im Vereinigten Königreich und basiert auf Daten direkt aus dem Bankensektor.

Besonders alarmierend: Die Verluste durch Anlagebetrug stiegen innerhalb eines Jahres um 40 Prozent auf ein neues Rekordhoch. Auch Einkaufsbetrug, bei dem Kriminelle gestohlene Kartendaten für Online-Käufe nutzen, erreichte neue Rekordwerte. Banken bezeichnen Betrug angesichts der enormen Summen, die von der organisierten Kriminalität gestohlen werden, inzwischen als „Bedrohung für die nationale Sicherheit".

Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Kriminellen

Banken berichten, dass Kriminelle mithilfe von künstlicher Intelligenz zunehmend komplexere Betrugsversuche in größerem Umfang durchführen. KI wird eingesetzt, um die Stimmen von Prominenten oder sogar von Familienmitgliedern und Freunden der Opfer zu imitieren. Das ermöglicht es Betrügern, ihre Straftaten in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zu begehen.

„Ein Klick, und Sie können Ihre gesamten Ersparnisse verlieren", warnte Ruth Ray, Geschäftsführerin für Wirtschaftskriminalität bei UK Finance. Sie forderte „stärkere, durchsetzbare Verantwortlichkeiten" für Tech-Plattformen wie soziale Medien und Online-Marktplätze. Konkret nannte sie strengere Regeln für die Entfernung betrügerischer Werbung, die Verifizierung von Verkäufern und sichere Zahlungssysteme.

Infolgedessen seien Menschen anfälliger für Betrug geworden – oft in einem Moment der Verletzlichkeit, selbst wenn das Opfer sich selbst nicht als täuschungsanfällig betrachtete. Der Bankenverband betonte, dass das enorme Ausmaß des Problems nur bewältigt werden könne, wenn Technologieunternehmen die Überwachung und Sicherheit ihrer Plattformen verstärkten.

Liebesbetrug: Wenn Betrüger ihre Opfer heiraten

Besonders perfide ist der sogenannte Romance Scam, bei dem Betrüger gefälschte Profile in sozialen Medien und auf Dating-Portalen nutzen, um Opfer kennenzulernen, zu manipulieren und schließlich zu bestehlen. UK Finance berichtete von Fällen, in denen Betrüger ihre Opfer sogar heirateten, um weiterhin Geld zu entwenden.

Ein konkretes Beispiel: Kirsty Guest, eine Floristin aus North Yorkshire, wurde um 80.000 Britische Pfund betrogen. Sie hatte auf einer Dating-App einen Mann kennengelernt, der sich „Patrick" nannte. Die Beziehung entwickelte sich über Monate – doch „Patrick" war ein Betrüger, der Fotos eines unschuldigen Dritten verwendete. Nachdem er behauptet hatte, auf einer Geschäftsreise einen Unfall gehabt zu haben, brachte er Kirsty dazu, Tausende von Pfund zu überweisen. „[Betrüger] sind professionell und verdienen enorme Summen", sagte sie der BBC. „Sie gehen bei ihrem Handeln sehr intelligent vor."

„Die Auswirkungen gehen über den finanziellen Verlust hinaus; sie können massiven emotionalen Schaden anrichten und die Opfer mit Schuldgefühlen und Scham belasten", sagte Paul Davis, Leiter der Abteilung für Wirtschaftskriminalität bei Barclays. „Deshalb müssen wir das Problem an der Wurzel packen, um die Verbraucher zu schützen."

Rückerstattung und Ausblick

Beim sogenannten Authorised Push Payment (APP)-Betrug – bei dem Opfer zur Überweisung von Geld verleitet werden – haben die meisten Betroffenen im Vereinigten Königreich inzwischen einen Rechtsanspruch auf Rückerstattung durch ihre Bank. Dennoch stiegen die Verluste in diesem Bereich im vergangenen Jahr um 19 Prozent, und 12 Prozent des gestohlenen Geldes wurde nicht erstattet.

Kriminelle passen ihre Taktiken ständig an. Experten prognostizieren für die kommenden Wochen einen Anstieg von Betrugsfällen im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Positiv zu vermerken ist, dass einige Betrugsarten im vergangenen Jahr zurückgingen: Identitätsbetrug, bei dem sich Kriminelle als Bank, Polizei oder Organisation ausgeben, sank um 11 Prozent.

Experten gehen zudem davon aus, dass die Mehrheit der Betrugsfälle gar nicht gemeldet wird und somit nicht in der Statistik erscheint – die tatsächlichen Zahlen dürften also noch deutlich höher liegen. Für deutsche Verbraucher sind die britischen Entwicklungen ein Warnsignal: Die eingesetzten Methoden wie KI-gestützte Stimmimitation, gefälschte Dating-Profile und betrügerische Online-Marktplätze sind grenzübergreifend und auch hierzulande verbreitet.

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