KI-Blase: Warum Softwareaktien jetzt besonders attraktiv erscheinen
Halbleiteraktien im Bärenmarkt, Hyperscaler unter Druck – doch Softwareunternehmen wie Adobe und Salesforce könnten profitieren.

Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz haben den Aktienmarkt in den vergangenen vier Jahren wie kaum eine andere Entwicklung geprägt. Das Versprechen enormer Produktivitätssteigerungen durch KI trieb massive Investitionen in neue Rechenzentren und entsprechende Ausrüstung an. Doch nun wächst die Skepsis: Zahlen sich diese Ausgaben langfristig wirklich aus?
Halbleiteraktien befinden sich technisch gesehen bereits in einem Bärenmarkt – sie sind seit Ende Juni um mehr als 20 Prozent gefallen. Auch sogenannte Hyperscaler, also große Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google, geraten zunehmend unter Beobachtung. Ihre hohen Investitionsausgaben drücken den freien Cashflow in den negativen Bereich. Diese Entwicklungen veranlassen immer mehr Anleger, die Frage zu stellen: Befindet sich die künstliche Intelligenz in einer Blase?
Softwareaktien: Vom Ausverkauf zum Comeback-Kandidaten
Anfang des Jahres brachen Softwareaktien massiv ein. Anleger befürchteten, dass KI-Dienste wie Claude Code von Anthropic das Wachstum klassischer Softwareunternehmen gefährden könnten. Viele Analysten stuften ihre Gewinnprognosen für Software-as-a-Service-Unternehmen (SaaS) zurück, da das künftige Wachstum als weniger vorhersehbar galt. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) verlor von Jahresbeginn bis Anfang April fast 30 Prozent.
Seitdem hat sich der Sektor zwar erholt, doch es gibt weiterhin zahlreiche günstige Einstiegsmöglichkeiten. Sollte sich die KI-Euphorie als übertrieben erweisen, könnten genau jene Softwareunternehmen zu den größten Gewinnern zählen, die im Ausverkauf am stärksten gelitten haben. Dafür sprechen zwei wesentliche Argumente.
Erstens könnte eine platzende KI-Blase zeigen, dass KI bestehende Unternehmenssoftware nicht so schnell ersetzen kann wie befürchtet. Viele SaaS-Unternehmen verfügen über erhebliche Wettbewerbsvorteile – sogenannte „Moats" –, die ihr Geschäftsmodell vor KI-Disruption schützen. Die Angst vor dieser Disruption war bislang ein erheblicher Belastungsfaktor für die Aktienkurse, ohne dass sie sich in der Realität vollständig bestätigt hätte.
Zweitens könnten Softwareunternehmen, die generative KI-Tools in ihre Produkte integrieren, von sinkenden Rechenkosten profitieren. Wenn Hyperscaler Überkapazitäten aufbauen und die Nachfrage das Angebot nicht deckt, könnten sie gezwungen sein, ihre Dienste günstiger anzubieten. Das würde die Bruttomarge von den Hyperscalern auf deren Kunden – also Softwareunternehmen – verlagern.
Adobe und Salesforce: Günstige Bewertungen trotz solidem Cashflow
Zwei konkrete Beispiele für potenzielle Gewinner sind Adobe und Salesforce. Beide Aktien haben trotz einer jüngsten Kurserholung noch immer attraktive Bewertungen. Adobe wird mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 10,3 gehandelt, Salesforce mit einem KGV von etwa 13.
Gleichzeitig erwirtschaften beide Unternehmen einen beachtlichen freien Cashflow: Adobe erzielte in den vergangenen zwölf Monaten 10,3 Milliarden US-Dollar, Salesforce sogar 14,7 Milliarden US-Dollar. Analysten erwarten für beide Unternehmen ein Umsatzwachstum von rund 9 Prozent pro Jahr – ein Wert, der von den Märkten skeptisch bewertet wird.
Das Management beider Unternehmen liefert jedoch regelmäßig Wachstum über den Erwartungen. Salesforce verzeichnete im ersten Quartal ein Umsatzwachstum von 12 Prozent und erwartet eine weitere Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte. Adobe steigerte den Umsatz im letzten Quartal um 13 Prozent und zeigte starke Fortschritte bei seinem Freemium-Angebot, was das langfristige Wachstum stützen sollte.
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Zur AktienanalyseBeide Unternehmen setzen zudem aktiv auf KI, um ihre Produkte weiterzuentwickeln. Adobe bietet mit Firefly ein eigenes KI-Modell an, das mit eigenen Stockfotos und -videos trainiert wurde. Salesforce hat mit Agentforce eine Lösung eingeführt, die auf der eigenen Data Cloud basiert und Abläufe innerhalb der Software automatisiert.
Fazit: Softwaresektor als strategische Alternative
Für Anleger, die Kapital aus Halbleiter- und Hyperscaler-Aktien abziehen, aber im Technologiesektor investiert bleiben möchten, könnten Softwareaktien ein natürlicher Anlaufpunkt sein. Wer breit diversifiziert investieren möchte, kann auf den iShares Software-Sektor-ETF zurückgreifen. Wer gezielt auf die qualitativ hochwertigsten Titel setzt, könnte jedoch noch besser abschneiden. Entscheidend sind dabei ein solider freier Cashflow, niedrige Bewertungen und nachgewiesene Wettbewerbsvorteile – Eigenschaften, die Unternehmen wie Adobe und Salesforce mitbringen.


