ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

KI im Handwerk: Warum Azubis jetzt auf Handwerksberufe setzen

Steigende Ausbildungszahlen zeigen: Die Angst vor Künstlicher Intelligenz treibt junge Menschen ins Handwerk.

KI im Handwerk: Warum Azubis jetzt auf Handwerksberufe setzen

Braune und blaue Kabel, Sicherungen, Schraubenzieher – für Azubi Leon Briegert aus der Nähe von Frankfurt/Oder ist das tägliche Realität. Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und hat sich bewusst für einen Beruf entschieden, bei dem Handfertigkeit zählt. Seine Begründung ist klar: „Künstliche Intelligenz kann mir kein Kabel in die Wand zaubern. Und da jede Wohnung anders ist, wird es auch künftig einen Menschen brauchen, um die Technik anzubringen."

Zu Beginn seiner Ausbildung vor drei Jahren habe das Thema KI noch kaum eine Rolle gespielt, sagt Briegert. Heute ist er froh, sich um seine berufliche Zukunft keine Sorgen machen zu müssen – eine Haltung, die immer mehr junge Menschen teilen.

Ähnlich denkt Amin Houri. Der gebürtige Iraner hat vier Jahre lang Architektur studiert, bevor er sich für eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker in Berlin-Kreuzberg entschied. Seine Recherchen hätten ihn überzeugt: „In Zukunft wird die KI den Architektenjob verdrängen. Deshalb will ich Handwerker lernen. So eine Ausbildung kann mir den Beruf garantieren."

KI als Werkzeug, nicht als Bedrohung

Dass KI das Handwerk nicht verdrängt, sondern verändert, zeigt das Beispiel der Haun Heizung und Sanitär GmbH aus Berlin-Kreuzberg. Der Betrieb mit zehn Mitarbeitern und vier Azubis setzt Künstliche Intelligenz bereits aktiv ein. Geschäftsführer Thomas Haun erklärt: „Früher hat das ein Ingenieurbüro erledigt. Heute ist KI ein wichtiges Hilfsmittel, zum Beispiel bei der automatisierten Kundenbetreuung, dem Verschriftlichen von Bautagebüchern und Montageberichten."

Die Anforderungen an Auszubildende seien dabei gestiegen, betont Haun. Er suche hochmotivierte Schulabgänger mit mittlerer Reife oder Abitur, die bereits während der Ausbildung komplexe, technologisierte Aufgaben übernehmen – etwa die Berechnung von Heizlasten per Smartphone-App. Neue Fachkräfte zu finden, sei bislang schwer gewesen.

Die Einsatzmöglichkeiten von KI im Handwerk sind vielfältig: Friseurkunden können Haarschnitte und -farben vorab digital simulieren, Baufirmen lassen Nachhaltigkeitsberichte automatisiert erstellen. Jörg Dittrich, Dachdeckermeister aus Dresden, Inhaber eines Betriebs mit 100 Mitarbeitern und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sieht darin eine Stärke: „Der Befehl an den Chatbot: 'Bau das Haus fertig' wird meistens beantwortet mit 'Ich kann dir helfen bei der Planung. Aber in der Durchführung geht es nicht.' Im Handwerk muss niemand Angst vor KI haben."

Rekord bei neuen Ausbildungsverträgen

Die positiven Signale schlagen sich in konkreten Zahlen nieder. Laut ZDH wurden in der ersten Jahreshälfte 2026 im Handwerk 67.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Anstieg von fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das ist der höchste Wert an Neuverträgen seit fast zehn Jahren.

Verbandspräsident Dittrich glaubt nicht, dass Roboter langfristig zu Entlassungen in der Baubranche führen werden. Vielmehr sieht er in der Automatisierung eine Chance, den durch den demografischen Wandel verursachten Fachkräftemangel abzumildern: „Die umliegenden Tätigkeiten sind inzwischen schwer abzudecken. Es ist also eine große Chance, das mithilfe von KI aufzufangen."

Wissenschaftlich belegt ist der direkte Zusammenhang zwischen KI-Angst und dem Zulauf ins Handwerk noch nicht. Doch Tendenzen deuten darauf hin. Die repräsentative Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026", mitherausgegeben von der Universität Potsdam, zeigt: 52 Prozent der Jugendlichen gehen davon aus, dass KI die Arbeitswelt grundlegend und radikal verändern wird. Ähnlich viele glauben, dass einfache Tätigkeiten zunehmend durch KI ersetzt werden – ein Bewusstsein, das offenbar die Berufswahl beeinflusst.

Künstliche Intelligenz HandwerkAusbildung 2026FachkräftemangelHandwerksberufe KiZdh AusbildungsverträgeAzubi HandwerkKi Arbeitsmarkt

Disclaimer