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KI-Investitionsboom treibt Inflation – aber nur vorübergehend?

CIBC Capital Markets analysiert zwei Szenarien, die beide bis Ende 2027 zu einer Abkühlung der KI-bedingten Inflation führen könnten.

KI-Investitionsboom treibt Inflation – aber nur vorübergehend?

Der massive Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz heizt die Inflation in Lieferketten und Arbeitsmärkten spürbar an. Analysten von CIBC Capital Markets sehen jedoch zwei unterschiedliche Szenarien – ein bullishes und ein bearishes –, die beide bis Ende 2027 zu einer Abkühlung der Preise führen könnten. Die entscheidende Frage lautet: Ist die KI-Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen?

Avery Shenfeld, Chefökonom bei CIBC, beschreibt den Preisdruck als vielschichtig. Der KI-Ausbau mache sich bei Frachtraten, Baumaterialien und den Kosten für Speicherchips bemerkbar – letztere schlagen direkt auf die Preise für Personal Computer durch. Hinzu kommt ein angespannter Arbeitsmarkt. All diese inflationstreibenden Faktoren überwiegen laut Shenfeld derzeit die Einsparungen bei den Arbeitskosten, die KI-Tools bisher ermöglicht haben.

Besonders aufschlussreich ist Shenfelds Einschätzung zur betrieblichen KI-Nutzung: Unternehmen, die KI für ihre Mitarbeiter einsetzen, „erzielen gemischte Ergebnisse, wobei einige Zeitersparnisse verbuchen, während bei anderen diese Vorteile durch eskalierende Token-Kosten zunichtegemacht werden." Dies verdeutlicht, dass der wirtschaftliche Nutzen von KI in der Praxis noch längst nicht flächendeckend realisiert wird.

Geldpolitik unter Druck

Die Inflation hat bereits konkrete Auswirkungen auf die US-Geldpolitik. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh, der noch im vergangenen Jahr KI-gesteuerte Produktivitätsgewinne als Begründung für Zinssenkungen anführte, sieht sich nun mit der Aussicht auf Zinserhöhungen konfrontiert. CIBC zählt den KI-Investitionsboom zu den Hauptverantwortlichen für diesen geldpolitischen Kurswechsel.

Das Basisszenario von CIBC sieht für das laufende Jahr keine Zinserhöhungen der Fed vor. Die Bank betont jedoch, dass diese Einschätzung stark von den kommenden Wachstums- und Inflationsdaten abhängt. Etwaige KI-bedingte Zinserhöhungen könnten im weiteren Verlauf wieder rückgängig gemacht werden, falls eine Disinflation eintritt.

Zwei Wege zur Abkühlung

Im bullishen Szenario – also wenn die KI-Optimisten recht behalten – würde ein weiteres Jahr der Implementierung beginnen, Einsparungen bei den Arbeitskosten zu generieren. Unternehmen würden ihre KI-Nutzung auf Bereiche konzentrieren, in denen Produktivitätsgewinne die Token-Kosten übersteigen. Ein Rückgang bei Neueinstellungen oder Entlassungen in durch KI redundant gewordenen Positionen würde den Lohndruck mildern. Zudem sollte das Wachstum der Ausgaben für Rechenzentren und Kraftwerke nachlassen, was die Chippreise stabilisieren könnte.

Im bearishen Szenario – wenn die KI-Skeptiker recht behalten – wäre der Disinflationsmechanismus ein anderer, das Ziel jedoch ähnlich. Unternehmen, die leistungsschwache KI-Tools reduzieren, würden ihre Token-Ausgaben senken. Bedeutsamer wäre, dass eine Neubewertung der KI-Investitionsthese durch den Kapitalmarkt die Projektbudgets kürzen, die Gesamtnachfrage verringern und den Stress in den Lieferketten mildern könnte. Eine schwere Korrektur am Aktienmarkt infolge einer KI-Enttäuschung könnte zudem den Konsum dämpfen und die Fed zur Lockerung der Finanzbedingungen veranlassen.

Zeitplan bleibt ungewiss

CIBC gibt zu bedenken, dass der Zeitplan für beide Ergebnisse „höchst ungewiss" sei. Die Finanzmärkte könnten eine weitere Beschleunigung der KI-Projektausgaben für „ein oder zwei weitere Jahre" finanzieren, sofern die Erwartungen an die Kapitalrendite positiv bleiben. Dies würde die sogenannten Hyperscaler – also große Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google – dazu zwingen, ihre Kapazitäten weiter auszubauen, und den Druck auf die Lieferketten aufrechterhalten.

Shenfeld fasst das Dilemma für die Notenbank treffend zusammen: „Es gibt zwar gute Argumente dafür, dass sich die KI-Inflation als vorübergehend erweist und die Fed auf dieses Ergebnis setzt, aber sie könnte möglicherweise nicht tatenlos zusehen, wenn die Kerninflation in der Zwischenzeit zu hoch bleibt." Für Anleger bedeutet dies: Die Unsicherheit rund um KI-Investitionen und deren makroökonomische Folgen bleibt ein zentrales Thema an den Finanzmärkten.

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