KI-Regulierung in den USA: Sixth-Street-Manager kritisiert inkonsistenten Ansatz
Martin Chavez von Sixth Street nennt die US-KI-Regulierung problematisch und fordert einen systematischeren, transparenteren Rahmen.

Martin Chavez, stellvertretender Vorsitzender der Investmentfirma Sixth Street, hat die US-amerikanische Regulierung von Künstlicher Intelligenz scharf kritisiert. Auf der Veranstaltung „Reuters Momentum AI London" am Dienstag bezeichnete er den aktuellen Ansatz als problematisch und inkonsistent. Chavez ist nicht nur ein erfahrener Finanz- und Technologieveteran, sondern auch Mitglied des Verwaltungsrats von Alphabet Inc., der Muttergesellschaft von Google.
Konkret kritisierte Chavez, dass die USA jedes neue KI-Modell einzeln regulieren, ohne dabei ausreichende Transparenz darüber herzustellen, wie Entscheidungen getroffen werden und wer diese trifft. Diese mangelnde Chancengleichheit bei der KI-Regulierung könnte nach seiner Einschätzung die Risiken für die gesamte Branche erhöhen.
Vergleich mit der Finanzkrise
Chavez zog dabei eine deutliche Parallele zur Regulierung nach der Finanzkrise. „Die richtige Regulierung erfolgt immer erst im Nachhinein", sagte er. „Wir neigen dazu, erst dann zu handeln, wenn bereits etwas Schlimmes passiert ist, und erst dann zu regulieren." Er plädierte dafür, dass KI eine Regulierung benötige, die den Regeln nach der Finanzkrise ähnelt – konkret verwies er auf jährliche Stresstests für das Finanzsystem, die nach der Krise eingeführt wurden und die Stabilität des Systems erhöhten.
Die Kritik von Chavez fällt in eine Zeit, in der die US-Regierung zunehmend direkt in die Verbreitung von KI-Modellen eingreift. So gab das KI-Unternehmen Anthropic am 12. Juni bekannt, dass es seine fortschrittlichsten KI-Modelle für alle Nutzer deaktivieren werde. Hintergrund war eine Anweisung der US-Regierung, den Zugang zu diesen Modellen für ausländische Staatsangehörige aus nationalen Sicherheitsgründen auszusetzen.
Auch OpenAI meldete ähnliche Einschränkungen: Am 26. Juni erklärte das Unternehmen, dass sich die vollständige öffentliche Einführung von GPT-5 und GPT-6 auf Ersuchen der US-Regierung verzögere. Der anfängliche Zugang zum Modell werde auf eine kleine Gruppe geprüfter Partner beschränkt, deren Details den Behörden übermittelt wurden.
Warnungen vor KI-Boom und Überinvestitionen
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Zur AktienanalyseParallel zu diesen regulatorischen Eingriffen wächst auch die Sorge vor wirtschaftlichen Risiken des KI-Booms. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnte am Sonntag, dass der KI-Boom Ängste vor Arbeitsplatzverlusten, Lieferengpässen und massiven Überinvestitionen schüre. Die BIZ verwies dabei auf frühere Boom-Bust-Zyklen, die bereits zu schweren Verlusten geführt hatten.
Für deutsche Privatanleger und Beobachter des Technologiesektors sind diese Entwicklungen von besonderer Bedeutung: Die Art und Weise, wie die USA den Zugang zu führenden KI-Modellen regulieren, hat direkte Auswirkungen auf europäische Unternehmen und Nutzer, die auf diese Technologien angewiesen sind. Die Forderung nach einem transparenteren, systemischen Regulierungsrahmen – ähnlich den Banken-Stresstests – gewinnt damit auch in der internationalen Debatte an Gewicht.


