KI-Rivalität: USA verlieren in Asien Boden gegen China
Beim APEC-Gipfel in Chengdu zeigte sich: China dominiert mit günstigen Open-Source-Modellen, während die USA kaum Präsenz zeigten.

Der globale Wettlauf um künstliche Intelligenz spitzt sich in Asien zu – und die USA geraten dabei zunehmend ins Hintertreffen. Beim APEC-Forum „Digital Weeks" im chinesischen Chengdu hinterließen die Vereinigten Staaten nur wenige öffentliche Spuren ihrer Beteiligung, während China als diesjähriger APEC-Gastgeber seine KI-Fähigkeiten gezielt in Szene setzte. Die Veranstaltung verdeutlichte die wachsende Lücke zwischen dem Anspruch der USA, KI-Weltmarktführer zu sein, und ihrer tatsächlichen Präsenz in der Region.
Lediglich Google und Meta waren als US-Unternehmen mit Ständen auf der APEC vertreten – neben Ständen für Thailand und China, die überwiegend von Unternehmen aus Chengdu belegt wurden. Bemerkenswert: Beide US-Konzerne setzten nicht auf ihre großen Sprachmodelle (Large Language Models), sondern auf Nischenanwendungen. Google präsentierte das molekulare KI-System AlphaFold, Meta fokussierte sich auf KI-Lösungen für kleine Unternehmen. Wilson L. White, Vice President für Regierungsangelegenheiten bei Google, erwähnte das hauseigene Modell Gemini in seiner Rede am 24. Juli nur am Rande.
Im direkten Kontrast dazu trat Cai Guangzhong, Vice President von Tencent, nach White ans Podium und betonte die wachsende Akzeptanz des hauseigenen Hunyuan-LLM sowie eines Cloud-Projekts in Thailand. China nutzte die Bühne konsequent, um seine KI-Stärke zu demonstrieren – insbesondere mit Open-Source-Modellen, die im Gegensatz zu den weitgehend geschlossenen US-Systemen stehen.
Chinas strategische Offensive in Asien
Chinesischer Präsident Xi Jinping kündigte am 17. Juli auf der World AI Conference in Shanghai an, dass China Entwicklungsländern 5.000 Möglichkeiten für KI-Schulungen und Seminare anbieten werde. Gleichzeitig sollen Kooperationszentren für KI-Anwendungen mit Südostasien und anderen Regionen aufgebaut werden. Am 23. Juli entsandte Peking Vize-Premierminister Zhang Guoqing nach Chengdu, um auf Ministerebene für die Entwicklung gemeinsamer technologischer Standards mit anderen asiatisch-pazifischen Nationen zu werben. Noch am selben Tag stimmten alle 21 APEC-Mitgliedsökonomien – darunter auch die USA – zu, Open-Source-KI mit „starker Sicherheit" zu unterstützen.
Auf US-Seite warb Bill Guidera, stellvertretender Unterstaatssekretär für Innovation und Engagement im US-Handelsministerium, auf einem hochrangigen APEC-Forum für das American AI Exports Program. „Es ist das brillante Design, das die Stärke, Sicherheit und Leistungsfähigkeit der US-KI zeigt", sagte Guidera. Das Programm steht jedoch unter Druck: Laut einem Bericht von Politico, der drei ehemalige Beamte zitiert, seien beim Handelsministerium bisher weniger als 78 Anträge eingegangen – deutlich weniger als erwartet. Ein Sprecher der International Trade Administration widersprach und erklärte, das Antragsvolumen habe „unsere Erwartungen übertroffen". Das Weiße Haus äußerte sich auf CNBC-Anfrage nicht.
Asien setzt auf lokale Lösungen und Sprachenvielfalt
Ein entscheidender Faktor im asiatischen KI-Markt ist die enorme sprachliche Vielfalt der Region. Allein in Südostasien existieren mehr als 1.300 lebende Sprachen, was die Nutzung eines einheitlichen US-amerikanischen oder chinesischen KI-Modells erheblich erschwert. Regierungen in Asien investieren laut dem privat finanzierten Startup Votee AI „Milliarden" in KI-Systeme, die auf lokale Sprachen zugeschnitten sind.
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Zur AktienanalyseVotee-AI-CEO Pak-Sun Ting gab an, bereits mit mindestens fünf Regierungen zusammenzuarbeiten, darunter zwei in Südostasien. Das Startup erziele bereits einen Jahresumsatz von weit über zehn Millionen US-Dollar. Ting erläuterte zudem, dass Unternehmen in Südostasien zwar bevorzugt Nvidia-Chips für das KI-Training einsetzen, für den Betrieb der Modelle jedoch möglicherweise auf andere Chips zurückgreifen. Das Open-Source-Modell von Votee für Kantonesisch-Sprecher wurde teilweise unter Verwendung von Alibabas Open-Source-Modell Qwen entwickelt – ein Beispiel dafür, wie chinesische Technologie in der Region Fuß fasst.
Statt einer klaren Aufteilung in US-amerikanische und chinesische KI-Sphären zeichnet sich in Asien eine Kombination beider Technologien ab. Die verhaltene US-Präsenz in Chengdu erklärt sich auch durch konkurrierende Termine: Am 24. Juli fand parallel ein KI-Gipfel in San Francisco statt, bei dem das südkoreanische Technologieministerium Präsident Lee Jae-myung mit führenden Vertretern wie Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic) und Jensen Huang (Nvidia) zusammenbrachte. Der Kampf um Asiens KI-Markt ist damit längst nicht entschieden – doch China hat einen klaren Heimvorteil genutzt.

