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Kochen in Videospielen: Die Freude am imaginären Herd

Von The Sims bis Overcooked – warum Kochspiele die Arbeit des Kochens selbst zum Vergnügen machen.

Kochen in Videospielen: Die Freude am imaginären Herd

Essen gehört zu den ältesten Themen der Videospielgeschichte. Bereits in den 1980er-Jahren fraß sich Pac-Man durch ein Labyrinth, Mario sammelte Zauberpilze, und BurgerTime bot eine bösartige Essiggurke als Gegner. Doch erst in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das Kochen selbst als eigenständiges Spielgenre etabliert – mit überraschend tiefgründigen Botschaften über Arbeit, Handwerk und Freude.

Im Jahr 2006 erschien mit Cooking Mama für den Nintendo DS einer der ersten großen Hits des Genres. Seitdem hat sich die Bandbreite enorm erweitert: von narrativen Spielen wie Venba, in dem eine Frau über die alten Rezepte ihrer Mutter eine Verbindung zu ihren tamilischen Wurzeln wiederfindet, bis hin zu Marken-Kooperationen wie Hell's Kitchen: The Game oder Jamie Olivers What's Cooking.

Vom Sims-Dinner zur Scheidungsküche

Besonders prägend für viele Spieler war The Sims 2, die Lebenssimulation aus den frühen 2000er-Jahren. Darin konnten Spieler ihre virtuellen Figuren Dinnerpartys veranstalten, Bratpfannen in Brand setzen und Gerichte wie Hummer Thermidor zubereiten – alles in einer cartoonhaften Ästhetik, die das Essen seltsam appetitlich wirken ließ.

Ein weiterer Meilenstein des Genres ist Overcooked, von manchen Spielern wegen der Streitigkeiten, die es provozieren kann, als „Scheidungsküche" bezeichnet. Es handelt sich um eine Multiplayer-Restaurantsimulation, in der Spieler pummeligen Tier-Postenkoch-Charakteren schlüpfen und versuchen, so viele Bestellbons wie möglich abzuarbeiten, bevor die Zeit abläuft. Die Küchen befinden sich dabei in absurden Umgebungen – etwa in einem Heißluftballon oder auf einem fahrenden Truck.

In Overcooked und seiner Fortsetzung Overcooked 2 haben die Gerichte eine statische 2D-Ästhetik. Die Speisen vermitteln lediglich die Idee von Essen – kugelförmige Burger, leuchtende Baked Alaskas, knallrote Garnelen. Das Ziel der Spiele ist es letztlich, den Hauptgegner zu besiegen: das „Ewig Hungrige" (The Ever Peckish), ein Fleischbällchen-Monster mit Spaghetti-Armen, sowie eine Zombie-Horde der „Un-Brote".

Die Philosophie des Kochens als Spiel

Andere Spiele wie Final Fantasy XV gehen einen anderen Weg und setzen auf täuschend echte Darstellungen: Goldene, unebene Schnitzelstücke hängen über den Tellerrand, das Fett auf der Oberfläche eines Eintopfs glänzt realistisch. Das Internet ist voll von Berichten über Spieler, die versuchen, ihre Lieblingsgerichte aus Videospielen nachzukochen – vom French Toast der Sims bis zum stärkenden „roten Trank" aus The Legend of Zelda.

Diese Versuche sind einerseits einfallsreiche Ausdrucksformen der Fankultur, andererseits eine Reaktion auf das eigentümliche Spannungsverhältnis im Herzen von Kochspielen. Im wirklichen Leben ist die Belohnung für das Kochen das Essen selbst. In Overcooked hingegen besteht die Belohnung dafür, eine Hühnchen-Pizza rechtzeitig durchzureichen, darin, die nächste Pizza zu backen. Arbeit, die normalerweise etwas hervorbringt, produziert nichts – und der Spieler genießt es trotzdem.

Genau darin liegt das subversive Versprechen dieser Spiele: Sie spielen mit dem Vergnügen an der Arbeit um der Arbeit willen. Die stämmigen kleinen Köche in Overcooked verfolgen dabei eine Art Philosophie des Handwerks. Während sie hacken, braten und mit rohen Zutaten um sich werfen, stoßen sie den Spieler sanft zu der Erkenntnis an, dass die Mühe, etwas herzustellen, ebenso viel Freude bereiten kann wie das Endergebnis.

Es hat etwas Bestätigendes, dass diese Spiele überhaupt existieren – in der Art, wie sie etwas so Alltägliches wie das Schneiden von Gemüse als würdiges Unterhaltungsthema betrachten. Sie erinnern daran, dass der Akt des Kochens selbst eine eigene Befriedigung birgt: im glatten Schneiden einer Zucchini, im perfekten Wenden einer Frittata, im Zusehen, wie Öl in einem Salatdressing emulgiert. Küchenarbeit, so die stille Botschaft dieser Spiele, kann eine Art Spiel sein – und im echten Leben macht sie noch viel mehr Spaß.

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