Kolumbiens Zentralbank dürfte Leitzins im Juni anheben
Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Analysten erwartet eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte auf 11,75 Prozent.

Die kolumbianische Zentralbank wird voraussichtlich am 30. Juni die Leitzinsen anheben, um die anhaltend hohe Inflation zu bekämpfen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage hervor. Mit diesem Schritt würde die Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus wieder aufnehmen, nachdem sie bei der vorangegangenen Sitzung eine Pause eingelegt hatte.
Die Meinungen der befragten Experten über das genaue Ausmaß der Erhöhung gehen jedoch auseinander. Von 27 befragten Analysten prognostizieren 13 eine Anhebung um 50 Basispunkte auf 11,75 Prozent. Sechs Experten rechnen mit einem stärkeren Schritt um 75 Basispunkte auf 12,00 Prozent, während vier Analysten sogar eine Erhöhung um 100 Basispunkte auf 12,25 Prozent erwarten.
Am unteren Ende des Spektrums steht ein einzelner Analyst, der lediglich eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 11,50 Prozent vorhersagt. Drei Experten gehen davon aus, dass der Zinssatz unverändert bei 11,25 Prozent bleiben wird.
Politischer Druck und Zinspause im April
Die sieben Mitglieder des Direktoriums der kolumbianischen Zentralbank hatten den Leitzins bei ihrer vorangegangenen Sitzung im April stabil bei 11,25 Prozent belassen. Marktbeobachter werteten diese Entscheidung als Versuch, eine Eskalation des Konflikts zwischen der Notenbank und dem damaligen Präsidenten Gustavo Petro zu vermeiden. Petro hatte die Zinserhöhungen im Vorfeld der Wahlen öffentlich kritisiert.
Inzwischen hat sich die politische Lage in Kolumbien verändert: Der rechtsgerichtete Kandidat Abelardo De La Espriella gewann die Präsidentschaftswahl mit 49,66 Prozent der Stimmen. Er setzte sich damit knapp gegen den linksgerichteten Kandidaten Ivan Cepeda durch, der 48,70 Prozent der Stimmen erhielt.
Inflation deutlich über dem Zielwert
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Zur AktienanalyseDer wichtigste Treiber für die erwartete Zinserhöhung bleibt die Inflation. Ende Mai lag die Jahresinflationsrate in Kolumbien bei 5,84 Prozent und damit deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 3,00 Prozent. Diese Abweichung vom Inflationsziel erhöht den Druck auf die Notenbank, geldpolitisch gegenzusteuern.
Die Umfrage prognostiziert darüber hinaus höhere Zinssätze nicht nur für das laufende Jahr, sondern auch für das kommende Jahr. Für deutsche Anleger und Beobachter der Schwellenländer ist die Situation in Kolumbien ein weiteres Beispiel dafür, wie Notenbanken weltweit mit dem Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung, wirtschaftlichem Wachstum und politischem Druck umgehen müssen. Die endgültige Entscheidung der kolumbianischen Zentralbank fällt am 30. Juni.


