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Komplikationen bei Thyssen-Krupps Stahlsparten-Verkauf

Unstimmigkeiten und Skepsis prägen Kretinskys Einstiegsverhandlungen

Komplikationen bei Thyssen-Krupps Stahlsparten-Verkauf

Inmitten einer weltweiten Stahlmarkt-Schwäche erschüttert eine interne Auseinandersetzung den Industriegiganten Thyssen-Krupp. Der vornehmlich diskutierte Verkauf seiner Stahlsparte an den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky ist in eine kritische Phase geraten. Eingangs war die Absicht des Vorstandsvorsitzenden Miguel Ángel López, das Stahlgeschäft bis Ende Oktober zu verkaufen, klar umrissen, doch nun wirft der Disput um die Unternehmensbewertung und die eingesetzten Prognosezahlen einen Schatten auf den avisierten Deal.

Interne Quellen berichteten, dass das Management von Thyssen-Krupp Steel, um dringend erforderliche Investitionen von der Muttergesellschaft zu erhalten, sehr hohe Ergebnisziele in seinen Prognosen festgelegt habe. Obwohl diese von Beginn an als mutig galten, wurden sie im Unternehmen weithin akzeptiert. Allerdings, so wird es kolportiert, haben Verantwortliche der Sparte bereits in einer Aufsichtsratssitzung im September darauf hingewiesen, dass die gesteckten Ziele nur bei einem robusten Wirtschaftswachstum erreichbar wären.

Auch seitens der Arbeitnehmervertretung gingen kritische Stimmen laut: Die IG Metall warf dem Vorstand „intransparentes Verhalten“ vor und kritisierte, dass die Mitarbeiterseite bisher nur „unzureichend informiert“ worden sei. Hier spiegelt sich eine deutliche Kluft zwischen den Interessen der Management- und Arbeitnehmerebene wider, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass Diskussionen über Kretinskys Einstieg auf Basis möglicherweise veralteter oder zu optimistisch angesetzter Zahlen geführt werden.

Das Stolpern des Deals könnte auch von anderen Faktoren beeinflusst werden. Insbesondere mit Blick auf die seit einiger Zeit unstete Entwicklung des Stahlmarktes und weltweiten Krisen, die eine rasche Erholung unwahrscheinlich erscheinen lassen. Die Basisprognosen, die Kretinsky für die Entwicklung des Stahlgeschäfts präsentiert wurden, könnten sich infolgedessen als unrealistisch herausstellen. Der tschechische Milliardär hat bislang kaum Gegenleistungen für seinen Einstieg angeboten. Ein umstrittener Punkt ist dabei Kretinskys Vorschlag, den Konzern lediglich dabei zu unterstützen, Strom zu günstigeren Konditionen einzukaufen, was nach seinen Berechnungen zu einer Halbierung der Kosten führen könnte. Intern wurde jedoch eingewandt, dass Thyssen-Krupp auch ohne Kretinsky in der Lage wäre, solche Kostenvorteile zu realisieren.

In einer weiteren Wendung der Ereignisse deuten offengelegte Planzahlen darauf hin, dass Kretinsky für seine Bewertungen nicht über alle relevanten Daten verfügte. Nötige Investitionen in Höhe von 600 Millionen Euro sollen bei der Erstellung der Finanzprognosen nicht berücksichtigt worden sein. Die Vorstände der Stahlsparte sollen daher die Planungen überarbeiten, um eine Basis für neue Verhandlungen mit Kretinsky zu schaffen.

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