Kosten für LebensmittelDer Preisschock wirkt immer noch nach
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{ "title": "Lebensmittelpreise: 37% Anstieg seit 2020 – Experten erwarten Stabilisierung", "lead": "Die Supermarkt-Inflation hat deutsche Verbraucher hart getroffen: Lebensmittel sind seit 2020 um 37 Prozent teurer geworden – deutlich mehr als die allgemeine Inflation von 23 Prozent. Eine Rentnerin aus Hessen dokumentiert den Preisschock seit über 40 Jahren in ihrem Haushaltsbuch. Doch Experten geben nun Entwarnung für 2025.", "content": "
Haushaltsbuch offenbart dramatische Preisentwicklung
\n\nChristiane Gillert aus Echzell führt seit mehr als vier Jahrzehnten akribisch Buch über ihre Einkäufe. Die 68-jährige Rentnerin und ehemalige Steuerfachangestellte hat mittlerweile fast 100.000 Einträge in ihrem handschriftlichen Haushaltsbuch gesammelt – ein einzigartiger Datenschatz zur Preisentwicklung. Ihr Fazit: "Im Vergleich zu vor fünf Jahren sind die Preissprünge enorm. Aber in den vergangenen beiden Jahren ist das ziemlich stabil."\n\nIhr Mustereinkaufskorb mit zehn Alltagsartikeln wie Brot, Butter und Orangensaft verdeutlicht das Ausmaß: Heute zahlt sie 19,25 Euro – kaum mehr als 2024 mit 18,57 Euro. Doch 2019 kostete derselbe Warenkorb nur 12,05 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 60 Prozent in fünf Jahren.\n\n
Lebensmittel deutlich teurer als Gesamtinflation
\n\nDie offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen den Trend: Während die Preise insgesamt seit 2020 um 23 Prozent gestiegen sind, verteuerten sich Lebensmittel um drastische 37 Prozent. Diese sogenannte Supermarkt-Inflation liegt damit deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate.\n\nStephan Rüschen, Handelsexperte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, erklärt den überproportionalen Anstieg mit einem Doppeleffekt: "Die normale Inflation hat natürlich auch den Lebensmittelhandel getroffen. Wir haben aber einen verstärkenden Sondereffekt, weil die Rohstoffpreise für Kakao, Kaffee und vieles andere noch deutlicher gestiegen sind."\n\n
Extreme Preisausschläge bei einzelnen Produkten
\n\nDie Entwicklung einzelner Produkte zeigt dramatische Schwankungen. Kaffee verteuerte sich von 6,04 Euro auf 7,99 Euro pro Pfund – ein Plus von 32 Prozent seit 2024. Gleichzeitig sanken die Preise für Milch um elf Prozent und für Butter sogar um 45 Prozent im gleichen Zeitraum.\n\nDoch diese Preissenkungen bei einzelnen Artikeln nehmen viele Verbraucher nicht wahr. Eine repräsentative Umfrage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen zeigt: 58 Prozent der Deutschen machen sich große Sorgen wegen steigender Lebenshaltungskosten. Nur 42 Prozent sehen die Entwicklung entspannt.\n\n
Lebensmittelpreise dominieren Sorgen-Ranking
\n\nBei der Frage nach konkreten Kostensteigerungen nennen 68 Prozent der Befragten Lebensmittel – der höchste Wert in allen Kategorien. Energie folgt mit nur 16 Prozent, Gesundheitskosten mit elf Prozent liegen noch weiter hinten im Sorgen-Ranking.\n\nCarsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING, hält diese Wahrnehmung für plausibel: "Bei der gefühlten Inflationsrate spielt die Vergangenheit und die Entwicklung der letzten Jahre eine viel größere Rolle als die aktuell gemessene Inflationsrate." Die Aufmerksamkeit für Lebensmittelpreise sei wegen der Bedeutung im Alltag deutlich höher als bei anderen Ausgaben.\n\n
Marktkonzentration im deutschen Lebensmittelhandel
\n\nDie Preisdebatte wird durch die zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel befeuert. In den vergangenen zehn Jahren verschwanden zahlreiche bekannte Marken: Real mit 200 Filialen (2021), Kaisers/Tengelmann mit 400 Standorten (2016) und Coop mit 200 Filialen (2016). Bereits zwischen 2005 und 2008 wurden bei extra, Plus, Walmart und Spar knapp 5.000 Filialen geschlossen.\n\nHeute dominieren vier Konzerne den Markt: Die Edeka-Gruppe führt mit 32,1 Prozent Marktanteil, gefolgt von der Rewe-Gruppe (21,2 Prozent), der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland (20,9 Prozent) sowie Aldi Nord und Süd (13 Prozent). Zusammen vereinen die vier Player 87,2 Prozent des Umsatzes auf sich – 1995 waren es nur 55 Prozent.\n\n
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Zur AktienanalyseExperte: Funktionierender Wettbewerb trotz Konzentration
\n\nHandelsexperte Rüschen sieht in der Marktkonzentration noch kein grundsätzliches Problem: "Ich halte die Diskussion über die Marktmacht für verkürzt und eigentlich schon populistisch." Der Preiskampf der vergangenen Monate zeige einen funktionierenden Wettbewerb.\n\nAllerdings plädiert er für den Erhalt kleinerer Handelsunternehmen wie Bünting in Ostfriesland, Tegut in Hessen und Globus bundesweit. "Das kann und soll man in Zukunft mit Regulierung schützen", so Rüschen mit Blick auf den regionalen Wettbewerb.\n\n
Ausblick 2025: Inflation pendelt sich bei zwei Prozent ein
\n\nFür das laufende Jahr geben beide Experten Entwarnung. Der Preisschock der Vergangenheit werde sich nicht wiederholen, prognostiziert Brzeski. Die Inflationsrate werde sich um den EZB-Zielwert von zwei Prozent einpendeln. "Da müssen wir uns inzwischen keine Sorgen mehr machen", sagt der ING-Chefvolkswirt zu den Aussichten für 2025 und darüber hinaus.\n\nAuch Handelsexperte Rüschen erwartet wieder stabile Preise, ähnlich wie bei den Lebensmitteln in den vergangenen beiden Jahren. Für Verbraucher wie Christiane Gillert bedeutet das: Nach Jahren dramatischer Preissteigerungen kehrt Normalität ein – die sie wie gewohnt centgenau in ihrem Haushaltsbuch dokumentieren wird.", "summary": "Lebensmittelpreise sind seit 2020 um 37 Prozent gestiegen – deutlich mehr als die Gesamtinflation


