KPMG Australien dementiert Entscheidung über 1.000 Stellenstreichungen
Nach Medienberichten über massiven Stellenabbau infolge eines Prüfungsskandals betont KPMG Australien: Noch keine konkreten Entscheidungen gefallen.

KPMG Australien hat am Donnerstag klargestellt, dass noch keine Entscheidung über mögliche Stellenstreichungen getroffen wurde. Zuvor hatte die Australian Financial Review (AFR) berichtet, das Unternehmen plane, rund 1.000 Stellen – entsprechend etwa 10 Prozent der gesamten Belegschaft – abzubauen. Hintergrund ist ein schwerwiegender Skandal um Fehlverhalten bei Wirtschaftsprüfungen.
„Wir überprüfen unser Betriebsmodell, unsere Kostenbasis und unseren Personalbedarf. Es ist wichtig festzuhalten, dass noch keine Entscheidungen über spezifische Maßnahmen oder potenzielle Auswirkungen auf Stellen getroffen wurden", erklärte ein Unternehmenssprecher. KPMG evaluiere weiterhin „eine Reihe von Optionen, um sicherzustellen, dass die Gesellschaft für die kommenden Herausforderungen gut aufgestellt bleibt."
Laut AFR-Bericht wurden Details zu den möglichen Stellenstreichungen bereits in dieser Woche ausgewählten Partnern mitgeteilt. Die Führungsebene habe die Partner dabei aufgefordert, das neue lokale Managementteam zu unterstützen – oder das Unternehmen zu verlassen. Eine namentlich genannte Quelle wurde in dem Bericht nicht angeführt.
Der Skandal: Vertrauliche Kundendaten als Wettbewerbsvorteil
Der Ursprung der Krise liegt in Vorwürfen, die im März durch Whistleblower laut wurden. Demnach sollen vertrauliche Kundendaten genutzt worden sein, um lukrative Prüfungsaufträge zu gewinnen. Konkret geht es um die Weitergabe von Daten der Unternehmen Lendlease und Optus unter Mitarbeitern, die sich um Prüfungsmandate bei der australischen Großbank Westpac, dem Immobilienunternehmen Dexus sowie dem Telekommunikationskonzern Telstra bewarben.
Seitdem sieht sich KPMG Australien einer intensiven Prüfung durch die australische Regierung sowie durch wichtige Großkunden ausgesetzt. Der Skandal hat bereits zu mehreren Abgängen auf Führungsebene geführt – darunter der Chairman, der CEO und der Leiter der Wirtschaftsprüfung. Vergangene Woche beförderte das Unternehmen John Sams, einen Partner aus dem Bereich kommerzielle Beratung und Transaktionen, zum neuen CEO.
Mehrere Untersuchungen und Auftragssperre
Die Konsequenzen für KPMG Australien sind weitreichend. Das Unternehmen sieht sich gleich mehreren parallelen Untersuchungen gegenüber: durch die australische Regierung, die Wertpapieraufsichtsbehörde Australian Securities and Investments Commission (ASIC), das Tax Practitioners Board sowie den Berufsverband Chartered Accountants ANZ. Darüber hinaus ist es KPMG bis September untersagt, sich um neue Aufträge der australischen Bundesregierung zu bewerben.
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Zur AktienanalyseUm die Lage zu stabilisieren, reisten der globale Chairman und CEO von KPMG, Bill Thomas, sowie Chief Operating Officer Gary Wingrove diese Woche nach Australien, um Partner und Kunden persönlich zu treffen. Die Visite unterstreicht, wie ernst die globale KPMG-Führung die Krise in der australischen Niederlassung nimmt.
Für deutsche Anleger und Beobachter des Wirtschaftsprüfungsmarktes ist der Fall ein weiteres Beispiel dafür, wie Compliance-Verstöße und der Missbrauch vertraulicher Daten eine der weltweit größten Prüfungsgesellschaften in eine existenzielle Krise stürzen können. Die „Big Four" – KPMG, Deloitte, PwC und EY – stehen international zunehmend unter regulatorischem Druck.


