Krankenkassen erhöhen Beiträge mitten im Jahr
Finanznot, schwindende Reserven und fehlende Reformen treiben die Beitragssätze nach oben

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland befinden sich in einer angespannten finanziellen Lage, trotz hoher Einnahmen. Bereits zum Jahreswechsel 2025 hatten sie ihre Beitragssätze deutlich erhöht, doch nun steigen die Beiträge sogar mitten im Jahr weiter. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, äußerte sich besorgt über die Situation. Im Durchschnitt verlangen die Krankenkassen seit Jahresbeginn 17,52 Prozent des Einkommens, nachdem der Satz 2024 noch bei 16,3 Prozent gelegen hatte. Trotz niedriger Arbeitslosigkeit und guter Einnahmen reichen die Mittel nicht aus, um die Ausgaben zu decken.
Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen sind inzwischen so gering, dass sie nur noch etwa sieben Prozent einer Monatsausgabe betragen. Pfeiffer kritisierte, dass die neue Bundesregierung lediglich die Einsetzung einer Kommission zur Reform der Krankenversicherung plane, deren Ergebnisse erst 2027 vorliegen sollen. Aus Sicht der GKV sei das Warten bis dahin nicht vertretbar, da die Zusatzbeiträge weiter steigen könnten. Die Forderung lautet, künftig keine Preis- oder Honorarerhöhungen mehr zuzulassen, die über die laufenden Einnahmen hinausgehen.
Ein Beispiel für die aktuelle Entwicklung ist die BKK Firmus, die ihren Beitrag zum zweiten Mal im laufenden Jahr anhebt. Nachdem sie den Satz zum Jahresbeginn auf 16,44 Prozent erhöht hatte, folgt nun ein weiterer Anstieg auf 16,78 Prozent. Damit liegt sie auf einem ähnlichen Niveau wie die Ersatzkasse HKK. Der Konkurrenzkampf unter den Kassen ist hart, und Beitragserhöhungen werden oft nur in begrenztem Umfang kommuniziert, da Versicherte bei solchen Anlässen ein Sonderkündigungsrecht haben.
Auch die AOK Bremen/Bremerhaven kritisiert die Vorgehensweise der BKK Firmus und spricht von Täuschung der Beitragszahler. Insgesamt haben viele Kassen die Beiträge zum Jahresanfang und im weiteren Verlauf des Jahres erhöht. Die AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann betonte, dass eine derartige Entwicklung in der Geschichte der gesetzlichen Krankenversicherung bisher einmalig sei.
Zu den teuersten Kassen zählt inzwischen die Knappschaft mit einem Beitragssatz von 19 Prozent. Damit haben einige Krankenkassenbeiträge das Niveau der Rentenbeiträge erreicht oder sogar überschritten. Die Sozialbeiträge insgesamt belaufen sich nun auf bis zu 43,32 Prozent des Bruttolohns, was die Arbeit in Deutschland weiter verteuert.
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Zur AktienanalyseDie Krankenkassen fordern zur Entlastung unter anderem höhere staatliche Beiträge für Bürgergeldempfänger, eine vollständige Finanzierung der Krankenhausbauten durch die Bundesländer sowie eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Arznei- und Heilmittel. Mit diesen Maßnahmen könnte die gesetzliche Krankenversicherung jährlich um etwa 30 Milliarden Euro entlastet werden.


