Krankmeldungen in Deutschland auf Rekordniveau
Technische Neuerungen und Erkältungswellen als Hauptursachen identifiziert

Die Krankenkasse DAK weist den Vorwurf zurück, Deutschland sei „Weltmeister der Krankmacher“. Laut einer aktuellen Studie basieren die gestiegenen Krankentage primär auf technischen Neuerungen und äußeren Faktoren, nicht auf einer Zunahme von Blaumachen. Für das Jahr 2023 meldeten Arbeitnehmer durchschnittlich 15,1 Fehltage, wobei die Statistik nur Fälle erfasst, die eine Abwesenheit von mehr als drei Tagen betreffen. Der tatsächliche Wert könnte demnach höher liegen. Im internationalen Vergleich gelten diese Zahlen als hoch und haben eine Diskussion über die Ursachen angestoßen.
Ein wesentlicher Faktor für den sprunghaften Anstieg ist die Einführung eines neuen elektronischen Meldeverfahrens, bei dem Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen automatisch an die Krankenkassen übermittelt werden. Bereits zwischen 2021 und 2022 stieg die Anzahl durchschnittlicher Fehltage pro Person um fast 40 Prozent. Seitdem liegt der Wert stabil bei etwa 20 Tagen. Zusätzlich trugen Erkältungswellen und Corona-Infektionen zu einem Drittel der zusätzlichen Krankentage bei. Hinweise auf einen systematischen Missbrauch der telefonischen Krankschreibung, die während der Pandemie vermehrt genutzt wurde, sieht die Studie nicht.
Auch der Ärztepräsident Klaus Reinhardt unterstreicht, dass die Einführung der elektronischen Krankschreibung maßgeblich für den Anstieg verantwortlich sei. Vor ihrer Einführung wurde häufig nur der Arbeitgeber informiert, nicht aber die Krankenkasse. Die Behauptung, dass viele Arbeitnehmer Krankmeldungen vortäuschen, wird sowohl von der DAK als auch vom Ärztepräsidenten zurückgewiesen.
Die Diskussion um den Krankenstand wird auch von politischen und wirtschaftlichen Akteuren geprägt. Oliver Bäte, Vorstandschef des Allianz-Konzerns, regte an, den sogenannten Karenztag wieder einzuführen, bei dem Arbeitnehmer die Kosten des ersten Krankheitstags selbst tragen. Diese Forderung stieß jedoch auf scharfe Kritik von Gewerkschaften wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der IG Metall. Sie argumentieren, dass Karenztage soziale Sicherheit gefährden und das Risiko verschleppter Krankheiten erhöhen könnten.
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Zur AktienanalyseDie FDP-Bundestagsfraktion schlägt in einem Positionspapier eine alternative Herangehensweise vor. Arbeitgeber könnten steuerfreie Boni für nicht krankgemeldete Monate zahlen. Dadurch soll ein positiver Anreiz geschaffen werden, um Fehltage zu minimieren. Kritiker warnen jedoch, dass solche Maßnahmen dazu führen könnten, dass Arbeitnehmer trotz gesundheitlicher Probleme zur Arbeit erscheinen, was langfristig kontraproduktiv sein könnte. Die Debatte über den Umgang mit Krankmeldungen bleibt kontrovers.


