Kreditkartenausfälle in den USA: Warum Großbanken kaum betroffen sind
US-Kreditkartenausfälle erreichen 15-Jahres-Hoch – doch JPMorgan, Bank of America und Wells Fargo berichten von stabilen Zahlen.

US-Amerikaner geraten bei ihren Kreditkartenzahlungen so stark in Verzug wie seit 15 Jahren nicht mehr. Laut Daten der Federal Reserve Bank of New York waren im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 13% der Kreditkartensalden seit 90 Tagen oder länger überfällig. Das ist ein alarmierender Wert, der auf eine wachsende finanzielle Belastung breiter Bevölkerungsschichten hindeutet.
Dennoch spiegelte sich diese Entwicklung kaum in den Quartalszahlen der amerikanischen Großbanken wider. JPMorgan Chase, Bank of America und Wells Fargo berichteten übereinstimmend, dass ihre Zahlungsverzüge von über 90 Tagen im zweiten Quartal im niedrigen einstelligen Bereich lagen – und im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken sind. Bei der Vorlage ihrer starken Quartalsergebnisse verwiesen die Institute auf die nach wie vor widerstandsfähige finanzielle Lage ihrer Kunden.
Bonitätsstrategie als Schlüssel
Der entscheidende Grund für diese Diskrepanz liegt in der gezielten Ausrichtung der Großbanken auf Kunden mit hoher Kreditwürdigkeit. Die Banken haben ihr Geschäft in den vergangenen Jahren verstärkt auf sogenannte „Prime"- und „Super-Prime"-Kunden konzentriert – also Verbraucher mit erstklassiger und exzellenter Bonität. Diese Strategie schützt die Institute vor den Auswirkungen steigender Ausfallraten im Niedrigbonitätssegment.
Konkrete Zahlen lieferte die Citigroup: Etwa 86% der Kreditkartensalden des Unternehmens entfallen auf Verbraucher mit einem FICO-Score von 660 oder höher. Das gab Gonzalo Luchetti, der Finanzvorstand der Citigroup, in einer Analystenkonferenz bekannt. Der FICO-Score ist das in den USA am weitesten verbreitete Kreditbewertungssystem – ein Wert von 660 gilt dabei als Schwelle zur guten Bonität.
Die Großbanken haben ihre Kreditvergabestandards in den letzten Jahren zudem systematisch verschärft. Das bestätigte Mike Taiano, Senior Analyst in der Gruppe für Finanzinstitute bei der Ratingagentur Moody's. Diese restriktivere Vergabepolitik hat dazu beigetragen, das Risikoprofil der Kreditkartenportfolios der großen Institute deutlich zu verbessern.
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Zur AktienanalyseEin anderes Bild zeigt sich hingegen bei Kreditkartenanbietern, die sich stärker auf Verbraucher mit geringerer Bonität spezialisiert haben. Diese Institute meldeten in den vergangenen Quartalen deutlich höhere Ausfallraten – ein Zeichen dafür, dass die Belastungen im Markt durchaus real sind, jedoch ungleich verteilt.
Für deutsche Anleger und Beobachter des US-Finanzmarkts verdeutlicht diese Entwicklung ein wichtiges Prinzip: Aggregierte Marktdaten und die Ergebnisse einzelner, gut positionierter Großinstitute können erheblich voneinander abweichen. Die starken Quartalszahlen der amerikanischen Bankenriesen sind damit kein Widerspruch zur angespannten Lage vieler US-Verbraucher – sie sind das Ergebnis einer bewussten Risikoselektion.


