Kretinsky plant größere Beteiligung an Thyssen-Krupp-Stahl
Zusätzliche Kosten durch Umstellung auf CO2-freie Produktion könnten die Verhandlungen erschweren

Der Umbau der Stahlsparte von Thyssen-Krupp wird voraussichtlich teurer als ursprünglich geplant. Insiderquellen zufolge könnte der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky, der bereits 20 Prozent der Stahlsparte besitzt, seinen Anteil um weitere 30 Prozent erhöhen. Die Gespräche zwischen Kretinsky und dem Mutterkonzern Thyssen-Krupp zielen darauf ab, dass Kretinsky letztlich 50 Prozent des Unternehmens hält. Der Zeitpunkt für diese Übernahme könnte bereits im November dieses Jahres sein. Die bisherigen Verträge sehen vor, dass sich Kretinsky nicht an den Kosten der Restrukturierung der Stahlsparte beteiligen muss.
Allerdings könnte es zu einer Veränderung dieser Vereinbarungen kommen. Thyssen-Krupp plant, seine Stahlwerke auf CO2-freie Produktion umzustellen, was erhebliche Kosten verursacht. Sollte der Mutterkonzern zusätzliches Kapital von seinen Eigentümern für diesen „grünen Umbau“ benötigen, wäre Kretinsky eventuell gezwungen, sich an den Kosten zu beteiligen. Es wird spekuliert, dass die ursprüngliche Investitionssumme für die Dekarbonisierung der Stahlproduktion zu niedrig angesetzt wurde und nun ein dreistelliger Millionenbetrag erforderlich ist. Aktuell baut Thyssen-Krupp Steel eine Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg, die ab 2029 mit grünem Wasserstoff betrieben werden soll. Die Umstellung auf klimafreundliche Stahlproduktion wird von der Bundesregierung und dem Land Nordrhein-Westfalen mit rund zwei Milliarden Euro gefördert.
Kretinsky befindet sich in einer vorteilhaften Verhandlungsposition. Die bestehenden Verträge erlauben es ihm, sich jederzeit ohne finanzielle Verluste aus dem Geschäft zurückzuziehen. Im Falle einer Rückgabe seiner Anteile würde ihm eine Verzinsung von 4,5 Prozent gewährt werden. Diese vertragliche Regelung verschafft Kretinsky eine komfortable Position, während Thyssen-Krupp-Chef Miguel López anscheinend bewusst auf andere Bieter verzichtet hat, um exklusiv mit Kretinsky zu verhandeln. Der Vorstand von Thyssen-Krupp steht laut Unternehmensangaben weiterhin hinter der langfristigen Umstellung auf eine CO2-freie Stahlproduktion, trotz der damit verbundenen Kostensteigerungen.
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Zur AktienanalyseZusätzlich zu den Problemen in der Stahlsparte gab es Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Anlagenbausparte Thyssen-Krupp Polysius. Hier wurde von Fehlbuchungen in Höhe von 82 Millionen Euro berichtet, die auf Altprojekte, insbesondere den Bau eines Zementwerks, zurückzuführen seien. Der Vorstand plant, diese Unregelmäßigkeiten aufzuklären und die Ergebnisse dem Aufsichtsrat zu präsentieren.

