Krieg und Blockade: Irans Wirtschaft steht vor dem Kollaps
Ölexporte eingebrochen, Währung auf Rekordtief, Inflation bei 53%: Der Krieg im Nahen Osten trifft den Iran mit voller Wucht.

Der Krieg im Nahen Osten geht in seinen dritten Monat – und Irans Wirtschaft zeigt immer deutlichere Zeichen eines schweren Zusammenbruchs. Die US-Seeblockade schneidet das Land von lebenswichtigen Einnahmen und Importen ab. Vier wirtschaftliche Kennzahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise.
Jason Tuvey, stellvertretender Chefökonom für Schwellenländer bei Capital Economics, bringt es auf den Punkt: „Die US-Blockade hat die finanzielle Lebensader des Irans gekappt, und die Spannungen in der Zahlungsbilanz nehmen zu." Er warnt zudem, dass die iranischen Devisenreserven schätzungsweise nur ausreichen, um etwa drei Monate der Vorkriegsimporte zu decken. „Sofern das Regime keine Zugeständnisse von den USA zur Aufhebung der Blockade anstrebt, wird die Wirtschaft in einem extrem depressiven Zustand verharren müssen", so Tuvey weiter.
Ölexporte brechen dramatisch ein
Das Rückgrat der iranischen Wirtschaft ist das Öl – und genau dieses Standbein bricht gerade weg. Im März exportierte der Iran durchschnittlich 1,1 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Das entspricht einem Rückgang von 45 Prozent gegenüber dem Februar, wie Tracking-Daten der American Coalition Against Nuclear Iran zeigen. Neben der Blockade hat auch die Zerstörung wichtiger Energieanlagen im Nahen Osten sowie die Schließung der Straße von Hormus das Exportgeschäft schwer beschädigt.
Tuvey warnt vor den Folgen: „Der Iran wird Schwierigkeiten haben, die Nicht-Öl-Exporte zu steigern, um den Einbruch der Öleinnahmen auszugleichen, zumal Fabriken wahrscheinlich beschädigt wurden und Transitwege unzugänglich sein könnten." Robin Brooks, ehemaliger Chefökonom des Institute of International Finance, formulierte es noch drastischer: „Wenn die iranischen Ölexporte zusammenbrechen, wird kein Bargeld mehr für Importe zur Verfügung stehen, sodass die wirtschaftliche Aktivität implodiert, die Währung in eine Abwertungsspirale gerät und eine Hyperinflation folgt."
Abhängigkeit von China wächst rasant
Der Einbruch der Ölexporte hat eine bemerkenswerte Verschiebung in der Abnehmerstruktur ausgelöst. Auf China entfallen mittlerweile 99 Prozent aller erfassten iranischen Ölverkäufe – ein deutlicher Anstieg gegenüber einem Anteil von 87 Prozent Ende des vergangenen Jahres. Teheran ist damit in einer gefährlichen Abhängigkeit von Peking gefangen, die dem Iran kaum Verhandlungsspielraum lässt.
Iranischer Rial auf historischem Tiefstand
Parallel zum Exporteinbruch kollabiert die iranische Währung. Ein US-Dollar war zuletzt rund 1,8 Millionen Rial wert – der niedrigste Wert aller Zeiten. Brooks sieht darin ein klares Zeichen für Kapitalflucht: Iranische Bürger schichten ihr Vermögen in andere Währungen und Sachwerte um. „Am besten lässt sich diese Kapitalflucht am parallelen Wechselkurs ablesen, bei dem der Rial in den letzten Jahren gegenüber dem US-Dollar stark an Wert verloren hat. Dies wird sich nun beschleunigen, da immer mehr Haushalte den Ausstieg suchen", schrieb Brooks.
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Die Geldentwertung im Iran hat sich seit Kriegsbeginn massiv beschleunigt. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate überstieg im März bereits 53 Prozent, wie Daten des staatlichen iranischen Statistikzentrums belegen. Die Blockade hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt, da sie den Iran von Importen abschneidet und zu Warenknappheit führt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeichnet in seiner jüngsten Prognose ein noch düstereres Bild: Bis Ende des Jahres könnte die durchschnittliche jährliche Inflation im Iran auf fast 69 Prozent steigen. Der IWF verweist dabei ausdrücklich auf die Auswirkungen des Krieges und die anhaltende Schließung der Straße von Hormus. Tuvey fasst die Lage zusammen: „Der Iran benötigt Devisen, damit sich die Importe erholen können – andernfalls muss die Binnennachfrage auf einem extrem niedrigen Niveau bleiben, und Warenknappheit wird die Inflation noch weiter anheizen."


