Kriminelle Mitarbeiter verursachen hohe Schäden in Firmen
Vertrauensvorschuss und interne Kenntnisse ermöglichen gravierende Betrugsfälle in deutschen Unternehmen

In deutschen Unternehmen geht etwa jeder zweite Fall von Betrug und Veruntreuung auf das Konto krimineller Mitarbeiter aus dem eigenen Betrieb. Diese internen Täter verursachen zudem deutlich höhere Schäden als externe Kriminelle, wie aktuelle Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen. Im Durchschnitt bringen diese Mitarbeiter ihre Arbeitgeber um rund 125.000 Euro, bevor sie auffliegen. Im Vergleich dazu liegt der Schaden, den externe Täter anrichten, im Schnitt bei etwa 80.000 Euro. Diese Daten basieren auf der Auswertung von rund 4400 Schadensfällen aus der sogenannten Vertrauensschadenversicherung in den Jahren 2022/23, die zu versicherten Schäden von insgesamt etwa 450 Millionen Euro führten.
Laut Anja Käfer-Rohrbach, der stellvertretenden GDV-Hauptgeschäftsführerin, genießen Mitarbeiter eines Unternehmens häufig einen Vertrauensvorschuss, der ihnen den Zugang zu sensiblen Informationen und Sicherheitslücken erleichtert. Dadurch bleiben sie in der Regel länger unentdeckt und können erheblich höhere Summen entwenden. Dieser Vertrauensvorschuss macht es für interne Täter leichter, gravierende finanzielle Schäden anzurichten.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass bei der anderen Hälfte der Schadensfälle Unternehmen Opfer von externen Tätern werden, die zunehmend raffinierter vorgehen. Externe Kriminelle nutzen immer geschickter die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz, um falsche Identitäten vorzutäuschen und Unternehmen zu betrügen. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte „Fake-President-Masche“, bei der sich Kriminelle als Führungskräfte von Unternehmen ausgeben. Diese Masche wird laut Rüdiger Kirsch, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Vertrauensschadenversicherung im GDV, zunehmend durch gefälschte Ton- und Videoaufnahmen unterstützt. In einigen Fällen treten Kriminelle sogar in Videokonferenzen als Vorstände oder Geschäftsführer auf, was es für die Mitarbeitenden erschwert, den Betrug zu erkennen. Dadurch werden immer wieder hohe Summen auf fremde Konten überwiesen, ohne dass der Betrug rechtzeitig aufgedeckt wird.
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Zur AktienanalyseUm das Risiko, Opfer solcher kriminellen Aktivitäten zu werden, zu senken, empfehlen Versicherer, dass Unternehmen eine offene und transparente Kommunikation pflegen sollten. Gleichzeitig sei es wichtig, wirksame Kontrollsysteme zu etablieren und besonders sensible Bereiche doppelt abzusichern. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören das Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen, die Einführung eines Verhaltenskodex, regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden, der Aufbau von Hinweisgebersystemen und die Benennung einer zuständigen Person für Rechtsfragen, auch bekannt als Compliance-Beauftragter. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Sicherheit in den Unternehmen zu erhöhen und das Risiko von Betrug und Veruntreuung zu minimieren.


