Lagarde: Inflationsschock erfordert maßvolle EZB-Reaktion ohne Panik
EZB-Chefin Lagarde sieht keine entankerten Inflationserwartungen – plädiert vor EU-Parlament für besonnene Geldpolitik.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat sich vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments klar positioniert: Der aktuelle Inflationsschock in der Eurozone erfordere zwar geldpolitische Maßnahmen, rechtfertige aber noch keine aggressive Zinspolitik. Die Inflation war zuletzt über die Marke von 3 Prozent gestiegen – ein Niveau, das die EZB bereits zu einer Zinsanhebung Anfang April veranlasst hatte.
Lagarde beschrieb die aktuelle Lage als „nicht allzu anhaltendes Überschießen", das eine „gewisse maßvolle geldpolitische Anpassung" erfordere. Damit signalisierte sie, dass die Notenbank handlungsbereit ist, jedoch keine überstürzten Schritte plant. Anleger und Märkte beobachten die Entwicklung genau, da weitere Zinsschritte die Finanzierungskosten in der gesamten Eurozone beeinflussen würden.
Keine Zweitrundeneffekte – noch nicht
Besonders beruhigend für die Märkte dürfte Lagardes Einschätzung zu den sogenannten Zweitrundeneffekten sein. Damit sind Lohn-Preis-Spiralen gemeint, bei denen steigende Preise zu höheren Lohnforderungen führen, die wiederum die Inflation weiter anheizen. „Wir sehen jedoch noch keine Anzeichen für eine Entankerung der Inflationserwartungen oder Zweitrundeneffekte, die zum jetzigen Zeitpunkt eine energischere geldpolitische Reaktion rechtfertigen würden", sagte Lagarde ausdrücklich.
Gleichzeitig mahnte die EZB-Präsidentin zur Wachsamkeit. Die Lohnbildung könnte angesichts der jüngsten Erfahrungen mit hoher Inflation empfindlicher auf neue Schocks reagieren, warnte sie. Die EZB dürfe daher nicht nachlässig werden – ein klares Signal, dass die Notenbank die Entwicklung der Lohnabschlüsse in der Eurozone sehr genau im Blick behält.
Lagarde zog auch einen direkten Vergleich zur Inflationsepisode der Jahre 2021 und 2022, als die EZB die Zinsen in historisch beispiellosem Tempo anhob. Der aktuelle Schock scheine geringer zu sein als damals, betonte sie. Zudem sei der wirtschaftliche Kontext ein anderer: Ein stärkerer Arbeitsmarkt, höhere Einkommen und die nachlassenden Lieferkettenprobleme nach der Pandemie unterschieden die heutige Situation von der damaligen Krisenlage.
Wirtschaftsausblick bleibt trüb
Trotz der vergleichsweise moderaten Inflationsdynamik zeichnete Lagarde kein ungetrübtes Bild der Konjunktur. „Der Ausblick bleibt ungewiss, mit Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum", sagte sie. Die Eurozone leide nach wie vor unter den erhöhten Energiekosten, die Haushalte und Unternehmen gleichermaßen belasten.
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Zur AktienanalyseAls zusätzlichen Belastungsfaktor nannte Lagarde den Iran-Krieg, der die wirtschaftliche Aktivität dämpfe. Aktuelle Daten deuteten auf eine Verlangsamung hin, insbesondere im Dienstleistungssektor. Dieser Sektor war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber der europäischen Wirtschaft gewesen.
Auf der positiven Seite verwies Lagarde auf stabile Investitionen – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz – sowie auf solide Bilanzen der privaten Haushalte. Diese Faktoren böten einen gewissen Puffer gegen die wirtschaftlichen Gegenwinds. Für deutsche Anleger und Sparer bedeutet Lagardes Aussage: Die EZB bleibt auf Kurs, ohne jedoch in Aktionismus zu verfallen – ein Balanceakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumssicherung.


