Lagarde verteidigt EZB-Zinserhöhung trotz nachlassender Inflation im Euroraum
EZB-Chefin Christine Lagarde bekräftigt die jüngste Zinserhöhung als richtig – trotz unerwartet starker Abschwächung des Preisdrucks.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Entscheidung der Europäischen Zentralbank verteidigt, die Leitzinsen im vergangenen Monat anzuheben. In einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos erklärte sie am Donnerstag, der Schritt sei trotz der jüngsten Abschwächung der Inflation notwendig gewesen. „Wir sind überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben", sagte Lagarde.
Die EZB-Präsidentin betonte zudem, dass die Notenbank bereits früher handlungsbereit gewesen sei. „Bereits im April war eine große Mehrheit des EZB-Rats bereit, eine Entscheidung zu treffen, aber uns fehlten noch alle notwendigen Informationen", so Lagarde. Die Zentralbank wartete demnach bewusst auf eine vollständigere Datenlage, bevor sie den Zinsschritt vollzog.
EZB als erste G7-Zentralbank nach Iran-Krieg
Die Europäische Zentralbank war die erste Notenbank innerhalb der G7-Staaten, die nach dem Ausbruch des Iran-Krieges die Zinsen anhob. Die EZB begründete diesen Schritt damit, dass sich der wirtschaftliche Schock ausweite und man verhindern müsse, dass die Inflation außer Kontrolle gerate. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen jedoch verändert: Nach dem Abschluss eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran sind die Ölpreise stark gefallen.
Aktuelle Daten für den Euroraum, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, zeigten eine stärkere als erwartete Verlangsamung des Preiswachstums. Dieser Rückgang der Inflation stellt die EZB-Entscheidung auf den ersten Blick in Frage – Lagarde sieht die Lage jedoch differenzierter.
Angebotsschocks und das Risiko von Zweitrundeneffekten
Die EZB-Chefin verwies auf anhaltende Angebotsschocks, die die Wirtschaft des Euroraums weiterhin belasten. „Wir sind mit einem externen Angebotsschock konfrontiert, der auf die übrige Wirtschaft ausstrahlt, und wir sehen nun dessen indirekte Auswirkungen", erklärte Lagarde. Gleichzeitig zeigte sie sich wachsam gegenüber möglichen Zweitrundeneffekten – also dem Risiko, dass steigende Preise zu höheren Lohnforderungen führen, die wiederum die Inflation weiter antreiben.
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Zur AktienanalyseBislang seien solche Zweitrundeneffekte jedoch ausgeblieben. „Wir achten zudem genau auf das Risiko von Zweitrundeneffekten, auch wenn diese bisher nicht eingetreten sind", sagte die EZB-Präsidentin. Für Anleger und Märkte ist diese Aussage bedeutsam: Sie signalisiert, dass die EZB zwar wachsam bleibt, aber keine unmittelbare Eskalation der Lohn-Preis-Spirale sieht.
Die Aussagen Lagardes verdeutlichen das schwierige Umfeld, in dem sich die EZB derzeit bewegt. Einerseits muss die Notenbank auf geopolitische Schocks reagieren, die die Preise treiben können. Andererseits darf sie die Konjunktur nicht unnötig abwürgen, wenn sich die Inflation bereits von selbst abschwächt. Die kommenden Datenpunkte zur Preisentwicklung im Euroraum dürften daher für die weitere Zinspolitik der EZB entscheidend sein.


