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Libanon fordert US-Druck auf Israel trotz Waffenstillstand

74 Tote in drei Tagen: Libanons Präsident appelliert an Washington, israelische Angriffe und Zerstörungen zu stoppen.

Libanon fordert US-Druck auf Israel trotz Waffenstillstand

Trotz eines im April ausgerufenen Waffenstillstands zwischen Israel und der Hisbollah sind im Libanon innerhalb von nur drei Tagen 74 Menschen durch israelische Angriffe getötet worden. Das libanesische Gesundheitsministerium bestätigte die Opferzahlen. Darunter befanden sich mindestens sieben Menschen, die bei einem Angriff auf die südliche Stadt Saksakiyeh ums Leben kamen.

Libanons Präsident Joseph Aoun hat bei einem Treffen mit dem US-Botschafter Michel Issa eindringlich auf eine Kursänderung gedrängt. Laut Präsidialamt betonte Aoun dabei „die Notwendigkeit, Druck auf Israel auszuüben, um das Feuer und die Militäroperationen sowie die Zerstörung und das Niederwalzen von Häusern zu stoppen". Israel begründet seine Operationen im Südlibanon damit, eine selbst erklärte Sicherheitszone gegen Hisbollah-Angriffe zu verteidigen.

Eskalation seit März – Tausende Tote

Seit dem 2. März, als die Hisbollah zur Unterstützung des Irans das Feuer auf Israel eröffnete, sind nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums insgesamt 2.869 Menschen getötet worden. Unter den Opfern befinden sich 584 Sanitäter, Frauen und Minderjährige. Die Bilanz gibt dabei nicht an, wie viele der Toten Kämpfer waren.

Rund 1,2 Millionen Menschen wurden im Libanon aus ihren Häusern vertrieben, viele davon flohen aus dem Süden des Landes. Israel seinerseits berichtet von 17 getöteten Soldaten im Südlibanon sowie zwei zivilen Todesopfern im Norden Israels. Zudem gibt Israel an, dass die Hisbollah seit dem 2. März hunderte Raketen und Drohnen auf israelisches Territorium abgefeuert hat.

US-Präsident Donald Trump hatte am 16. April einen Waffenstillstand ausgerufen, doch die Feindseligkeiten dauern seither an – vor allem im Südlibanon. Israel führte zudem letzte Woche den ersten Angriff auf die von der Hisbollah kontrollierten südlichen Vororte von Beirut seit Ausrufung des Waffenstillstands durch. Nach israelischen Angaben wurde dabei der Kommandeur der Radwan-Eliteeinheit der Hisbollah getötet. Die Hisbollah hat seinen Tod bisher nicht bestätigt.

Dritte Verhandlungsrunde in Washington geplant

Parallel zu den anhaltenden Kämpfen laufen diplomatische Bemühungen. Washington hatte im vergangenen Monat bereits zwei Verhandlungsrunden zwischen den israelischen und libanesischen Botschaftern vermittelt – die ranghöchsten direkten Kontakte zwischen beiden Ländern seit Jahrzehnten. Eine dritte Runde soll am 14. und 15. Mai in Washington stattfinden, wie das US-Außenministerium mitteilte.

Die libanesische Delegation wird vom ehemaligen Botschafter in Washington, Simon Karam, geleitet. Präsident Aoun, der Karam für diese Aufgabe nominiert hatte, erteilte ihm bei einem Treffen am Samstag seine Anweisungen. Beiruts Entscheidung, direkte Kontakte mit Israel aufzunehmen, spiegelt die tiefe innenpolitische Spaltung im Libanon wider: Kritiker werfen der Hisbollah vor, das Land einseitig in einen Krieg hineingezogen zu haben. Die Hisbollah selbst hat die Regierung aufgefordert, die Gespräche abzusagen.

Im Hintergrund steht auch der Iran: Teheran erklärte, im Rahmen eines Vorschlags zur Beendigung des umfassenderen Krieges mit den USA Sicherheitsgarantien für den Libanon sowie eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus gefordert zu haben. US-Präsident Trump lehnte diesen Vorschlag jedoch ab.

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