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Lithium: Batterien verschlingen bereits 88 Prozent des weltweiten Angebots

Elektrofahrzeuge und Energiespeicher dominieren den Lithiummarkt vollständig – traditionelle Industrieanwendungen schrumpfen auf einstellige Prozentwerte.

Lithium: Batterien verschlingen bereits 88 Prozent des weltweiten Angebots

Lithium hat sich faktisch zu einem Rohstoff mit nur einem einzigen Hauptverwendungszweck entwickelt. Laut den aktuellen Daten der US Geological Survey (USGS) Mineral Commodity Summaries 2026 verbrauchen wiederaufladbare Batterien mittlerweile 88 Prozent des weltweiten Lithiumangebots. Die rasante Skalierung der Elektrofahrzeug- und Energiespeicherfertigung hat traditionelle Industriesektoren auf unbedeutende Anteile im einstelligen Prozentbereich zurückgedrängt.

Der weltweite Lithiumverbrauch stieg im Jahr 2025 um 20 Prozent auf rund 263.000 Tonnen. Der überwiegende Teil dieses Volumenwachstums floss direkt in die Zellfertigung. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtet, dass Elektrofahrzeuge und stationäre Speichersysteme mittlerweile rund 90 Prozent des gesamten Marktes für Lithium-Ionen-Batterien ausmachen – ein Sektor, der sich zwischen 2020 und 2025 um mehr als das Sechsfache ausgeweitet hat.

Chinas Dominanz und explodierende Preise

Allein im Jahr 2025 wuchs der weltweite Einsatz von Batterien für Elektrofahrzeuge um fast 30 Prozent auf 1,2 Terawattstunden. China kontrollierte dabei 60 Prozent des weltweiten Einsatzes von Autobatterien. Der globale Absatz von Elektrofahrzeugen expandierte im selben Jahr um 22 Prozent, mit starkem Wachstum in China, Europa und den Schwellenländern.

„In jeder Hinsicht wird Lithium im Grunde nur noch von der Batterienachfrage getrieben", erklärte Adam Webb, Leiter der Abteilung für Batteriematerialien bei Benchmark Mineral Intelligence (BMI), auf einem Branchengipfel im März in Toronto. Diese einseitige Abhängigkeit setzt den Markt jedoch einer extremen Volatilität aus.

Angebotsengpässe und ein rascher Übergang in ein Defizit ließen die Spotpreise für batterietaugliches Lithiumcarbonat um 95 Prozent in die Höhe schnellen – von 13.433 US-Dollar pro Tonne Anfang Dezember auf 26.278 US-Dollar bis Ende Januar. Die vorgelagerten Rohstoffe folgten diesem Trend: Die Preise für Spodumenkonzentrat stiegen zum ersten Mal seit Ende 2023 wieder über 2.000 US-Dollar pro Tonne.

Simbabwes Exportstopp verschärft die Lage

Das kurzfristige Angebot hat sich nach der Aussetzung der Exporte von Rohmineralien und Lithiumkonzentrat durch Simbabwe am 25. Februar weiter verknappt. Diese staatliche Intervention zielt darauf ab, die inländische Verarbeitung zu erzwingen, und wirkt sich direkt auf 15 Prozent der chinesischen Spodumenimporte aus – ein bedeutender Eingriff in die globale Lieferkette.

Trotz der hohen Nachfrage belegten die weltweiten Ausgaben für die Lithiumexploration im Jahr 2025 mit 595 Millionen US-Dollar lediglich den vierten Platz unter den wichtigsten Rohstoffen – weit hinter Gold und Kupfer. Bergbauunternehmen zogen sich zunehmend von riskanten Greenfield-Projekten zurück, was die langfristige Angebotssicherung zusätzlich erschwert.

Traditionelle Anwendungen verlieren an Bedeutung

Die Konzentration auf Batterieanwendungen hat die klassische industrielle Basis für Lithium stark marginalisiert. Die verbleibenden Verwendungszwecke verteilen sich wie folgt:

  • Keramik und Glas: 4 Prozent (Lithiummineralkonzentrate reduzieren die thermische Ausdehnung)
  • Schmierfette: 2 Prozent
  • Luftbehandlung: 1 Prozent
  • Gießpulver für den Strangguss: 1 Prozent
  • Medizinische Anwendungen: 1 Prozent

Obwohl der medizinische Anteil gering ist, bleibt Lithium in der Psychiatrie unverzichtbar. Gesundheitsrichtlinien identifizieren es als die wirksamste Langzeitbehandlung zur Stabilisierung bipolarer Störungen und zur Verringerung der Schwere von Rückfällen. Jüngste Studien bringen das Metall zudem mit einem potenziellen Früherkennungssystem für die Alzheimer-Krankheit in Verbindung.

Ausblick: Verfünffachung der Nachfrage bis 2040

Die IEA prognostiziert, dass sich die weltweite Lithiumnachfrage bis 2040 unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen verfünffachen wird. Für deutsche Anleger und Industrieunternehmen bedeutet dies: Der kommerzielle Ausblick des Rohstoffs bleibt eng an die Wirtschaftlichkeit der Batteriezelle und die Entwicklung der Elektromobilität gebunden. Wer in Lithium investiert, wettet im Wesentlichen auf die weitere Elektrifizierung des Verkehrs- und Energiesektors – mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken.

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