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Logistiker setzen verstärkt auf Digitalisierung

KI und Software sollen Lieferketten stabilisieren und Kosten reduzieren

Logistiker setzen verstärkt auf Digitalisierung

Während der Coronakrise kam es zu erheblichen Störungen in den Lieferketten. Zunächst fehlten wichtige Waren wie Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier, später führten Überproduktionen zu vollen Lagern. Diese Situation verursachte nicht nur bei den Konsumenten Frust, sondern führte auch zu finanziellen Verlusten für die Hersteller, die auf ihrer Überproduktion sitzen blieben. Die deutschen Logistikunternehmen ziehen nun Konsequenzen aus diesen Erfahrungen und setzen verstärkt auf moderne IT-Systeme, um ihre Lieferketten zu optimieren. Eine exklusive Umfrage der Beratungs- und IT-Firma Manhattan ergab, dass 98 Prozent der befragten Logistiker in Deutschland Modernisierungsbedarf in ihrer Lieferketten-IT sehen. Dabei denken 32 Prozent sogar an einen vollständigen Austausch ihrer Systeme.

Insgesamt wurden 2000 Hersteller und Spediteure befragt, davon 200 in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen Verbesserungsbedarf bei der Lagerhaltung durch den Einsatz moderner IT sieht. Im Vergleich dazu ist der Modernisierungsdruck in Großbritannien mit 67 Prozent am höchsten, gefolgt von Schweden, Frankreich und Italien. Länder wie die Niederlande, Belgien und Spanien sind hingegen entspannter, wenn es um den Bedarf an IT-Modernisierungen geht.

Ein Trend, der in der Branche immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz (KI). Laut Pieter van den Broecke, dem Leiter des Europageschäfts von Manhattan Associates, wächst die Nachfrage nach sogenannten Order-Fulfillment-Management-Systemen jährlich um 15 Prozent, und etwa drei Viertel der Logistikunternehmen wünschen sich zusätzlich den Einsatz von KI. Experten schätzen, dass der Markt für solche Softwarepakete im Jahr 2026 ein Volumen von 3,9 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Anbieter wie IBM, SAP, Oracle, Microsoft und Blue Yonder gehören zu den wichtigsten Akteuren auf diesem Gebiet.

Der Einsatz moderner IT-Systeme ermöglicht es Unternehmen, die Kosten zu senken und Prozesse zu optimieren. So kann etwa die digitale Sendungsverfolgung genutzt werden, um die Einhaltung vertraglicher Vereinbarungen durch Spediteure zu überwachen. Bei Nichteinhaltung lassen sich die Rechnungen der Transporteure um bis zu 30 Prozent kürzen. Zudem trägt der Einsatz von KI zur Verbesserung der Absatzplanung bei, indem er Über- und Unterkapazitäten in Lagern verhindert. Besonders in der Solarbranche zeigten sich die Folgen mangelnder IT-Transparenz: Fehlplanungen führten zu Überkapazitäten und letztlich zu Entlassungen und Insolvenzen.

Insgesamt hat die Coronakrise die Notwendigkeit einer fortschrittlichen und digitalen Kontrolle der Lieferketten verdeutlicht. Der Aufbau solcher IT-Systeme ist zwar kostspielig, kann sich jedoch innerhalb weniger Monate amortisieren. Trotz des hohen Preises versprechen Anbieter erhebliche Effizienzgewinne, die sich unter anderem in einer Kostenreduzierung von zehn bis 15 Prozent niederschlagen können. Unternehmen wie Cool Blue in den Niederlanden zeigen bereits, wie professionell digitalisierte Lieferketten funktionieren und somit den Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen E-Commerce-Unternehmen sichern.

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