Luftfahrt-Lieferketten kollabieren: Airlines zahlen 11 Milliarden Dollar Mehrkosten
Verzögerungen bei Airbus und Boeing zwingen Fluggesellschaften, veraltete Maschinen länger zu betreiben.

Die globale Luftfahrtindustrie kämpft mit massiven Lieferkettenproblemen, die zur "neuen Normalität" geworden sind. Fluggesellschaften weltweit müssen ältere, weniger treibstoffeffiziente Flugzeuge deutlich länger im Betrieb halten, da sich Auslieferungen von Airbus und Boeing verzögern. Die Folge: Zusatzkosten von geschätzten 11 Milliarden Dollar allein im Jahr 2025.
Jeffrey Lam, Chief Operating Officer bei ST Engineering, dem weltweit größten Anbieter von Wartungs- und Reparaturdienstleistungen für Flugzeugzellen, warnt: "Wir befürchten, dass diese neue Normalität Bestand haben wird, was völlig inakzeptabel ist." Die Engpässe betreffen nicht nur die Flugzeughersteller selbst, sondern die gesamte Zulieferkette – von Triebwerksherstellern bis zu Wartungsdienstleistern.
Die Billigfluggesellschaft Scoot von Singapore Airlines reagiert mit drastischen Maßnahmen. CEO Leslie Thng erklärte auf der Singapore Airshow: "Wir sichern proaktiv mehr Ersatztriebwerke auf eigene Kosten, um sicherzustellen, dass die Auswirkungen gemindert werden können." Diese Strategie ist teuer, aber notwendig, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.
Rekordnachfrage trifft auf Produktionsengpässe
Der globale Passagierverkehr erreichte 2025 ein historisches Hoch – 9,3 Prozent über dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019. Die International Air Transport Association (IATA) prognostiziert für 2026 ein weiteres Wachstum von 4,9 Prozent. Diese explosive Nachfrage überfordert die Produktionskapazitäten der Hersteller.
Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, betreiben Airlines ihre Flugzeuge durchschnittlich zwei Jahre länger als üblich. Dies treibt die Kosten für Treibstoff, Wartung, Triebwerksleasing und Lagerhaltung dramatisch in die Höhe. IATA-Generaldirektor Willie Walsh zeigt sich frustriert: "Es ist wirklich an der Zeit, dass diese wichtigen Zulieferer die Situation in den Griff bekommen und verbessern."
Hersteller kämpfen mit beispielloser Nachfrage
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseGael Meheust, CEO des Triebwerksherstellers CFM International – ein Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace und Safran – erklärt das Dilemma: "Das ist das Paradoxon, in dem wir uns befinden. Die Nachfrage hat ein Niveau erreicht, das wir uns nie hätten vorstellen können." CFM steigerte die Produktion 2025 um 25 Prozent und plant weitere jährliche Steigerungen von mindestens 10 Prozent.
Die Situation zeigt: Trotz massiver Produktionssteigerungen können Hersteller und Zulieferer mit der Nachfrageerholung nach der Pandemie nicht mithalten. Triebwerkshersteller müssen gleichzeitig die Montage neuer Flugzeuge und die Wartung bestehender Flotten bewältigen – eine Herausforderung, die die Branche noch Jahre beschäftigen wird.


