Lula trifft Trump: Brasilien will neue US-Handelszölle abwenden
Brasiliens Präsident Lula besucht das Weiße Haus, um Zölle zu vermeiden und Abkommen über kritische Mineralien zu sondieren.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist am Donnerstag zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus gereist. Ziel des Besuchs ist es, neue Handelszölle abzuwenden und die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu stabilisieren. Drei dem brasilianischen Präsidenten nahestehende Personen bestätigten gegenüber Reuters die Agenda des Treffens.
„Wir wissen nicht, ob der Besuch helfen wird", sagte ein an der Organisation des Treffens beteiligter brasilianischer Beamter gegenüber Reuters. „Aber es ist wahrscheinlicher, dass er hilft, als gar nichts zu tun." Die Erwartungen auf brasilianischer Seite sind demnach gedämpft, der Besuch wird jedoch als notwendiger Schritt gewertet.
Hintergrund: Zollstreit und diplomatische Spannungen
Im vergangenen Jahr hatte Trump brasilianische Produkte mit Zöllen von bis zu 50 Prozent belegt – zu den höchsten, die die USA auf Importe erhoben haben. Begründet wurde dies unter anderem mit dem Vorwurf einer „Hexenjagd" gegen den rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der später wegen des Versuchs, die Demokratie zu stürzen, verurteilt wurde. Trump nahm später einen Teil der Abgaben zurück, darunter Zölle auf brasilianisches Rindfleisch und Kaffee – teilweise um steigende Lebensmittelpreise in den USA zu dämpfen.
Im Februar hob der Oberste Gerichtshof der USA die weltweiten Zölle auf, die Trump unter einem Gesetz für nationale Notstände verhängt hatte. Brasilianische Produkte unterliegen seither noch einem zusätzlichen Zoll von 10 Prozent, der im Juli ausläuft. Dennoch wächst in Brasilien die Sorge vor einer neuen Zollwelle: In den vergangenen Wochen gab es Hinweise, dass brasilianische Exporte von Zöllen im Rahmen einer Untersuchung nach „Section 301" wegen unlauterer Handelspraktiken betroffen sein könnten.
Spannungen bestehen zudem beim digitalen Handel, da Brasilien die von den USA unterstützte Verlängerung eines WTO-Moratoriums für E-Commerce-Zölle blockiert hat. Auch hohe brasilianische Zölle auf bestimmte Waren, darunter Ethanol, sorgen für Reibung. Das Büro des US-Handelsbeauftragten behauptete im vergangenen Monat, dass fast die Hälfte der brasilianischen Holzexporte aus illegalen Quellen stamme – was die Regierung Lula bestreitet.
Kritische Mineralien als gemeinsames Interesse
Ein zentrales Thema des Treffens sind Brasiliens umfangreiche Reserven an kritischen Mineralien und Seltenen Erden, die für die High-Tech-Fertigung benötigt werden. „Vonseiten der USA suchen sie nach einer Art Abkommen – wie auch immer das aussehen mag – über kritische Mineralien und Seltene Erden mit Brasilien", sagte Monica de Bolle, brasilianische Ökonomin und Senior Fellow am Peterson Institute for International Economics. „Die USA brauchen tatsächlich etwas von Lula."
Die Regierung Lula erwartet allerdings nicht, dass bei diesem Treffen ein konkretes Abkommen zustande kommt. Brasilien besteht darauf, dass Mineralien im Inland verarbeitet werden, während die USA einen Mindestpreismechanismus anstreben, um zu verhindern, dass China westliche Produzenten unterbietet. Die Diskussionen bleiben laut Reuters vage, ohne konkrete Prognosen für Investitionen, Produktion oder Zeitpläne.
Dennoch haben beide Seiten ein Interesse daran, Kooperationsbereitschaft zu demonstrieren. „Die Messlatte liegt für beide eigentlich recht niedrig", sagte de Bolle. Selbst ein lockeres Rahmenwerk könnte von beiden Regierungen als diplomatischer Erfolg vermarktet werden.
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Zur AktienanalyseEin weiteres heikles Thema ist die Einstufung lateinamerikanischer Banden als terroristische Gruppen durch die Trump-Regierung. Brasilien versucht, eine solche Klassifizierung für die lokalen Banden PCC und Comando Vermelho zu verhindern. Eine Terrorismuseinstufung könnte den Weg für US-Militäreinsätze in Brasilien oder Sanktionen gegen Banken ebnen, die unwissentlich Geschäfte mit Bandenmitgliedern tätigen.
„Eine solche Entscheidung könnte Auswirkungen auf die brasilianische Wirtschaft, den produktiven Sektor und das Finanzsystem haben", warnte der Chef der brasilianischen Bundespolizei, Andrei Rodrigues, im März gegenüber Reuters. Lula will stattdessen eine verstärkte Zusammenarbeit bei organisierter Kriminalität, Geldwäsche und Waffenhandel vorschlagen – ohne dabei die nationale Souveränität zu gefährden.
Eine diplomatische Annäherung zwischen beiden Staatschefs hatte sich bereits im September vergangenen Jahres bei der UN-Generalversammlung angedeutet, als Trump von einer „ausgezeichneten Chemie" zwischen ihm und Lula gesprochen hatte. Ob dieser Goodwill nun in konkrete Ergebnisse mündet, bleibt abzuwarten.


