LVMH-Zahlen drücken Luxusaktien tief ins Minus
Schwache Nachfrage in China belastet die gesamte Branche erheblich.

Die verhaltenen Halbjahreszahlen des weltgrößten Luxusgüterunternehmens LVMH belasten die Stimmung im gesamten Sektor. LVMH-Aktien verlieren an der Börse in Paris am Mittwoch bis zu 6,5 Prozent auf 646,50 Euro. So tief lag die Aktie zuletzt Mitte Januar. Rivalen wie die Gucci-Mutter Kering und Hermes verlieren in Paris bis zu fünf Prozent, Moncler und Burberry büßen mehr als zwei Prozent ein. Die Titel von Hugo Boss verlieren in Frankfurt vier Prozent. Die in Hongkong notierten Prada-Aktien gaben 5,5 Prozent nach.
LVMH ist mit einem Börsenwert von nunmehr etwa 330 Milliarden Euro eines der wertvollsten Unternehmen Europas, hinter dem Pharmakonzern Novo Nordisk und etwa auf einem Niveau mit dem Halbleiterunternehmen ASML. Die Entwicklung des Mutterkonzerns von Edelmarken wie Louis Vuitton, Christian Dior, Tiffany & Co. und Hennessy gilt als Indikator für die Luxusmode-Branche. Aktuell lastet vor allem die schwache Nachfrage auf dem Absatzmarkt China auf dem Sektor. Die USA sind zwar der wichtigste Markt für Luxuskonzerne, doch in Asien wächst die Branche normalerweise besonders stark.
Die Konzernerlöse stiegen organisch im ersten Halbjahr um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, meldete LVMH am späten Dienstagabend. In der Region Asien-Pazifik – diese umfasst China, aber nicht Japan – ging der Umsatz um 14 Prozent zurück. Das Betriebsergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank um acht Prozent auf 10,65 Milliarden Euro. Die Zahlen zum Erlöswachstum würden zeigen, dass „selbst die Besten in der Branche nicht vor dem schwierigen Geschäftsumfeld gefeit sind“, schreiben die Experten der US-Großbank JP Morgan. Finanzchef Jean-Jacques Guiony zeigte sich vorsichtig optimistisch für das zweite Halbjahr. Man bleibe wachsam, sagte er, hoffe jedoch auf stärkeres Wachstum als in den ersten sechs Monaten.
Im wichtigsten Geschäftsbereich Mode- und Lederwaren stieg der Umsatz organisch um ein Prozent und damit deutlich weniger als erwartet. Das operative Ergebnis sank um sechs Prozent. Die Geschäftsbereiche Wein und Spirituosen sowie Uhren und Schmuck verzeichneten einen Ergebnisrückgang von 26 beziehungsweise 19 Prozent. Bereits in der Vergangenheit war zu beobachten, dass schwache Zahlen von Branchenriesen Aktien im gesamten Luxussegment belasten. Die Volatilität dürfte anhalten: Kering berichtete am Mittwoch nach Börsenschluss, dass der operative Ertrag im zweiten Halbjahr um 30 Prozent fallen dürfte, nach einem Rückgang um 42 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro im ersten Halbjahr.
Hermes öffnet seine Bücher am Donnerstag. Hugo Boss und Burberry wiederum hatten zuletzt bereits eine Gewinnwarnung ausgeben müssen. Die LVMH-Aktie hat seit ihrem im März erreichten Jahreshoch von 886 Euro etwa 27 Prozent an Wert verloren. Das Minus im Juli liegt bei fast zehn Prozent. „Luxusgüter befinden sich derzeit in einer Abschwungphase, die historisch gesehen etwa ein bis zwei Jahre dauert“, sagt Jelena Sokolova vom Analysehaus Morningstar. „Dieser Zeitraum könnte für langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsgelegenheit sein.“
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Zur AktienanalyseViele Analysten, die die LVMH-Aktie laut dem Finanzdienst Bloomberg beobachten, bestätigen ihre optimistische Grundhaltung, auch nach Vorlage der Zahlen am Dienstag. 25 „Kaufen“-Empfehlungen stehen aktuell elf Einschätzungen auf „Halten“ gegenüber. Niemand rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit knapp 844 Euro weit über dem aktuellen Niveau. Pessimistischer zeigte sich ein Experte der US-Bank Jefferies. Infolge der Zahlenvorlage passte er sein Kursziel um 20 Euro nach unten auf nunmehr 690 Euro an. Der Analyst verweist unter anderem auf das unsichere Marktumfeld und die anhaltende Kaufzurückhaltung.


