Mali droht nach koordinierten Dschihadisten-Angriffen der Staatszerfall
Gleichzeitige Angriffe auf Bamako und weitere Städte zeigen beispiellose Koordination von Al-Qaida-Milizen und Tuareg-Rebellen.

Ein koordinierter Großangriff hat Mali in eine tiefe Staatskrise gestürzt. Am vergangenen Samstag tötete ein Bündnis aus Al-Qaida-nahen Milizen und separatistischen Tuareg-Rebellen den malischen Verteidigungsminister Sadio Camara, griff den Flughafen der Hauptstadt Bamako an und vertrieb russische Soldaten aus einer Wüstenstadt mehr als tausend Kilometer entfernt. Die Gleichzeitigkeit und Reichweite der Angriffe auf mehrere Standorte rund um Bamako sowie mindestens drei weitere Städte demonstrieren eine bislang beispiellose Fähigkeit zur Koordination.
Die Angriffe wurden von der Gruppe JNIM – den mit Al-Qaida verbundenen Milizen – gemeinsam mit Tuareg-Rebellen durchgeführt, die einen unabhängigen Wüstenstaat im Norden Malis anstreben. Obwohl beide Gruppen jahrelang lose kooperiert hatten, sprechen sie nun erstmals offen über ihr formelles Bündnis. Damit entsteht eine neue, gefährliche Allianz mit unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Zielen.
„Es demonstriert Reichweite", sagte Justyna Gudzowska, Exekutivdirektorin der Ermittlungs- und Politikanalysegruppe The Sentry. „Es signalisiert jedem Malier, jeder regionalen Hauptstadt und jedem ausländischen Partner, dass die JNIM nach Belieben im vermeintlich sicheren Zentrum des Staates agieren kann."
Verteidigungsminister durch Autobombe getötet
Der Tod von Verteidigungsminister Sadio Camara wiegt besonders schwer. Eine Autobombe zerstörte sein Haus vollständig. Laut einem hochrangigen Diplomaten hat die JNIM damit einen wichtigen Anführer ausgeschaltet, ein Machtvakuum geschaffen und die Aussicht auf einen umfassenderen nationalen Zusammenbruch erhöht. Die malische Militärregierung erklärte zwar, die Lage sei unter Kontrolle – doch ihr Oberhaupt Assimi Goita ist seit den Angriffen am Samstag weder öffentlich aufgetreten noch hat er Erklärungen abgegeben.
Corinne Dufka, eine ausgewiesene Expertin für die Sahelzone, zog eine vernichtende Bilanz der Wochenendoffensive. Sie habe die militärischen und politischen Forderungen der JNIM vorangebracht, das Versagen des malischen Geheimdienstes offengelegt und die mangelnde Wirksamkeit der Partnerschaft mit Russland bloßgestellt. Gleichzeitig habe die Offensive die beachtliche militärische Kapazität der JNIM und ihrer Tuareg-Verbündeten unter Beweis gestellt.
Sahel-Region unter massivem Druck
Die Lage in Mali ist kein Einzelfall. Auch die Nachbarländer Burkina Faso und Niger kämpfen gegen miteinander verknüpfte Aufstände, die von Al-Qaida und dem Islamischen Staat inspiriert sind. Die Regierungen in der gesamten Sahelzone sind dadurch massiv geschwächt. „Nach fast 20 Jahren militärischer Interventionen durch US-amerikanische, französische, europäische, afrikanische und russische Partner haben die Dschihadisten ihre Operationsgebiete nur noch ausgeweitet", sagte Dufka.
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Zur AktienanalyseVorerst scheinen sich die Islamisten darauf zu konzentrieren, ihre Gewinne zu konsolidieren, Kämpfer zu rekrutieren und in Mali politisch Fuß zu fassen – ein Vorgehen, das Beobachter mit dem Aufstieg islamistischer Rebellen in Syrien vergleichen. Anschläge im Ausland oder Angriffe auf ausländische Interessen in der Region stehen demnach derzeit nicht im Vordergrund.
Völlig offen bleibt, wie lange das Bündnis zwischen JNIM und den Tuareg-Rebellen halten kann und wie die Gruppen die Gebiete, die sie kontrollieren wollen, langfristig regieren könnten. Die Ereignisse des Wochenendes haben jedoch gezeigt, dass die Stabilität des westafrikanischen Landes auf einem äußerst fragilen Fundament steht – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Region.


