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Marilyn Monroe: Seltene Mitternachtsfotos zeigen das wahre Gesicht

Zwei neue Ausstellungen in London beleuchten das Leben der Ikone, die 1926 – vor einem Jahrhundert – geboren wurde.

Marilyn Monroe: Seltene Mitternachtsfotos zeigen das wahre Gesicht

Marilyn Monroe wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Geboren 1926 als Norma Jeane Mortenson, starb sie 1962 im Alter von nur 36 Jahren. Seither versucht die Welt, sie wirklich zu sehen – eine Aufgabe, die sich als erstaunlich schwierig erweist. Zwei neue Ausstellungen in London nehmen sich dieser Herausforderung nun erneut an.

Die National Portrait Gallery zeigt ab dem 4. Juni die Ausstellung „Marilyn Monroe: A Portrait", das British Film Institute (BFI) präsentiert ab dem 1. Juni die Retrospektive „Marilyn Monroe: Self-Made Star". Beide Projekte versuchen, hinter das vergoldete Leinwandimage zu blicken und die Frau hinter der Ikone zu ergründen.

Zwischen Image und Identität

Monroe selbst war sich der Spaltung zwischen ihrer öffentlichen Persona und ihrem inneren Selbst schmerzhaft bewusst. „Männer sehen mich nicht", sagte sie einmal. „Sie lassen nur ihre Augen auf mir ruhen." 1954 bemerkte sie gegenüber dem Drehbuchautor Ben Hecht: „Die Leute hatten die Angewohnheit, mich anzusehen, als wäre ich eine Art Spiegel und kein Mensch."

Ihr Freund Truman Capote erinnerte sich an eine Begegnung, die diese Zerrissenheit eindrücklich illustriert: Bei einem gemeinsamen Mittagessen verschwand Monroe plötzlich. Capote fand sie schließlich im Badezimmer, wie sie sich im Spiegel gegenüberstand. Auf seine Frage, was sie dort tue, soll sie geantwortet haben: „Ich schaue Sie an."

Ihre Freundin Amy Greene erlebte hautnah, wie Monroe ihre Persona wie einen Schalter umlegen konnte. Als die beiden gemeinsam den Broadway entlanggingen, fragte Monroe: „Willst du sehen, wie ich zu Ihr werde?" Greene erinnerte sich: „Ich weiß nicht, wie ich erklären soll, was sie tat, denn es war so subtil, aber sie knipste etwas in sich an, das fast wie Magie war. Und plötzlich fuhren die Autos langsamer, und die Leute drehten sich um und blieben stehen, um sie anzustarren."

Die Meisterin der Kamera

Die Fotografin Eve Arnold, eine langjährige Freundin Monroes, brachte es auf den Punkt: „Ich habe niemanden gekannt, der Marilyn auch nur annähernd in der natürlichen Fähigkeit das Wasser reichen konnte, sowohl den Fotografen als auch die Standbildkamera zu nutzen. Darin war sie etwas Besonderes, und für mich gab es vor ihr und nach ihr niemanden wie sie." Regisseur Billy Wilder, der Monroe in „Some Like It Hot" (1959) inszenierte, stimmte zu und beschrieb ihr Verhältnis zur Kamera als eine Mischung aus „Gefühl" und „Angst".

Die NPG-Ausstellung zeigt diese Entwicklung eindrücklich: Ein Foto aus dem Jahr 1940 zeigt sie brünett und strahlend in einem Fotoautomaten; um 1946 fotografierte André de Dienes sie am Strand, in eine Decke gehüllt, das Haar bereits blond, die Wangen noch kindlich. 1955 hielt Eve Arnold sie beim Lesen von James Joyces „Ulysses" fest – ein Bild, das die Intellektuelle hinter der Blondine kanonisierte.

Die Mitternachtsfotos: Ein anderes Gesicht

Besonders aufschlussreich sind Aufnahmen, die in der NPG-Ausstellung nicht zu sehen sind: Im Jahr 1953 rief Monroe, die unter Schlaflosigkeit litt, den Fotografen André de Dienes mitten in der Nacht an und schlug ein spontanes Fotoshooting in Beverly Hills vor. Sie wollte in einer dunklen Straße fotografiert werden, beleuchtet nur von den Scheinwerfern von Dienes' Auto.

Die entstandenen Bilder sind wie keine anderen Fotografien, die von ihr existieren: düster, eindringlich, mit einer flüchtigen Ähnlichkeit zu Cindy Shermans späterer Fotoserie „Untitled Film Stills" (1977–80). Monroe wirkt auf diesen Aufnahmen ausgehöhlt, fast gezeichnet, die Augen feucht und weit geöffnet. Es sind Bilder, die entstanden, als die Künstlichkeit abgestreift war.

Dienes selbst kritzelte auf einen seiner Kontaktbögen: „Die ‚Sonnenschein und Schatten'-Marilyn. Sie konnte überschäumend sein, vor Freude sprudeln, oder traurig und gequält wirken, einsam! Sie war all das, wahrhaftig!" Das Wort „wahrhaftig" unterstrich er dreimal.

Von der Ingénue zur tragischen Figur

Die BFI-Retrospektive zeichnet Monroes filmische Entwicklung nach: Die Nebenrollen-Ingénue aus „Monkey Business" (1952) wurde im darauffolgenden Jahr zur vollendeten Musical-Darstellerin in „Gentlemen Prefer Blondes". Das lebhafte Komödientalent aus „Some Like It Hot" (1959) verwandelte sich 1961 in das zerbrechliche emotionale Zentrum von „The Misfits" – ihre Stimme nicht mehr hauchend vor sexuellem Versprechen, sondern heiser vom Schreien.

Marlene Dumas' beklemmendes Gemälde „Dead Marilyn" von 2008, das sie auf dem Obduktionstisch zeigt, bildet in der NPG-Ausstellung den erschütternden Schlusspunkt dieses Lebensbogens. Es ist ein unaufhaltsamer Zyklus – Knospe, Blüte, vorzeitiges Welken – der die Geschichte einer Frau erzählt, die der Welt alles gab, was sie hatte.

„Marilyn Monroe: A Portrait"

„Marilyn Monroe: Self-Made Star"

, BFI London: 1. Juni bis 31. Juli, bfi.org.uk

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