Märkte enttäuscht: Broadcom verfehlt Erwartungen, KI-Boom wackelt
Optimismus zu Wochenbeginn wich Ernüchterung: Broadcom-Zahlen und stockende Iran-Gespräche belasteten die globalen Märkte spürbar.

Die globalen Finanzmärkte starteten diese Woche mit großem Optimismus. Händler setzten auf ein Ende des Iran-Konflikts und einen ungebrochenen KI-Boom. Doch an beiden Fronten folgte die Enttäuschung auf dem Fuß.
Der KI-Hype trieb die Aktienmärkte über weite Strecken der Woche an und verlängerte die Gewinnserie des S&P 500 auf neun aufeinanderfolgende Handelstage. Doch dann kam Broadcom. Der Chiphersteller verfehlte am Mittwoch leicht die Gewinnerwartungen der Analysten – und das reichte, um den Markt ins Straucheln zu bringen. Ein deutliches Signal: Die Messlatte, um Investoren zu beeindrucken, liegt derzeit unglaublich hoch.
Broadcom-Schock vernichtet 300 Milliarden Dollar Marktwert
Dabei waren Broadcoms Zahlen alles andere als schwach. Das Unternehmen erzielte im letzten Quartal einen Umsatz von über 22 Milliarden Dollar. Doch da dies unter den Markterwartungen lag, brach die Aktie am Donnerstag um mehr als 12% ein – obwohl der Kurs im Quartal bis Mittwoch bereits um 55% gestiegen war. Der Kursrutsch vernichtete rund 300 Milliarden Dollar an Marktwert und zog den Nasdaq nach unten. Der S&P 500 erholte sich zwar am Donnerstag und schloss im Plus, doch asiatische Aktien fielen am Freitag, und die Wall-Street-Futures notierten vor Handelsbeginn ebenfalls niedriger.
Trotz dieses Rückschlags blieb der Enthusiasmus für den Technologiesektor in der Breite spürbar. Die Woche bot reichlich weiteren Gesprächsstoff aus der KI-Welt:
- Nvidia stellte am Montag einen neuen Chip vor, der KI-Funktionen direkt in PCs integriert – laut Branchenexperten könnte dies die Interaktion mit KI grundlegend verändern.
- Das KI-Unternehmen Anthropic beantragte einen Börsengang (IPO) und ergänzt damit eine bereits prall gefüllte Pipeline geplanter Notierungen, darunter das 75-Milliarden-Dollar-Angebot von SpaceX – das größte aller Zeiten.
- Googles Muttergesellschaft Alphabet gab bekannt, eine Aktienemission in Höhe von 80 Milliarden Dollar anzustreben, wobei 10 Milliarden Dollar von Berkshire Hathaway übernommen werden sollen.
- Der Chipdesigner Marvell Technology legte am Dienstag um mehr als 25% zu, nachdem Nvidia-CEO Jensen Huang angedeutet hatte, das Unternehmen könnte das „nächste Billionen-Dollar-Unternehmen" sein.
- Microsoft kündigte einen neuen, KI-entworfenen Quantencomputer-Chip an und erklärte, bis 2029 kommerziell nutzbare Quantenmaschinen besitzen zu wollen.
Iran-Konflikt und Ölmarkt unter Druck
Abseits der Technologiemärkte rückte der Rohstoffmarkt in den Fokus. Der Ölpreis schloss am Montag um mehr als 4% höher, nachdem iranische Berichte das Ende der Friedensgespräche meldeten – was die USA jedoch bestritten. Brent-Rohöl blieb ansonsten in einer Spanne unter 100 Dollar pro Barrel und bewegte sich im Einklang mit den Schlagzeilen, während Militärschläge im Golf anhielten.
Auch der jüngste Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon stand auf wackeligen Beinen. Die Hisbollah erklärte am Donnerstag, sie werde sich nicht an die Bedingungen halten. Die Märkte zeigten sich von den Unruhen zwar relativ unbeeindruckt, doch das Risiko einer größeren Energiekrise verschärfte sich angesichts des raschen Rückgangs der weltweiten Lagerbestände. US-Benzinvorräte sind in einem fast rekordverdächtigen Tempo gesunken – gerade als die Nachfrage im Sommer steigen dürfte.
China fungiert derzeit als ausgleichende Kraft auf dem globalen Energiemarkt. Die chinesischen Rohölimporte auf dem Seeweg fielen im Mai auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren und halfen Asien, den Verlust von mindestens 10 Millionen Barrel Rohöl pro Tag durch die Blockaden der Straße von Hormus auszugleichen. Wie lange das anhält, bleibt jedoch offen.
Devisenmärkte: Yen nähert sich kritischer Marke
Auch an den Devisenmärkten gab es Bewegung. Der japanische Yen kletterte wieder in Richtung der wichtigen Marke von 160 pro Dollar – ein Niveau, das die japanische Regierung in der Vergangenheit zu Interventionen veranlasst hat. Berichten zufolge haben die Behörden erst vor wenigen Wochen mehr als 73 Milliarden Dollar für Yen-Käufe ausgegeben.
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Zur AktienanalyseUS-Arbeitsmarkt: Gemischtes Bild vor Nonfarm Payrolls
In den USA war dies eine wichtige Woche für Arbeitsmarktdaten. Der JOLTS-Bericht zeigte, dass die Zahl der offenen Stellen im April so stark gestiegen ist wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Beschäftigtenzahlen im privaten Sektor übertrafen mit einem Plus von 122.000 für Mai die Prognosen. Gleichzeitig stiegen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe unerwartet um 6,1%, und die von US-Unternehmen angekündigten Entlassungen sprangen im Mai laut einem Bericht von Challenger, Gray & Christmas um 11% nach oben – wobei fast 40% dieser Entlassungen auf KI zurückgeführt wurden.
Das Augenmerk liegt nun auf dem Bericht über die Nonfarm Payrolls für Mai, der am Freitag veröffentlicht wird. Ein prognostizierter Nettozuwachs von 85.000 Stellen wäre ein solides Ergebnis im Vergleich zu den pessimistischeren Szenarien vom Jahresbeginn. Dieses gemischte Bild könnte dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh vor der Sitzung der Zentralbank Ende des Monats Kopfzerbrechen bereiten – insbesondere angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks. Während KI langfristig als disinflationär gelten könnte, scheint der aktuelle Investitionsschub kurzfristig Aufwärtsdruck auf die Preise auszuüben. Es könnte in mehrfacher Hinsicht ein heißer Sommer werden.


