Märkte feiern Einigung zur Straße von Hormus
USA und Iran einigen sich auf Rahmenplan zur Kriegsbeendigung und Wiedereröffnung der Straße von Hormus – Aktienmärkte reagieren mit breiter Rallye.

Die globalen Finanzmärkte haben am Montag mit einer breiten Risk-on-Rallye auf die Nachricht reagiert, dass sich US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter auf einen Rahmenplan zur Beendigung des Krieges geeinigt haben. Kernpunkte der Vereinbarung sind die Aufhebung der US-Blockade gegen den Iran sowie die Wiedereröffnung der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus. Die Meerenge soll bereits am Freitag vollständig geöffnet werden, wenn das erste formelle Abkommen unterzeichnet werden soll.
US-Präsident Trump hatte offenbar das Ziel, den Konflikt pünktlich zu seinem Geburtstag zu beenden – und die Märkte hatten genau das antizipiert. Das heikle Thema der Zukunft des iranischen Atomprogramms wurde jedoch ausgeklammert und weiteren Verhandlungen überlassen. Damit bleibt ein zentraler Streitpunkt zwischen Washington und Teheran vorerst ungelöst.
Unklarheiten über Kontrolle der Meerenge
Trotz der positiven Grundstimmung bestehen erhebliche Unsicherheiten über die künftige Kontrolle der Wasserstraße. Während Trump erklärte, die Durchfahrt werde gebührenfrei sein, gab Teheran an, die lebenswichtige Meerenge gemeinsam mit dem Oman kontrollieren zu wollen. Jegliche Gebühren würden das völkerrechtliche Prinzip der Freiheit der Meere untergraben – ein Grundpfeiler des globalen Handelssystems.
Die Frage hat weitreichende Implikationen: Sollte der Iran die Straße von Hormus kontrollieren und Gebühren erheben dürfen, könnte dies einen Präzedenzfall für andere strategische Meerengen schaffen. Experten fragen sich, ob ähnliche Ansprüche künftig auch für die Straße von Malakka, das Bab al-Mandab, die Straße von Taiwan, den Ärmelkanal oder die Straße von Gibraltar gestellt werden könnten. Zudem ist unklar, ob Reedereien ihre Schiffe ohne militärischen Schutz durch die Meerenge schicken werden und wie hoch die Versicherungskosten ausfallen könnten.
Offen bleibt auch, ob und wann die Transitfrequenz wieder den Vorkriegsdurchschnitt von 138 Schiffen pro Tag erreichen wird. Ebenso ungeklärt ist der Zustand der durch den Krieg beschädigten Öl- und Flüssigerdgas-Anlagen in der Region.
Breite Rallye an den Aktienmärkten
Die Fortschritte reichten aus, um weltweit Kauflaune zu entfachen. US-amerikanische und europäische Aktien-Futures legten allesamt um 1 Prozent oder mehr zu. Besonders stark profitierten die Märkte in Asien: Japanische und südkoreanische Aktien stiegen um mehr als 5 Prozent, da beide Länder als Netto-Energieimporteure unmittelbar von sinkenden Ölpreisen profitieren. Die Sorte Brent verbilligte sich um 5 Prozent.
Der Rückgang der Ölpreise hat auch geldpolitische Konsequenzen. Günstigeres Öl reduziert das Inflationsrisiko und damit den Druck auf Zentralbanken, die Zinsen zu erhöhen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen fielen um 6 Basispunkte auf ein Einmonatstief. An den Fed-Fund-Futures-Märkten wurden Zinserhöhungserwartungen im Umfang von 8 Basispunkten für das kommende Jahr ausgepreist.
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Zur AktienanalyseGünstigeres Öl könnte zudem die Position der „Tauben" im Fed-Vorstand stärken – darunter vermutlich auch Fed-Chef Kevin Warsh –, die an einer Lockerungstendenz festhalten wollen. Dennoch bleibt eine Abkehr von dieser Tendenz hin zu einer neutralen Haltung ein reales Risiko, wie Kommentare vieler FOMC-Mitglieder bei ihrer Sitzung in dieser Woche zeigen.
In dieser Woche stehen zudem Zentralbanksitzungen in einer Reihe weiterer Länder an: Vereinigtes Königreich, Japan, Australien, Schweiz, Schweden, Norwegen und Russland. Japan gilt dabei als der wahrscheinlichste Kandidat für eine Zinserhöhung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der russischen Sitzung am Freitag: Notenbankchefin Elvira Nabiullina wurde seit einigen Wochen nicht mehr öffentlich gesehen, was Spekulationen über ihre Zukunft ausgelöst hat. Analysten schreiben ihr zu, die russische Wirtschaft während des Ukraine-Krieges stabilisiert zu haben. Ihr Fehlen würde das Vertrauen der Märkte in das russische Finanzsystem auf eine ernste Probe stellen.
Zu den weiteren marktrelevanten Ereignissen am Montag zählen der Beginn des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains, eine vorab aufgezeichnete Grundsatzrede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie Auftritte von EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone. Auf der Datenseite stehen EU-Handelsdaten und Industrieproduktionszahlen für April sowie US-Industrieproduktionsdaten für Mai und der Empire State Manufacturing Index für Juni auf dem Programm.


